aktualisiert: 22.07.2008 13:20 Uhr
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BAD KISSINGEN
Erinnern und Vergessen
Uraufführung zu Peter Ruzickas Geburtstag
(fg) Zeitgenössische Musik hat im Kissinger Sommer stets einen Platz. Besonders mit einem Namen ist diese Aufgeschlossenheit der Moderne gegenüber verbunden: Peter Ruzicka. Am Donnerstag feierte er, wie schon einige Male, wieder seinen Geburtstag an der Saale. Es war der 60., „Happy Birthday, Peter Ruzicka“ war deshalb der Nachmittag im Rossini-Saal betitelt.
Das Kölner Minguet-Quartett hatte die ehrenvolle Aufgabe, die Uraufführung von Ruzickas sechstem Streichquartett „Erinnern und Vergessen“ zu gestalten.
Quasi zum Einschwingen auf den fahlen Ton von Ruzickas Streichmusik standen zuvor „ . . . Fragmente . . .“ aus dem Jahr 1970 auf dem Programm, äußerst verknappte Epigramme mit sehr vielen Pizzikati-Einwürfen, kaum mehr Klang zu nennenden Streicher-Bewegungen und kurzen Ausbrüchen.
Aus dieser Schaffenszeit des ehemaligen Intendanten der Salzburger Festspiele, speisen sich auch Elemente seines neuen Streichquartetts „Erinnern und Vergessen“. Mehr noch, vor allem ab dem mittleren Teil des Werkes, tritt hier aber die Verarbeitung des klassischen Erbes hervor.
Als schwaches spätromantisches Echo erklingen Violine (Ulrich Isfort) und noch mehr die Viola (Firmian Lermer) wie ein verblasster Motiv-Fetzen aus einem Mahler-Adagio. Und einmal streicht der Bogen nur noch über die Kante des Violinen-Gehäuses: Gestaltetes endet im Geräusch. Die Entfernung von der Tradition bringt sie in einem dialektischen Prozess wiederum nahe.
Klagender Grundton
Dem klagenden Grundton verleiht das Sopransolo von Eun-Kyung Um Stimme. Dreimal hebt ihr glasklarer, beinahe kalter Sopran an, wiederum Fragmentarisches aus Hölderlins „Mnemosyne“-Gedicht, ohne dass eine Tröstung absehbar wäre.
Das Kissinger Publikum hat einen Vorgeschmack bekommen auf Ruzickas Hölderlin-Oper, die im Herbst in Berlin das Licht der Welt erblicken soll und mit Spannung erwartet wird.
Mit Applaus bedankte sich der anwesende Komponist bei seinem Ensemble, das mit Beethovens komplexem Streichquartett Nr. 15 den hohen geistigen Anspruch an das Hören von Musik nicht mehr herunter setzte.
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