aktualisiert: 23.09.2010 10:08 Uhr
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BAD KISSINGEN
Josef Benzion Losmann und Herta Losmann
Hemmerichstraße 33
Den Opfern der Nationalsozialisten ihrer Identität zurückgeben – das ist eine der Kernaufgaben der Stolpersteine. Zu diesen kleinen Denkmalen, die der Künstler Gunter Demnig jeweils auf dem Gehsteig vor der letzten freiwilligen Wohnung der Betreffenden setzt, erstellt die Kissinger Initiativgruppe Biografien der Opfer.
Josef Benzion Losmann, auch Benno oder Ben genannt, wurde am 27. März 1891 in Kissingen geboren und entstammte einer seit 1806 in der Kurstadt nachweisbaren jüdischen Familie. Er war das mittlere von drei Kindern des Schlossermeisters Isaak Losmann (1847-1931) und dessen Frau Mathilde Bach (1854-1937). Die Eltern waren um 1890 in ihr eigenes Wohnhaus Hemmerichstraße 33 (heute Hausnummer 4) gezogen. Dort befanden sich auch die Schlosserei sowie Materiallager des Alteisenhandels, der später zum Altmaterialhandel erweitert wurde. Losmann machte eine kaufmännische Lehre in einer Kissinger Baustoffgroßhandlung und blieb dort bis 1914 als Handlungsgehilfe. Danach war er in Kitzingen Buchhalter und Kassier, bis er 1915 zum Militär einberufen wurde und als Frontkämpfer am Ersten Weltkrieg teilnahm. Nach seiner Rückkehr 1918 wohnte er bei seinen Eltern und arbeitete in deren Betrieb mit.
Ab 1924 engagierte er sich in der Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz-Rot Gold, einem überparteilichen Bündnis zum Schutz der Republik gegen deren antidemokratische Feinde. 1931, nach dem Tod des Vaters, übernahm er mit seiner Schwester Herta den Altmaterialhandel. 1932 wurde zusätzlich ein „Handel mit Kräutern und anderen Vegetablien“ angemeldet. Vermutlich wurde die Verdienstmöglichkeit durch Sammeln von Altmaterial seit Oktober 1936 weitgehend unmöglich, da der NS-Staat den Rohstoffhandel monopolisierte. Josef Losmann war einer der 28 Kissinger Juden, die während des Pogroms 1938 widerrechtlich festgenommen wurden und längere Zeit inhaftiert waren. Als ehemaligem Frontkämpfer blieb ihm damals die Verschleppung in ein Konzentrationslager erspart. Er wurde aber wie seine Schwester Herta im dritten Deportationszug fränkischer Juden ins Ghetto Izbica gebracht.
Herta Losmann wurde am 23. Juli 1893 in Bad Kissingen geboren. Sie arbeitete als Erwachsene im elterlichen Betrieb mit. Wovon sie ab 1939 lebte, ist nicht bekannt. Am 25. April 1942 wurde sie mit ihrem Bruder Josef ins Ghetto Izbica deportiert. Ob die beiden dort durch Entbehrung, Hunger oder Krankheit umkamen, einer spontanen Mordaktion zum Opfer fielen oder in einem der nahen Vernichtungslager ermordet wurden, ist nicht zu ermitteln.
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Mehr über die Stolpersteine unter badkissingen.mainpost.de
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