publiziert: 08.02.2010 20:44 Uhr
aktualisiert: 23.09.2010 10:21 Uhr
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Karl und Julius Neumann

Ludwigstraße 9

Karl Neumann wurde am 19. August 1860 in Jastrow in Westpreußen geboren. Er heiratete die Kissingerin Klara Löwenthal (1869-1915) und hatte mit ihr die beiden Kinder Julius (1894-1942) und Elsa (1895-?), die später als verheiratete Wolff in Hamburg lebte. Am 30. April 1903 erhielt Karl Neumann das Kissinger Bürgerrecht. Als Kaufmann betrieb er in der Kurstadt ein vornehmes Modehaus. In oder um die Reichspogromnacht am 9. November 1938 sollen laut mündlicher Überlieferung zwei SA-Männer mit gezogener Pistole bei den Neumanns erschienen sein. Unter Drohungen seien Karl und sein Sohn Julius gezwungen worden, den Verkauf für ihr stattliches Anwesen in der Ludwigstraße 9 (früher Hausnummer 3) zu unterschreiben. Der Vorgang lässt sich heute nicht mehr belegen. Allerdings eröffnete am 1. Februar 1939 einer dieser beiden SA-Männer sein Delikatessengeschäft im Gebäude der Neumanns und war fortan dessen Besitzer. Am 1. Februar 1940 mussten der Witwer und sein Sohn in die Maxstraße 23a ins Haus der Familie von Hermann Holländer umziehen, der schon 1938 durch Misshandlungen in Gestapo-Haft umgekommen war. Neumann wurde am 1. Mai 1942 in Kissingen abgemeldet und gilt als verzogen in ein Würzburger Altersheim. Von dort wurde er im Alter von 82 Jahren am 23. September 1942 mit Transport II/26 ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er starb. Am 18. Dezember 1942 wurde beim Amtsgericht sein Tod vermerkt.

Julius Neumann, sein Spitzname war Juller, wurde am 1. August 1894 in Kissingen als Sohn von Karl Neumann und Klara Löwenthal geboren. Später übernahm er das Modehaus seines Vaters. Als Jude erlebte er unter den Nazis vielfältige Anfeindungen. Sofort nach deren Machtergreifung wurden ihm kommunistische Umtriebe unterstellt. Im März 1933 wurde er in Schutzhaft genommen.

Trotz seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg und seiner offen bekundeten Sympathie für die liberale Deutsche Demokratische Partei sah er sich immer dem Vorwurf der Linksradikalität ausgesetzt. Neumann hoffte wohl noch auf die Möglichkeit zur Ausreise nach Amerika. Doch mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde dies unmöglich. Am 24. April 1942 wurde er ins Ghetto Izbica bei Lublin deportiert. Am 30. Juni 1942 vermerkte das Amtsgericht seinen Tod.

    
    

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