publiziert: 16.09.2011 17:23 Uhr
aktualisiert: 18.09.2011 18:38 Uhr
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Oldtimer aus der Zukunft

Meine Maschine & ich

Laura Völker aus Seubrigshausen und ihr quietschorangenes Elektromofa aus den 70er Jahren: Fahrspaß bei geringer Reichweite.

Laura Völker sagt, „zum Einkaufen nach Großwenkheim reicht es“ und tätschelt den Lenker ihres Gefährts. Die dreieinhalb Kilometer zum Nachbarort sind in der Tat kein Problem für die E1 von Herkules. Bereits in den 70er Jahren fertigte der Zweiradhersteller als Antwort auf die Ölkrise das erste Elektromofa – natürlich im trendigen Orange der Nach-Flower-Power-Zeit.

Wenn es etwas weiter weg gehen soll, wird es schon schwieriger. 25 Kilometer Reichweite erlauben die beiden 12-Volt-Autobatterien und eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Kilometern. Theoretisch könnte man also eine Stunde lang mit 25 „Sachen“ durch die Gegend schnurren. Denn das Geräusch des Motors, der wie der Anlasser eines Benzin betrieben Autos wirkt, gleicht eher der einer Nähmaschine. Wie gesagt, theoretisch, wenn da nur nicht die vielen Hügel wären.

Schieben am Berg

Zum Oldtimertreffen am 6. August nach Münnerstadt war auf der Hinfahrt noch alles in bester Ordnung, zurück musste Laura Völker dann ordentlich schieben. Der Anstieg zwischen Tierheim und Wermerichshausen war zu viel für das doch 80 Kilogramm schwere Gefährt, das noch einmal das gleiche Gewicht an Zuladung verträgt. Die Nadel des am Lenker angebrachten Batterie-Checks sauste bedenklich schnell vom grünen in den roten Bereich.

„Wenn ich leichtere Lithium-Batterien nehmen würde, wäre die Reichweite wohl größer“, sagt die 28 Jahre alte Mechatronikerin, scheut aber die hohen Anschaffungskosten. Und so nutzt sie das Mofa „just for fun“, wie sie sagt. Spaß macht das Fahren allemal, jeden Tag dreht die stolze Besitzerin ein Runde durchs Dorf. Schon der Start ist eine Sache für sich. Was das Vehikel an Höchstgeschwindigkeit vermissen lässt, macht der rasante Anzug wett. Wie alle Elektromotoren mobilisiert auch die Herkules E1 die volle Leistung von der ersten Sekunde an. Den ungeübten Fahrer kann das schon etwas in Verlegenheit bringen, Festhalten empfiehlt sich auf alle Fälle.

Faible für alte Fahrzeuge

Erstanden hat die gebürtige Bad Neustädterin, die seit einiger Zeit mit ihrem Freund Andreas Schwarz in Seubrigshausen wohnt und mit dem sie ihr Faible für Oldtimer teilt, das gute Stück im Internet beim Versteigerungsportal Ebay für 350 Euro. Das gute Stück war noch so gut erhalten, dass nicht einmal eine neue Lackierung notwendig wurde. Die E1 ist natürlich nicht der einzige Oldtimer in ihrem kleinen Fuhrpark. Eine Herkules Hobby Rider, Baujahr 1973, steht da neben einer Herkules MKL 220 aus dem Jahr 1962 und einer K 100 von 1959. Stolz ist sie auch auf ihr original Bonanza-Fahrrad aus den 70ern.

Prunkstück der Sammlung aber ist ein über 50 Jahre alter Opel Olympia Kombi, den sie jahrelang mühsam restauriert hat. Die Erklärung, warum sie Geld und viel Freizeit in alte Autos und Zweiräder steckt, um sie dann auch selbst zu fahren, liegt eigentlich auf der Hand. „Weil sie schöner als neue sind, die haben einfach mehr Charme“, sagt Laura Völker.

Bleibt noch anzumerken, dass die immerhin von 1973 bis 1977 gefertigte E1, die übrigens baugleich mit einer KTM des österreichischen Herstellers war, seinerzeit wirtschaftlich total gefloppt ist. Das Mofa war mit den doch sehr schwachen Batterien einfach zu langsam und hatte zu wenig Reichweite.

Mehr Geschichten aus der Serie "Meine Maschine und ich" finden Sie hier.

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Petzold
    
    

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