publiziert: 17.02.2011 16:45 Uhr
aktualisiert: 17.02.2011 16:47 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text SCHONDRA/EINRAFFSHOF
Milchbauern verhüllen Bulle und Bär

Witwe des Eckartser Künstlers Reinhard Dachlauer hat Verständnis für die Protestaktion
  • Stehen vor der Verhüllung: Milchbauern aus der Region wollen an der berühmten Tiergruppe des Eckartser Künstlers Reinhard Dachlauer in Frankfurt gegen die Senkung der Erzeugerpreise protestieren. Seine Witwe hat Verständnis dafür.
    Foto: DPA
  • Mit in Frankfurt: Jürgen Förg aus Einraffshof, Teamleiter im Landkreis für den Bund Deutscher Milchviehhalter.
    Foto: Barbara Bedacht
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Milchbauern aus der Region stehen auf: Heute fahren Vertreter aus Bayern, Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz nach Frankfurt. Sie wollen gegen trotz guter Marktlage sinkende Milchpreise protestieren. Unter ihnen ist Jürgen Förg aus Einraffshof. Er und seine Kollegen wollen die berühmte „Bulle und Bär“-Skulptur vor der Frankfurter Börse verhüllen – geschaffen vom verstorbenen Bildhauer Reinhard Dachlauer, der zuletzt in Eckarts gelebt hatte.

Die Halter von schwachen Milchkühen decken ein Tuch über das große, starke Zeichen der deutschen Wirtschaft, den Bullen und den Bären. Es ist ein symbolischer Akt, den Förg und die anderen Milchbauern heute um 11 Uhr vollziehen wollen.

Sie wollen damit gegen das Ungleichgewicht zwischen der Nachfrage nach Milchprodukten und den dafür von den Molkereien an die Bauern gezahlten Preise anprangern: „Der Markt ist gut gestimmt; Käse verkauft sich gut, ebenso Butter. Der Preis für Milchpulver hat seinen Spitzenwert von 2008 wieder erreicht. Nur davon kommt bei uns nichts an“, sagt Förg.

Im Gegenteil: Die Molkereien würden den Milchpreis, der sich gerade erst gebessert habe, schon wieder drücken. Hinzu kämen immens gestiegene Produktionskosten: „Die Sprit- und Futtermittelpreise sind um einiges höher als vor zwei Jahren“, so der Mann aus Einraffshof. Für Getreide habe man beispielsweise damals acht bis neun Euro pro Doppelzentner gezahlt; jetzt seien es schon bis zu 30. Soja liege bei 40 Euro.

Förg und Kollegen sind sich einig: „Man könnte dieses Missverhältnis vernünftig regeln, wenn man das wollte.“ Er rechnet, dass 50 bis 200 Mitstreiter aus den genannten Bundesländern mit nach Frankfurt fahren. Neben dem Einraffshofer werden zwei oder drei weitere aus dem Landkreis Bad Kissingen vor der Börse dabei sein.

Die symbolische Verhüllungsaktion der Milchbauern ist zwar nach derzeitigem Stand durch das Frankfurter Ordnungsamt genehmigt, könnte aber ausgerechnet in Eckarts für Wirbel sorgen. Denn dort lebt die Witwe des Künstlers, der die Skulptur geschaffen hat – Else Dachlauer.

Ihr 1995 verstorbener Mann Reinhard hatte die bronzenen Tierfiguren „Bulle und Bär“ geschaffen. Sie wurden 1998 vor der Frankfurter Börse aufgestellt und sind gern gefilmtes Motiv, wenn es um Aktienkurse und Co. geht.

Else Dachlauer allerdings sieht die Sache gelassen. Ja sie unterstützt die Milchbauern sogar: „Sie haben die meiste Arbeit und bekommen viel zu wenig Geld. Am meisten verdienen doch die Zwischenhändler, obwohl die gar nicht so viel tun. Das ärgert mich natürlich auch“, sagt sie.

Ein Problem hat sie mit der Verhüllung des Kunstwerks nicht. Ihr Mann Reinhard wäre sicher auch dafür gewesen.

Jürgen Förg will sich demnächst mit Else Dachlauer in Verbindung setzen und ihr die Protestaktion der Milchbauern erklären: „Keinesfalls soll der Wert des Künstlers durch die Verhüllung herabgesetzt werden.“ Man habe die berühmte Tiergruppe in Frankfurt gewählt, weil das Interesse der Medien an diesem bekannten Börsenplatz sicher größer als anderswo wäre. Mit Reinhard Dachlauer selbst habe das nichts zu tun.

Am Dienstag, 22. Februar, ab 20 Uhr, will die Kreisgruppe Bad Kissingen/Bad Neustadt im Bundesverband Deutscher Milchbauern (BDM) bei ihrer Jahresversammlung den Aktionstag auswerten. Bei der Veranstaltung in der Alten Schule in Breitenbach wird es neben Jahresrückschau und Tätigkeitsbericht auch Vorträge und aktuelle Informationen zum Thema Milchwirtschaft geben.

Von unserem Redaktionsmitglied Steffen Standke
    
    

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