publiziert: 20.07.2009 19:11 Uhr
aktualisiert: 20.07.2009 20:04 Uhr
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Olga Kern und ein verbitterter Rachmaninoff

Alles hat ein Ende, nur der Kissinger Sommer hat zwei – denn dort gibt es vor dem Abschlusskonzert noch eine Abschlussgala. Das Orchestre National de Lyon bestritt beide Schlussakkorde dieses Kissinger Sommers. Bei der Gala am Samstagabend stand Michel Plasson am Pult.

Alles hat ein Ende, nur der Kissinger Sommer hat zwei – denn dort gibt es vor dem Abschlusskonzert noch eine Abschlussgala. Das Orchestre National de Lyon bestritt beide Schlussakkorde dieses Kissinger Sommers. Bei der Gala am Samstagabend stand Michel Plasson am Pult.

Doch zu reden ist zuallererst von Olga Kern. Man hätte vermuten können, dass dies ein Abend des äußerlichen Glanzes werden würde. Schließlich stand Rachmaninoff auf dem Programm, dem oft kaum mehr als die Fähigkeit zur glanzvollen Oberflächlichkeit nachgesagt wird. Und etwas fürs Auge bot auch das atemberaubende Kleid der Olga Kern, eine Art rotglänzende Jalousette, deren Stege sich öffneten, um eine hautfarbene zweite Stoffschicht preiszugeben.

Damit wurde dem Reiz des Äußeren aber schon Genüge getan. Den Rachmaninoff, den das Gala-Publikum zu hören bekam, hatte man so noch kaum zu Ohren bekommen. An keiner Stelle wirkte Rachmaninoffs zweites Klavierkonzert pomphaft überladen oder gar bis zur Hohlheit aus nichts als funkelndem oder flunkerndem Glanz gewirkt.

Vielmehr gaben die dunklen Einleitungsakkorde einen Ton der Verbitterung vor, den Olga Kern – buchstäblich mit verbissener Miene – grandios bis zum letzten Satz durchhielt. Genau mit diesem emotionalen Grundton war von Anfang an die Gefahr gebannt, dass das Konzert zu einem Mosaik der bloßen Virtuositäten zersplittert.

Auch der zweite Satz war kein melancholisch-zartschmelzendes Etwas. Das lyrische Hauptmotiv klang unter Kerns Händen wie ein sinnlos gewordenes Kinderlied, das Ängste nicht mehr zu bannen vermag.

Seelenverwandtschaft mag mitspielen, wenn die Wahl-New-Yorkerin den US-Immigranten Rachmaninoff spielt. Nach dem kraftmeierischen und rauschenden Finalsatz, den Olga Kern virtuos in den Max-Littmann-Saal wuchtete, brandete donnernder Applaus zurück.

Schon im ersten Programmteil hatten die Lyoner Musiker bewiesen, dass sie vor allem über einen brillanten, feinnervigen Streicher-Block verfügen, der raumenthoben zu flimmern vermag wie Zikadengesang in der Provence.

Die Streicher als Hauptakteur führte Dirigent Michel Plasson auch mit einer halsbrecherisch schnellen 7. Symphonie in neue Tempo-Regionen.

Von Gerhard Fischer
    
    

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