aktualisiert: 22.07.2008 13:20 Uhr
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BAD KISSINGEN
Mojca Erdmann beim Kissinger Sommer: Perfekte Intonation
(bo) Drei Zugaben und noch immer nicht enden wollender Applaus: Die Sopranistin Mojca Erdmann hat mit ihrem Liednachmittag im Rossinisaal mehr als überzeugt.
Insgesamt standen 22 Lieder auf dem Programm, Lieder von Claude Debussy, Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Strauss und Robert Schumann - ein wahrer Marathon für die Sängerin. Doch diese zeigte bis zum letzten Ton der dritten Zugabe keinerlei Ermüdungserscheinungen.
Angenehm sparsam in der Gestik und unaufdringlich in der Mimik öffnete Mojca Erdmann einen Fächer unterschiedlichster Ton- und Gefühlslagen. Sie verkörperte den komischen Pantomimen ebenso überzeugend wie die verschmähte Liebhaberin (Luise), die vor Trauer fast Wahnsinnige (Ophelia), die von Arkadien Träumende (Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn) oder die zum allerersten Mal Verliebte (Der Zauberer). Lebendig „erzählte“ sie die Geschichte des berühmten Veilchens.
Mojca Erdmann bestach dabei durch perfekte Intonation und große Beweglichkeit. Sie bot jedes noch so gewaltige Intervall mit Leichtigkeit dar, tanzte sich mühelos durch die Koloraturen. Ihre leisen Töne gerieten eindringlich dicht, jedes Crescendo atmete kraftvolle Dynamik. Wenn sie - mit einer kleinen Pause - Aufmerksamkeit für den nächsten Satz herstellte, hielt sie die Spannung, behielt das Ganze im Blick.
Auch in den unteren Lagen hatte die Stimme Körper, in hohen Lagen blieb sie stets weich und zart. Dass die Sängerin ihre Stücke durchdrungen hat, zeigten die gute Sprachbehandlung und Textverständlichkeit.
Ihr ganzes Können ließ Mojca Erdmann in der zweiten Zugabe aufblitzen, diesmal ohne Klavierbegleitung, mit einem Werk des zeitgenössischen Komponisten Aribert Reimann (Helena, 2006). Unglaubliche Töne schenkte sie da nochmals dem Publikum, unter die Haut gehende Sätze, unterbrochen von beeindruckenden Koloraturen.
Gerold Huber zeigte sich als hervorragender Liedgestalter am Flügel. Feinfühlig ging er auf seine Partnerin ein. Bezüglich Tempo und Dynamik passte er sich exakt ihren Wünschen an, ohne jedoch auf eigene Akzente zu verzichten. Hier zauberte er auf den Tasten Lautmalereien wie einen rauschenden Brunnen, dort ließ er einen letzten Akkord wunderbar leise verklingen.
Das Konzert dauerte beinahe zwei Stunden - das Publikum hat keine Sekunde davon bereut.
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