aktualisiert: 23.06.2009 18:05 Uhr
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BAD KISSINGEN
Magisches von den Magyaren
Die Gipsy Devils aus Bratislava mit einem wahren Zymbal-Präsidenten
Zur Hochkultur gehört auch lustiges Zigeunerleben. Beim Kissinger Sommer hat es einen festen Platz. In diesem Jahr weilte eine diabolische Variante des Zigeunertums im Tattersall.
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Auch der Mann an der Zymbal hat den Bogen raus: Ernest Sarközy am ungarischen Hackbrett (links) war der heimliche Star der „Gypsy Devils“ aus Bratislava im Tattersall. Primarius Stefan Banyák war aber auch ein guter Frontmann, während Silvia Sarköziova am Cello andere, besinnlichere Saiten aufzog.FOTO Gerhard Fischer
Wenn man sich mit dem Teufel einlässt, braucht man auf Petri Hilfe nicht zu hoffen. Also fegten Montagabend immer wieder Regenwolken über Bad Kissingen, aus einem zigeunermäßigen Lagerleben vor dem Tattersall mit Kesselgulasch und paprikascharfen Geigen-Läufen wurde nichts.
Die slowakischen „Gipsy Devils“ aus Bratislava spielten im Tattersall, statt Pörkölt gab's Schinkenstangen oder eine Käsevariante davon. Zu goutieren gab es freilich ganz andere, musikalische Kost.
Die Pressburger Musiker, am Namen schnell als Ungarnstämmige zu erkennen, sind erst seit zwei Jahren in dieser Besetzung unterwegs, als „Devil's Violin“ waren sie die bekannteste Gypsy-Band der Slowakei.
Seit zwei Jahren ist Stefan Banyák Primarius der Kapelle. Der junge Geiger öffnete die Combo für die eine oder andere exzentrische, experimentelle Seite. In Bad Kissingen konnte man das zum Beispiel beim Zigeuner-Pflichtstück Ungarischer Tanz Nr. 5 von Brahms hören, der an mancher Stelle fast Neutönerisch klang und überhaupt ganz nach Laune wie ein Stück Kaugummi gedehnt, gepresst, angebissen und flachgekaut wurde. Das war gar nicht verwerflich, sondern einfach nur lustvoll und garantiert nicht ermüdend wie eine hundertste Wiederholung.
Vittorio Montis Prototypen eines Csardas könnte an seiner ständigen Wiederkehr ebenfalls Schaden nehmen, aber die Zigeuner-Teufel brachten ihn mit genug Frische zu Gehör.
Überhaupt war das Programm so ausgewogen, dass für den Kissinger-Sommer-Zigeunerfreund immer noch etwas zu lernen war. Es war sogar Raum für ein Gefühl der Beklemmung, als Silvia Sarkösiova am Cello John Williams trauriges Thema aus „Schindlers Liste“ spielte und so auch an die dunklen Episoden der Zigeuner-Geschichte in Europa erinnerte. Es war gewiss kein Abend der Folklore-Plattitüden.
Dafür sorgte als eigentlich zentrale Figur des Abends Ehemann Ernest Sarközy. Als „Président Sarkozy“ des Zymbal wurde er vorgestellt. Und würde es diesen titel tatsächlich geben, hätte der Mann ihn verdient. Sarközy ist nicht nur körperlich mit seinem Instrument buchstäblich fast verschmolzen. Unter seinen so fleischigen wie flinken Händen wurde das Saiteninstrument der Ungarn zu einem Ort seelischer Offenbarung. Das Cymbal-Solo aus der Westslowakei, das im zweiten Programmteil zu hören war, war nicht weit vom Tiefgang, vom erhabenen Ernst einer Bach-Partita. Ernest Sarközy bescherte wirklich magische Momente.
Einen trug auch Zoltán Grunza am Tárogató bei, einer Mischung aus Saxophon und Klarinette. Dieser pannonische Irrwitz an Tempo kann offensichtlich nur noch einem höheren Wahn überholt werden. Nicht nur musikalisch bleibt der Südosten Europas wohl unbezähmbares Gebiet.
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