publiziert: 10.07.2011 18:52 Uhr
aktualisiert: 10.07.2011 18:55 Uhr
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Lieder für ein neues Lebensgefühl

Fränkisches Liedermacher-Festival konnte sich sehen lassen – Fortsetzung offen
  • Neue Künstler, neue Songs: Momentaufnahme vom ersten Fränkischen Liedermacher-Festival in Bad Kissingen.
    FotoS(2): Sigismund von Dobschütz
  • Liedermacher-Festival: Wegen Regens ging's in den Gewölbekeller.
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Was eigentlich eine Notlösung war, stellte sich als perfekt heraus: Wegen leichten Regens musste das 1. Fränkische Liedermacher-Festival am Samstagabend vom Innenhof in den Gewölbekeller der Oberen Saline umziehen. Doch gerade der hautnahe Kontakt zu den bodenständigen Künstlern war es, wodurch der Zuhörer erst das richtige Gefühl für diesen ungewohnten Musikstil entwickeln und zum Mitmachen animiert werden konnte.

Die Eigenkompositionen und manchmal auch eigenwilligen Texte fränkischer Liedermacher mögen vielleicht nicht jedermanns Geschmack sein. Aber eine Fangemeinde haben diese Musiker auch in Bad Kissingen – mittleres Alter und Senioren, manche schon mit Wolf Biermann, Konstantin Wecker oder Reinhard Mey groß geworden.

Gleich zu Beginn ab 16 Uhr, als man noch auf einen trockenen Sommerabend hoffen durfte, waren fast alle Bänke im Innenhof besetzt, so dass man sich später im Keller etwas drängen musste.

Kostenneutrale Premiere

Stadtverwaltung und Bezirk Unterfranken dürften mit ihrer ersten Veranstaltung dieser Art durchaus zufrieden sein. Ob es im nächsten Jahr ein zweites Festival geben wird, „wollen wir mal sehen“, war Kulturreferent Peter Weidisch noch zögerlich. „Wir müssen erst Kassensturz machen.“ Die Premiere sei diesmal „für die Stadt kostenneutral“ ausgegangen, da das neue Festival im Rahmen der Unterfränkischen Kulturtage Teil der Gesamtrechnung ist. Als eigenständige Veranstaltung müsse anders kalkuliert werden. Die Bereitschaft zur Wiederholung sei aber auf allen Seiten gegeben.

Das bestätigte Peter Näder, der Beauftragte für Popularmusik des Bezirks Unterfranken, der auch vom Veranstaltungsort angetan war. „Location und Musik müssen harmonisieren.“ Es sei schwer, für diese spezielle Musikrichtung mit ihren etwa 3000 Solisten und Gruppen aus Franken ein geeignetes Podium zu finden. „Diese Musiker sind eher zurückhaltend“, weiß er aus Erfahrung.

Umso mehr müssten sie deshalb gefördert werden. „Liedermacher spielen oft nur im stillen Kämmerlein“, sagt auch Weidisch. Dabei sei deren Kunstgattung eine wertvolle Facette im breiten Programmspektrum des Kulturstandortes Bad Kissingen.

Eines machte das Festival jedenfalls deutlich. Nämlich, dass es in Franken viele schlummernde Talente gibt, die aus ihrem „stillen Kämmerlein“ gelockt werden müssen.

Schon unter den als Newcomer angekündigten Künstlern aus Unterfranken fiel besonders die Jüngste mit ihrer starken Stimme auf: Victoria Semel (17) aus Schweinfurt, im Auftreten eher schüchtern, im Gesang umso sicherer. Es überraschte deshalb nicht, dass sie bereits bayerische Landessiegerin der Sparte Popgesang beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ ist und 2010 den Kulturpreis ihrer Heimatstadt gewann.

Ein alter Hase der Liedermacher-Szene ist Duke Meyer aus der Nähe von Rothenburg ob der Tauber. Der 52-Jährige macht seit 33 Jahren Musik. Seit vier Jahren singt der Zwei-Meter-Mann mit dem zotteligen Langhaar als Frontmann der Gruppe „Die Singvögel“, begleitet von Sängerin und Gitarristin Karan sowie Percussionist Sven Scholz, „bessere Lieder für schlechte Zeiten“.

Gegensätze prägten auch die Auswahl der Interpreten und ihrer Musik. Wer Lieder a la Reinhard Mey erwartet hatte, wurde enttäuscht. Denn eine neue Generation von Liedermachern macht auch eine neue Musik, ihrem eigenen Lebensgefühl angepasst. Nicht nur in der Muttersprache, auch auf Englisch wurde gesungen.

Pop und Satire, Spaß und Tiefgang überraschten im Wechsel. Mit dieser ersten Veranstaltung gelang es den beiden Organisatoren Weidisch und Näder, dem vielleicht etwas verstaubten Begriff des Liedermachers neuen Glanz zu geben.

Von unserem Mitarbeiter Sigismund von Dobschütz
    
    

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