aktualisiert: 18.07.2010 21:04 Uhr
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BAD KISSINGEN
Mitreißender Schwung
Gala mit Kiryl Keduk und Vladimir Spivakov
Erstaunlich, dass ein Orchester an demselben Abend bei demselben Komponisten so unterschiedlich klingen kann: Nach der teigig-breiten Begleitung beim Mozart-Klavierkonzert in A-Dur, KV 488, zeigt sich die Russische Nationalphilharmonie bei der Abschlussgala des Kissinger Sommers unter Thomas Sanderling beim D-Dur-Violinkonzert KV 211 von einer ganz anderen Seite: federnd flexibel, mit hellem, transparentem Ton.
Offenkundig liegt es am Solisten: Kiryl Keduk hatte ziemlich unbeteiligt gewirkt und ein technisch sauberes, aber wenig bemerkenswertes Klavierkonzert abgeliefert. Der Geiger Vladimir Spivakov dagegen ist Chefdirigent des Orchesters, das ihn schätzt, ja verehrt, und als Solist auf Händen trägt. Er geht das selten gespielte Stück fast sachlich und introvertiert an. Umso aufregender die kleine Kadenz im Andante: Spivakov ist ganz bei sich und macht so aus diesen wenigen Takten eine überraschend intensive Meditation.
Mit Meditation hat Rachmaninoffs zweite Sinfonie wenig zu tun. Sie ist ein ziemlich langes Bravourstück für großes Orchester, mit jeder Menge eingängiger Themen, Dauerkantilenen für die Streicher und befriedigend lautem Blech. Thomas Sanderlings Zeichengebung beschränkt sich im Wesentlichen auf eine gleichförmige Auf-und-ab-Bewegung, was bei Mozart nicht wirklich zu Differenzierungen ermutigt.
Bei Rachmaninoff funktioniert es, wenn man gar nicht erst versucht, das Stück neu zu beleuchten. Die Russische Staatsphilharmonie, die tags zuvor mit Tschaikowsky begeistert hatte, nimmt die Einladung dankend an und tut, was sie am besten kann: musiziert mit mitreißendem Schwung und großem, rundem Ton.
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