publiziert: 30.09.2010 18:35 Uhr
aktualisiert: 30.09.2010 18:47 Uhr
» zur Übersicht Stolpersteine
    
    
Artikel
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text BAD KISSINGEN
Nannette Bamberger, Promenadestraße 17

Den Opfern der Nationalsozialisten ihrer Identität zurückgeben – das ist eine der Kernaufgaben der Stolpersteine. Zu diesen kleinen Denkmalen, die der Künstler Gunter Demnig jeweils auf dem Gehsteig vor der letzten freiwilligen Wohnung der Betreffenden setzt, erstellt die Kissinger Initiativgruppe Biografien der Opfer.

Nannette Bamberger kam am 30. Januar 1870 in Kissingen zur Welt. Sie war die Tochter des Kissinger Rabbiners Moses Löb Bamberger und seiner Ehefrau Esther. Sie heiratete ihren Cousin, den Rabbiner Seckel Bamberger, der nach Aussage seiner Gemeindemitglieder „einer der orthodoxesten und gelehrtesten Rabbiner seiner Epoche“ war. Dieser wurde 1902 Amtsnachfolger seines Schwiegervaters in Kissingen und hatte als neuer Distriktrabbiner 28 jüdische Gemeinden zu betreuen. Das Ehepaar Bamberger hatte sieben Kinder, wovon zwei Söhne die Familientradition als Rabbiner in Stuttgart und Mainz fortsetzten. Mit ihrer Tochter Kehla betrieb Nannette Bamberger die Villa Adelaide in der Promenadestrasse 5c (heute 17). Das großzügige Haus hatte die Familie im Jahr 1908 selbst erbaut.

Weitere Details aus ihrem Leben sind unbekannt. Wie ihre Tochter Kehla musste Nannette Bamberger 1940 in die Hemmerichstraße 12 umziehen. Damals wurden die meisten jüdischen Bürger in sogenannten Judenhäusern gesammelt.

Am 24. April 1942 wurde Nannette Bamberger mit den meisten anderen in Kissingen verbliebenen Juden nach Polen deportiert. Ihre Spur verliert sich im Ghetto Krasnystaw oder Izbica bei Lublin. Es gibt in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in einem einzelnen Datensatz auch den Hinweis auf das nahe gelegene Arbeitslager Augustówka. Dort musste allerdings schwere körperliche Arbeit verrichtet werden. Es erscheint unwahrscheinlich, dass die 72 Jahre alte Dame dorthin kam. Möglicherweise liegt hier eine Verwechslung mit ihrer 50-jährigen Tochter Kehla vor.

    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

christel2 (451 Kommentare) am 07.12.2010 18:32

an dobschütz

sie, also die Stadt KG, berufen sich auf das online-Gedenkbuch des Bundesarchivs und da arbeite ich fast täglich mehrere Fehler ab... Ich habe mittlerweile nach 100 Fehlermeldungen aufgehört zu zählen. Das Gedenkbuch ist online gestellt, damit diese berichtigt werden können. Es wurden bei diesem Transport 850 Juden aus Unterfranken (+ 2 aus Mittelfranken) deportiert, da wird sich doch wohl mal ein einheitlicher Text finden lassen. Am 11. Mai 2011 wird dieser Transport nachgestellt und bis dort hin wird es wohl einen einheitlichen Text geben.
Danke, ich kann mich vor solcher Arbeit nicht mehr retten ...
(0)
christel2 (451 Kommentare) am 05.12.2010 18:41

das mag sein, hat bis jetzt noch keinen Eingang in...

und - bitte nicht wikipedia zitieren. Da kann ich Ihnen seitenweise die Fehler nachweisen. Studenten dürfen in ihren Arbeiten nicht mehr Wikipedia angeben. Gut, ich will wikipedia nicht schlecht machen, aber was ich bisher gefunden haben zu "jüdischen Fakten", da bin ich sehr enttäuscht.
(0)
dobschuetz (11 Kommentare) am 06.12.2010 08:00

@christel2

In der arbeit berufen wir uns nicht auf wikipedia, sondern auf Fakten, d.h. meistens Unterlagen des Stadt- oder Staatsarchivs. Hinweis: Falls Sie Interesse an den Stolpersteinen und an der Mitarbeit bei uns haben: Wir suchen sowohl Stolperstein-Paten als auch historisch interessierte Ehrenamtliche.
(0)
christel2 (451 Kommentare) am 01.10.2010 18:18

Das Ghetto heißt

Krasniczyn. Krasnystaw war der Bahnhof, wo sie ankamen, das war die letzte nachweisliche Spur. Dann die Durchgangslager Krasniczyn oder Izbica.
(1)
dobschuetz (11 Kommentare) am 19.10.2010 10:09

@eb

Hallo, hierzu heißt es bei Wikipedia: "Von 1940 bis 1942 befand sich ein Ghetto für 4000 Juden in den Stadtgrenzen (von Krasnystaw), die Insassen wurden später in das Ghetto Izbica verschleppt."
(0)
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
Anzeige
    

Rückblende 

Blick in die Vergangenheit
Was bestimmte die Schlagzeilen vor zehn, 25 und 40 Jahren im Landkreis Bad Kissingen? »mehr
    
    

Baby-Galerie 

Die Jüngsten
Hier begrüßen wir die jüngsten Bewohner des Landkreises Bad Kissingen. »mehr
    
    

Dialektserie "Wördlich" 

Wörter aus dem Landkreis Bad Kissingen
Wöchentlich stellt der Steinacher Frank Schmitt ein interessantes Dialektwort vor. »mehr
    
Anzeige
    

Meine Maschine und ich 

Außergewöhnliches
Wir stellen Menschen vor, die eine besondere Beziehung zu einem technischen Gerät haben. »mehr
    
    

Stadtkultur Schweinfurt 

Theater, Kabarett,
Kunst und mehr
Die Stadt Schweinfurt hat kulturell eine ganze Menge zu bieten. »mehr
    
    

Fotografen und ihre Fotos 

Bilder und Eindrücke
Wir stellen ambitionierte Hobbyfotografen aus der Region Main-Rhön vor. »mehr
    
    

Grüsse aus der Region 

Kostenlose Grußkarten
Senden Sie Ihren Freunden und Bekannten eine elektronische Grußkarte aus der Region, auch Tiere! »mehr
    
    

Testen Sie Ihr Wissen 

Unser wöchentliches Quiz
Acht Fragen rund um ein aktuelles Thema.  »mehr
    
    

Aktuelle Leserkommentare

    
    

Zeichen setzen 

Förderpreis für
engagierte Bürger
Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr
    
    

Recht auf Auskunft 

Kommunalpolitik
Bürger haben ein Recht auf politische Teilhabe und Journalisten ein Recht auf Auskunft. Das mussten auch einige Bürgermeister erst lernen. »mehr