publiziert: 19.07.2009 15:17 Uhr
aktualisiert: 19.07.2009 18:52 Uhr
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Kissinger Sommer: Spontaner Applaus nach drittem Satz

Herbert Blomstedt und die Bamberger Symphoniker in Bad Kissingen

Eigentlich müsste sich der Dirigent fragen, was er falsch gemacht hat, wenn nach dem dritten Satz von Tschaikowskys Sinfonie Pathétique nicht spontaner – und verfrühter – Applaus aufbrandet. Denn wenn man alles richtig macht, reißt der rasante Satz das Publikum von den Stühlen. Und bis heute ist es für den Hörer höchst ungewohnt, dass dieses Allegro molto vivace nicht das Werk beschließt.

Herbert Blomstedt und die Bamberger Symphoniker haben also alles richtig gemacht bei ihrem Kissinger-Sommer-Gastspiel: spontaner Applaus nach dem dritten Satz. Es wäre allerdings ungerecht, dem Orchester zu unterstellen, es habe die Pathétique auf diesen Effekt hin angelegt. Im Gegenteil. Blomstedt ist der romantische Heldengestus gänzlich fremd. Er lässt das Werk – und damit die Musiker – sich entfalten. Es ist wohl das in jahrzehntelanger Erfahrung gewachsene Vertrauen in den Ausdruckswillen der großen Orchester, dem man einfach nur seinen Lauf lassen muss. Und so feiern die Bamberger ein sinfonisches Fest mit herrlichen Kantilenen, entfesselten Elementen und schließlich unendlich traurigen Abschiedsgedanken.

Ähnlich ungewöhnlich Mozarts sperriges c-Moll-Klavierkonzert mit dem polnischen Pianisten Piotr Anderszewski vor der Pause (man hatte wohltuenderweise auf das meist überflüssige Einspielstück verzichtet). Anderszewski und Blomstedt verbindet die uneitle Suche nach der Essenz eines Werkes. Und so überlässt sich der Solist den kniffligen Modulationen des Kopfsatzes, ohne gegen Mozarts Verweigerung der Konvention anzuspielen. Mit Witz und Genuss folgt er im Schlusssatz den ironischen Variationen des bewusst banalen Themas, die fast wie eine Parodie auf die Moden der Basso-Continuo-Zeit wirken.

Das Larghetto allerdings wird zur wunderbar intimen Insel inmitten all der kompositorischen Verwirrspiele. Großer Applaus für einen Abend gleichermaßen voller Emotionen und Denkanstöße.

Von unserem Redaktionsmitglied Mathias Wiedemann
    
    

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Die neuesten Kommentare

redkis (120 Kommentare) am 23.07.2009 08:54

hallo primavera

wenn Sie diesen Kommentar auch als Leserbrief in der Zeitung veröffentlicht haben wollen, schicken Sie ihn bitte an red.kissingen@mainpost.de und teilen uns bitte auch Ihre Telefonnummer mit.
Gruß
die redaktion
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primavera (8 Kommentare) am 20.07.2009 10:19

Danke

Mit großer Erleichterung nehme ich diese Nachlese auf. Wir ließen uns nämlich auch hinreißen schon nach dem dritten Satz zu applaudiern. Die furiose Klanggewalt hatte uns in ihren Bann geschlagen. Ein großartiges Orchester geleitet von einem einfühlsamen Dirigenten.
(0)
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