publiziert: 17.09.2010 17:38 Uhr
aktualisiert: 20.09.2010 15:26 Uhr
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Notbremse für steile Lagen

Meine Maschine und ich: Rainer Keller und sein Weinbergstraktor
  • Verschiedene Arbeitsgeräte: Rebholzhäcksler, Fräse, Laubschneider, Entlauber, Spritzgerät, Schlegel- und Sichelmulchgerät sowie Traubentransporter kommen am Weinbergstraktor zum Einsatz.
    Foto: Charlotte Wahler
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Das hohe Gras in den Rebzeilen der Weinberge wird gemulcht, bevor die Weinlese richtig beginnt. Rainer Keller, Juniorchef des Weingutes Keller, fährt mit ruhiger Hand seinen Weinbergstraktor durch die engen Zeilen der Reben. Er hat seinen Fendt mit 80 Pferdestärken gut im Griff.

Konzentration ist notwendig, um das 2,6 Tonnen schwere Gefährt am Berg zu steuern. Das Gewicht der angehängten Maschinen ist dabei noch nicht eingerechnet. Und die Rebzeilen lassen gerade einmal 160 Zentimeter Platz, das reicht gerade für den Traktor, der 125 Zentimeter in der Breite misst. Millimeterarbeit ist das, besonders wenn der Stock sein Laub weit ausgebreitet hat.

„Wenn man ins Rutschen kommt, kann man sich manchmal gerade noch entscheiden, ob man den oder den nächsten Stock umfährt“, erzählt Keller. Zum Glück komme das aber nicht häufig vor, sagt er und lacht. Neu angelegte Weinberge würden inzwischen alle mit einer Zeilenbreite von zwei Metern angelegt, da falle das Arbeiten leichter.

Der 31-jährige Winzermeister ist für die Fahrarbeiten des Weingutes verantwortlich. Er steuert seinen Weinbergstraktor seit vielen Jahren hinauf und hinunter in der Lage St. Klausen. Seit seinem 16. Lebensjahr, um genau zu sein. Bis zu 58 Prozent Steigung weisen manche Weinberge auf, da kann die Arbeit durchaus gefährlich werden.

Für solche Fälle hat Kellers Weinbergstraktor die Steilhang-Notbremse. Da werden mit Stickstoff als Treibgas Stahldorne von rund 30 Zentimetern Länge in den Boden gejagt, die den Traktor halten sollen. Wenn alles gut geht. Einmal habe er diese Notbremse einsetzen müssen, erzählt Keller. Da sei der Allradantrieb ausgefallen und das Gefährt nicht mehr zu lenken gewesen.

Schlimm wäre das schon, wenn so ein Traktor abstürzen würde, nicht nur wegen der Lebensgefahr oder wegen der zerstörten Weinstöcke. Denn immerhin koste er rund 70 000 Euro, so Keller. Da sind die unterschiedlichen Arbeitsgeräte wie Rebholzhäcksler, Fräse, Laubschneider, Entlauber, Spritzgerät, das Schlegelmulchgerät für holziges Material oder das Sichelmulchgerät fürs Gras noch nicht mit eingerechnet. Und der Traubentransporter, der demnächst zum Einsatz kommen wird, auch nicht.

Keller will für die Zukunft einen Satz Spezial-Schneeketten anschaffen. Damit werde eine bessere Griffigkeit der Traktorreifen erreicht. Die Schneeketten könnten das ganze Jahr über zum Einsatz kommen, denn die Bodenbeschaffenheit sei selten ideal. „Bei wochenlanger Trockenheit funktionieren kleine Steine wie Kugellager, dann wird der Boden genauso rutschig wie nach zu langen Regenfällen“, erläutert Keller.

Wenn wirklich schlechtes Wetter ist, bleibt der Winzer daher zu Hause. „Ideal sind 25 Grad und Sonnenschein, nicht nur für die Trauben“, sagt Keller und grinst hinauf zu Petrus. Rund 350 Stunden im Jahr ist er mit dem Traktor in den Weinbergen unterwegs. Der Fendt verfügt über einen Stundenzähler, daher weiß er das genau. Zu Fuß geht er nur in der Zeit des Rebschnitts in den Weinberg.

„Bulldogfahren macht doch jeder am liebsten“, meint der Winzer und schwingt sich wieder auf seinen Sitz. Die Kabine verfügt über Radio, Klimaanlage und einen luftgefederten Sitz. Eine Vorderachsfederung sorgt für Stabilität am Berg und auf der Straße, sagt er noch, dann düst er wieder los, Rebzeile für Rebzeile hinauf und hinunter am Ramsthaler St. Klausen. Und wenn man die Ohren spitzt, kann man neben dem kräftigen Röhren des Motors die flotten Rhythmen aus seinem Radio hören.

Von unserer Mitarbeiterin Charlotte Wahler
    
    

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