publiziert: 13.07.2010 16:36 Uhr
aktualisiert: 13.07.2010 18:20 Uhr
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LiederWerkstatt: Eichendorff in neuen Gewändern

(bo) Der zweite Teil der Kissinger LiederWerkstatt ermöglichte noch einmal unterschiedliche musikalische Zugänge zu den Texten des Joseph von Eichendorff. Und wieder gab es Uraufführungen im Rossinisaal.

(bo) Der zweite Teil der Kissinger LiederWerkstatt ermöglichte noch einmal unterschiedliche musikalische Zugänge zu den Texten des Joseph von Eichendorff. Und wieder gab es Uraufführungen im Rossinisaal.

Von Johannes Schöllhorn (*1962) stammen die „Assonanzen“. Olivia Vermeulen präsentiert diese Etüde für Mezzosopran und Klavier eindringlich, begleitet von Jan Philip Schulze. Alle einsilbigen Wörter werden sehr kurz angesungen, mehrsilbige in einer Art Glissando gedehnt.

Temperamentvoll und sympathisch serviert Felicitas Fuchs Stücke von Hugo Wolf: die lasziv lachende Zigeunerin, das kecke Waldmädchen, die Kleine, die so gern schon groß sein möchte. Wie sie nicht nur mit ihrer Mimik, sondern auch mit ihrer Stimme spielt, die Töne wachsen lässt und wieder weit zurücknimmt, ohne dass sie an Kraft verlieren, ist beeindruckend.

Sehr spannend sind die „Zwei Gedichte“, die Wolfgang Rihm (*1952) vertont hat. Eine Version von „Klang um Klang“ von Manfred Trojahn für zwei Frauenstimmen hatte es schon am Samstag gegeben. Diesmal interpretierte sie der Tenor Andreas Post. Axel Bauni am Flügel ist mehr als ein Begleiter: Dem Klavier fällt mit dramatischen Einwürfen ein sehr eigenständiger Teil der Komposition zu. Die Strophen enden offen, und wenn Post die letzten beiden Zeilen singt: „Da sieht man weit von der Zinne, weit über die Länder hinaus“, dann wirft er dieses „weit“ wie ein langes Lasso in den Raum.

Eine geniale Komposition Rihms ist auch „Der Schatzgräber“, dessen rastloses Tun im krassen Gegensatz zum Engelgesang steht. Post lässt diesen wehmütig verklingen. Dreimal singt und gestaltet er das Wort „Luft“, jedes Mal leiser, so dass es mucksmäuschenstill im Saal ist.

Vollends unter die Haut geht schließlich das Werk von Alexander Muno (*1979), „Auf meines Kindes Tod“, das Bariton Hans Christoph Begemann und Ulrich Eisenlohr am Flügel regelrecht verkörpern. Wer kann sich den Schmerz von Eltern vorstellen, die ihr Kind verloren? Hier wird das Unsägliche mitfühlbar: Die Illusion der Eltern, das Kind müsse jeden Moment zur Tür hereinkommen. Doch die Klavierpassage zerstört diese Illusion. Begemann wird zum gebrochenen, ruhelosen Vater. Die letzte Strophe bleibt ungesungen, nur gespielt vom Klavier.

Freilich darf das Publikum auch schmunzeln. Doch die Tiefen, die der Romantiker Eichendorff vor fast 200 Jahren ausgelotet hat und die nun in neue, eindrucksvolle musikalische Gewänder gekleidet wurden, bleiben besonders im Gedächtnis.

    
    

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