publiziert: 06.01.2010 18:07 Uhr
aktualisiert: 06.01.2010 18:45 Uhr
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Klezmer in höheren Sphären

Das David Orlowsky Trio im Kissinger Rossini-Saal

Die ersten Ohren, die David Orlowskys Klarinette im Jahr 2010 zu hören bekamen, waren also Bad Kissinger Ohren. Klezmer-Klänge, verjazzt und kammermusikalisiert in höhere Sphären gehoben; subtil, veredelt, weltoffen, wie beiläufig alle Genre-Grenzen überschreitend: Alles war so, wie man es von einem Echo-Klassik-Preisträger erwartet.

Schon nach zwei Stücken wippten einige Köpfe im Publikum hin und her: dann, wenn der 29-jährige Klarinettist sein Blasinstrument krächzen ließ, kichern wie die Mädchen einer jüdischen Hochzeit, jubeln wie das Glück des Bräutigams. Tatsächlich beherrscht Orlowsky die ganze Palette an Ausdrucksformen seines Instruments, gerade wenn es wie die natürliche Verlängerung des Stimmorgans wirkt. Giora Feidmann weiß, welche Talente er zu seinen Schülern macht.

Aber das Köpfe-Nicken konnte immer nur ein Weilchen dauern. Schließlich geht es beim David Orlowsky Trio nicht um Klezmer in reiner Form, sondern um seine Überführung in den Crossover, in kammermusikalische Raffinesse: Also gibt es immer wieder Brechungen im Rhythmus, im melodischen Verlauf, im Tempo. Eine Jazz-Phrase kommt dazwischen, ein klassizistisches Motiv, ein bisschen Spanien, ein wenig Mexiko.

Das wird immer klug und feinsinnig musiziert, ist an manchen Stellen aber auch etwas spannungslos, kopflastig und fast vorhersehbar.

Umwerfend und ergreifend

Umwerfend ist Orlowsky in den Extremen, als jaulender, krähender Klezmorim, vor allem aber in den berückend leisen Momenten, wenn er warm timbrierte, verlöschend hingehauchte Töne in die Muschel-Bühne des Rossini-Saals zaubert. Das ist auch deshalb ergreifend, weil man daran denken muss, dass diese Musik fast ausgelöscht war.

Vergessen ist in solchen Momenten auch, dass das „Macedoni“-Traditional in der etwas vulgären, irrwitzigen Variante zum Beispiel der Taraf de Haiduk besser aufgehoben ist.

Jens-Uwe Popp an der Gitarre ist ein tadelloser Begleiter, eine treibende Kraft mit Gelegenheit zu solistischer Bravour. Etwas im Hintergrund bleibt der Bassist Florian Dohrmann, der doch durchaus etwas vorlauter agieren könnte, zumal seine bestrickenden Kompositionen ein wichtiges Fundament des aktuellen Repertoires sind.

Der Freude, die der Abend Publikum wie Musikern bereitet hat, tat dies freilich keinen Abbruch. Drei Zugaben und reichlich Klatschen waren der Beweis.

Von unserem Redaktionsmitglied Gerhard Fischer
    
    

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