aktualisiert: 22.07.2008 13:20 Uhr
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BAD KISSINGEN
Ludwig Güttler und die Virtuosi Saxoniae: Mehr Dezembersonntag als Junimontag
Ludwig Güttler und die Virtuosi Saxoniae zeigen erst im Brandenburgischen Konzert Strahlkraft
Nach der Pause, zum Ende des Abends hin, war es dann doch noch ein angenehmes, stimmungsvoll schönes Konzert, das Ludwig Güttler und seine Virtuosi Saxoniae zum Kissinger Sommer beisteuerten: Beim zweiten Brandenburgischen Konzert erklang das Dresdner Ensemble nebst seinem Chef und Solisten endlich strahlend hell, mit Tönen von leuchtender Kraft und Freude.
Zuvor aber, vor Johann Sebastian Bachs Werk, hatte sich Deutschlands sächsischer Vorzeigetrompeter mit seinen Musikern arg schwer getan, ungewohnt schwer – den populären Stammgast hat man an der Saale schon öfters vitaler erlebt und vor allem spannender gehört.
Mag sein, dass der sakrale Rahmen in der voll besetzten und daher stickig engen Erlöserkirche nicht wirklich zum höfischen Barockprogramm passte – mag auch sein, dass dem Repertoire vor dem finalen Bach die weiteren Glanzpunkte gefehlt hatten.
Lange jedenfalls erinnerte Güttlers Auftritt, zumal er sich auf lediglich drei eigene Bläserstücke beschränkte, eher an einen adventlich ruhigen Dezembersonntag als sommerlich heiteren Junimontag.
Da war zum Beispiel zum Einstieg die Sonata a 5 „La Bianchina“ eines Italieners namens Maurizio Cazzati aus Mantua, die der Einstufung im Programmheft von wegen Cazzatis „mittelmäßigen Talents“ akustisch durchaus entsprach. Und auch das D-Dur-Concerto des unbekannten Karlsruhers Johann Melchior Molter vermittelte allenfalls eine gepflegte barocke Langeweile.
Deutlich angenehmer gingen den Virtuosi Saxoniae die zwei Antonio-Vivaldi-Beiträge des Abends von der Hand, wobei Andreas Lorenz an der Oboe das a-moll-Oboenkonzert sehr hübsch ausgestaltete.
Liebevoll bis ins Detail präsentierten Güttler und seine Mitstreiter nach Vivaldi dann Giuseppe Tartinis A-Dur-Sinfonia, bevor das Brandenburgische Konzert ein Kirchenkonzert, das besser keines gewesen wäre, beschloss.
Wunderbar und voller Temperament steigerten sich die Herren im Altarraum hier in ein Tempo und eine Melodik hinein, die bestach – dazu Güttlers brillante Motivik auf einem ganz speziellen Corno da caccia, einer Jagdtrompete: ein Genuss. Dass eine Wiederholung des Bach'schen Endes hernach auch als einzige Zugabe lief, war insofern kein Zufall.
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