aktualisiert: 29.06.2009 19:10 Uhr
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CASTELL
Kissinger Sommer im Reitstall zu Castell
Sabine Meyer, Reiner Wehle und die Meisterschüler überzeugen
Große Spielfreude, toller Spielwitz und am Ende ein erstaunlicher Flirt des Stars mit dem Publikum: Das Gastspiel des Kissinger Sommers im Reitstall des Schlosses Castell wird als einer der ganz großen Höhepunkte ins Kulturjahr 2009 des Landkreises Kitzingen eingehen.
Da kam schon ein Hauch von Schleswig-Holstein-Festival auf, am späten Sonntagmorgen im Schlosspark in Castell. Dicht gedrängte und voll besetzte Stuhlreihen im schlichten Reitstall des Schlosses – eher ein Podest als eine Bühne –, zwei Baustrahler an der zum Dach hin offenen Decke, Musiker, die aus dem Freien auf die Bühne kommen: Das alles gibt eine besondere und dichte Atmosphäre. Musiker, die nur eine gute Armlänge von der ersten Publikumsreihe entfernt musizieren, das harte Licht von oben, das scharfe Konturen in die Gesichter zeichnet – das hat viel Charme und schafft eine Nähe zwischen Akteuren und Zuhörern, die die gediegene Distanz eines Konzertsaals schnell vergessen lassen.
Vielleicht ist es gerade die Nähe zum Publikum, die unter den Musikern eine ungemeine Lockerheit entstehen lässt. Da bleibt bei aller Konzentration viel Raum für Kommunikation unter den Spielern, da wird sich zugelächelt, anerkennend genickt. Das Publikum merkt sofort: Die auf der Bühne haben richtig Spaß an ihrer Musik, da macht nicht nur das Zuhören Freude, auch das Zusehen.
Sabine Meyer und Ehemann Reiner Wehle haben sechs Schüler aus ihrer Meisterschule zum Konzert nach Castell mitgebracht. Beide spielen bei den Quartetten und Quintetten mit, lassen ihren Schülern aber auch viel Raum für die eigene Präsentation. Sabine Meyer, der Weltstar ohne jede Allüre, gibt hier und da einen kurzen Einsatz, ist ansonsten aber Teil des Ensembles. Reiner Wehle erfreut das Publikum mit kurzen und witzigen Moderationen.
Die sechs Schüler überzeugen nicht nur mit ihrer Virtuosität. Sie sind international, kommen aus Ungarn, England, Belgien, Japan, Israel und Deutschland, haben viel Bühnenerfahrung und massig Preise gewonnen, darunter sind auch Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs. Boglarka Pecze, Ralph Lane, Sebastian Manz, Annelien van Wauwe, Taira Kaneka und Shelly Ezra können aber vor allem dadurch überzeugen, dass, bei aller Jugend, Persönlichkeiten auf der Bühne stehen, die Musik nicht nur technisch reif spielen können, sondern auch interpretieren und damit auch ihr Publikum schnell in ihren Bann ziehen können.
Das Programm ist ein Querschnitt durch die Klarinettenliteratur: Vom ersten ernst zu nehmenden Duo für zwei Klarinetten von Carl Philipp Emanuel Bach geht es schnell in die Moderne mit Jean Françaix, Francis Poulenc, Igor Strawinsky und Edison Denissow. Der Schwerpunkt liegt auf Mozart.
Fazit: Ein mehr als gelungener Vormittag, bei dem rundum alles stimmte – und der nach Wiederholung ruft. Ob das geschieht? Erbgraf Ferdinand zu Castell-Castell würde den Reitstall gerne wieder zur Verfügung stellen. Und Intendantin Kari Kahl-Wolfsjäger ist vorsichtig optimistisch: „Die 600 Karten waren ganz schnell ausverkauft“, sagt sie. Ihr gefällt das Ambiente sichtlich, konkrete Versprechungen kann sie nicht machen. Man wird auf das nächste Programmheft warten müssen.
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