publiziert: 22.02.2012 17:02 Uhr
aktualisiert: 22.02.2012 17:05 Uhr
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Mitreden bei der Zukunftsgestaltung

MGlas-Geschäftsführer Wolfgang Heidl zur Entscheidung über den Verkauf an Nipro
  • Was die Zukunft bringt: Stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Michael Kehl (links) hat nach dem Gespräch mit Nipro-Vertretern kein schlechtes Gefühl.
    Foto: Michael Petzold
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Wie lange die Firma MGlas nach dem Kauf durch die japanische Nipro-Corporation ihren Namen noch tragen wird, steht in den Sternen. Für die mittlerweile gut 530 Beschäftigten dürfte das aber die geringste Sorge sein. Sie wollen wissen, wie es um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes steht. In dieser Hinsicht sieht der alte und neue Geschäftsführer Wolfgang Heidl derzeit keine Gefahr. Im Gegenteil – für die Produktion werden weitere Leute gesucht.

Ein Vertreter der neuen Eigner sitzt nicht am Tisch beim Pressegespräch. Wie Heidl erklärt, herrsche im Konzern die Gepflogenheit, Pressefragen nur schriftlich zu beantworten. Der Betriebsrat, beim Gespräch vertreten durch den stellvertretenden Vorsitzenden Michael Kehl, würde sich natürlich auch eine Arbeitsplatzgarantie schwarz auf weiß wünschen. Heidl hegt allerdings persönliche Zweifel, dass sich der neue Inhaber auf Bestandsgarantien „über die Gesetzeslage hinaus“ einlassen werde. Was wohl auch eher ungewöhnlich wäre. Allerdings betont Heidl, dass der Verkauf als so genannter „Share-Deal“ beschlossen worden sei. Das heißt, dass neben den bestehenden Tarifverträgen auch alle anderen Verpflichtungen bestehen bleiben.

Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Hato Liebmann, der auch in Zukunft der Firma mit Rat und Tat helfen möchte, sagt es deutlicher. Es wäre unsinnig, auf der einen Seite Leute einzustellen und auf der anderen Belegschaft abzubauen. Zumal die Auftragsbücher gut gefüllt sind.

Trotzdem hat sich der Betriebsrat einen Anwalt genommen. „Aber nicht, weil wir die Auseinandersetzung suchen“, betont Kehl, der von guten Gesprächen mit Heidl und dem Nipro-Europapräsidenten Kurt van Dal (Brüssel) nach der Übernahme spricht. Es gehe nur um rechtliche Beratung.

Ideen für die Zukunft

Die Gründe, warum Nipro unter den ursprünglich sechs Bewerbern den Zuschlag erhalten hat – finanzielle Erwägungen dürften auch eine Rolle gespielt haben, liegt laut Heidl an der Situation bei Nipro. Während andere Konzerne über fertige Strukturen in Finanz-, Vertriebs- oder IT-Bereich verfügen, sei Nipro nach 13 Zukäufen in den letzten fünf Jahren ein sich entwickelnder Körper. „Bei den anderen wäre MGlas ein- und umgegliedert worden.“

Das bedeutet, dass man in Münnerstadt jetzt hofft, als bedeutender neuer Bestandteil des Konzerns mitreden zu können, etwa in Standort- und Verteilungsfragen. Denn mit MGlas hat man bei Nipro nicht nur ein florierendes Unternehmen gekauft, sondern auch eine Menge Know-How. An Ideen für die Zukunft mangelt es Heidl nicht.

So kann er sich vorstellen, auch die nicht sterile Spritzenfertigung ins Gewerbegebiet Schindberg zu verlagern, um in den frei werdenden Kapazitäten am Stammsitz Karpule zu fertigen, wie die gläsernen Behältnisse in Insulin-Pens oder anderen medizinischen Verpackungen genannt werden. Doch dazu braucht es Investitionen, die MGlas allein nicht aufbringen könnte. Viele neue Arbeitsplätze könnten so entstehen.

Natürlich hat der Verkauf auch eine persönliche Komponente. „Die emotionale Begleitung eines Vorgangs“, wie sich Heidl ausdrückt, womit er seine Gefühle meint, möchte er gerne für sich behalten. Ganz ähnlich geht es Liebmann, der sich freuen würde, wenn in fünf Jahren das Unternehmen ebenso blühen würde, wie bisher. Mit der endgültigen Abwicklung des Verkaufs nach der Stellungnahme des Kartellamtes rechnet Heidl, der bis Ende 2015 im Betrieb bleibt, bis Ende März.

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Petzold
    
    

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