aktualisiert: 29.06.2009 16:09 Uhr
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BAD KISSINGEN
Janine Jansen beim Kissinger Sommer: Wenn der Geigenbogen Haare lässt
Janine Jansen brilliert mit dem BR-Symphonieorchester in Kissingen
Woody Allens berühmte Liste der Dinge, die das Leben lebenswert machen – darunter Groucho Marx, die „Éducation sentimentale“ von Flaubert, der „Potatoehead Blues“ von Louis Armstrong und der zweite Satz von Mozarts „Jupiter-Symphonie“ – ist zumindest um einen Punkt zu erweitern: das Tschaikowsky-Violinkonzert mit Janine Jansen.
Mit traumwandlerischer Sicherheit präsentierte die 31-Jährige beim Kissinger Sommer im Regentenbau das – neben Lalos „Symphonie espagnole“ und Sarasates „Zigeunerweisen“ – technisch wohl vertrackteste Geigenwerk des späten 19. Jahrhunderts. Egal, ob die Niederländerin in der Solo-Überleitung zu Beginn des Finales das Tempo gekonnt verzögerte, oder ob sie im melancholischen g-Moll-Andante die Saiten zu streicheln schien: Was die Geigerin auf ihrer Stradivari produzierte, war stets präzise, durchdacht und – vor allem – mit vollem Einsatz vorgetragen. Die Vollblutmusikerin verfügt über eine famose Technik, die insbesondere auf einer tadellosen Koordination zwischen linker Hand und rechtem Arm sowie einer perfekten Intonation basiert. Da saß jeder Ton.
Selbst in den wildesten Passagen des Eröffnungssatzes, die ein kräftiges Zupacken erfordern, war Janine Jansens Spiel – auch wenn der Geigenbogen am Ende vom Tschaikowsky ein halbes Dutzend Haare gelassen hatte – niemals roh, sondern stets voll kultivierter Energie. Das galt auch für den überirdisch schön dargebotenen Bach, den sie als Zugabe spielte.
Dass die Virtuosin sich so frei entfalten konnte, verdankte sie dem fein abgestimmten Zusammenspiel mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Vladimir Fedosseyev. Das BR-Orchester, das hernach noch Prokofieffs immens schwere 5. Symphonie bravourös spielte, brillierte unter dem Russen insbesondere in den Bläsern und im Schlagwerk mit Schmissigkeit und Profiliertheit.
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