aktualisiert: 24.06.2012 12:05 Uhr
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MÜNNERSTADT
Papierhochzeit – Goldene Hochzeit
Zwei Paare erzählen von ihrer Ehe, deren Tücken und dem Erfolgsgeheimnis
Es gibt viele Dinge, die die Poggenpohls und die Kreutzens trennen. Das wäre zunächst - ganz banal – das Alter. Rund ein halbes Jahrhundert liegen zwischen der 29-jährigen Olesja Poggenpohl und der 82-jährigen Doris Kreutz. 53 Jahre sind es genau.
Da wäre aber auch das Kennenlernen der beiden Paare. Olesja und ihr Mann Gerd sind seit zwölf Jahren ein Paar. Sie lernten sich 2000 kennen – im Internet. Wie so viele Paare heutzutage. Danach hatten die beiden eine Fernbeziehung. Paderborn–Münnerstadt, rund 250 Kilometer trennten sie. Meist sahen sie sich nur am Wochenende. Aber sie telefonierten täglich, „mindestens drei Stunden“. Wie so viele Paare heutzutage.
In den 1950er Jahren sah das noch anders aus. Damals lernten sich Doris Kreutz und ihr heutiger Mann Horst kennen, bei der Arbeit, sozusagen. Doris arbeitete als medizinisch–technische Assistentin. Sie sollte bei Horst, der sich um eine Stelle als Erzieher in einer Einrichtung für Jugendliche bewarb, die Einstellungsuntersuchung machen. „Ich fand ihn anfangs unsympathisch“ erinnert sie sich und erzählt: „Zum Schluss habe ich ein kleines Gläschen hochgehalten und ihn aufgefordert es vollzumachen. Er hat sich geweigert.“ „So musste ich wiederkommen und konnte sie nochmal sehen“, sagt Horst und lacht. 1958 war das – seitdem sind die beiden ein Paar.
Und damit wären wir auch schon bei dem nächsten Punkt, der die beiden Paare unterscheidet: Die Zeit, die sie verheiratet sind. Denn Ehepaar Poggenpohl heiratete im Juni vergangenen Jahres kirchlich in der Mürschter Klosterkirche. „Es war unsere Traumhochzeit, mit weißem Brautkleid, Torte und allem, was dazu gehört“, erzählt Olesja Poggenpohl. Ein Jahr verheiratet – Papierhochzeit heißt das entsprechende Jubiläum.
Das hat das Ehepaar Kreutz schon lange überschritten. Sie feierten in diesem Monat goldene Hochzeit. 1962 heirateten sie. Damals waren weder Olesja noch ihr zehn Jahre älterer Mann geboren.
Seither sind die Doris und Horst Kreutz gemeinsam glücklich. Zumindest gewinnt man diesen Eindruck, wenn sie von ihrer Ehe erzählen. Von den vergangenen 50 Jahren, die sie gemeinsam verbracht haben. Von den Abenteuern, die sie erlebt haben, wie die Geburt ihres Sohnes, oder von den vielen Reisen, die sie unternommen haben.
Was das Geheimnis ihrer Ehe ist? Toleranz und Vertrauen – da sind sich die beiden einig. „Ich war wegen der Kunst viel unterwegs oder bin alleine verreist“, sagt Horst Kreutz. Seine Frau hat nie etwas dagegen gesagt. Getrennt verreisen? Für sie kein Problem. „Erst vor drei Jahren sind wir getrennt voneinander in Urlaub gefahren. Ich wollte unbedingt nach Sizilien und Horst nach Madeira. Wir haben uns ja später wieder getroffen“, erzählt die Rentnerin. Doch natürlich sei es nicht nur wichtig, sich Freiheiten zu lassen. Auch gemeinsame Hobbys seien wichtig. „Wir interessieren uns beide für Kunst und Reisen.“
Toleranz und gemeinsame Hobbys, genau das sehen auch Olesja und Gerd als Schlüssel für eine glückliche Ehe. Betrachtet man die Ehe von Doris und Horst Kreutz, könnte das tatsächlich der richtige Weg sein, um all die Hürden des Ehealltags zu überwinden. Denn es gab sie auch bei Horst und Doris Kreutz, die kleinen Streitereien. Die Meinungsverschiedenheiten, wie sie es nennen. Große Krisen habe es zum Glück noch nicht gegeben, so Doris Kreutz.
Große Krisen, die mussten auch die Poggenpohls in ihrer einjährigen Ehe noch nicht überwinden. Ihr größtes Abenteuer steht dem jungen Paar noch bevor: Die Geburt ihres Kindes in einem Monat.
Ob das Ehepaar Kreutz noch einmal tauschen möchte und ihre Ehe noch einmal neu beginnen wollten? „Nein!“ Da stimmen bei überein. „Wir haben viel Stabilität gewonnen auf unserem gemeinsamen Lebensweg“, so Horst Kreutz. Seine Frau ergänzt: „Höchstens um die vielen Jahre, die noch vor ihnen liegen, beneide ich sie.“ Doch heutzutage sei so vieles schwieriger geworden.
Es sei beispielsweise kaum mehr möglich von einem Gehalt zu leben, Frauen müssten mitverdienen. „Ich konnte es mir leisten, zu Hause zu bleiben und mich um die Familie zu kümmern“, so Doris Kreutz. Heute brauche man beide Gehälter. Das weiß auch Olesja Poggenpohl. Allerdings: „Unabhängig davon, finde ich es aber auch wichtig, dass die Frau arbeiten geht.“
Es gibt sie also doch, die anderen Dinge. Die Dinge, die die beiden Ehepaare verbinden. Und das zeigt sich nicht nur darin, dass sich beide Paare einig sind, dass es heutzutage schwierig ist, als Familie von einem Gehalt zu leben. Es gibt noch weitere Beispiele. Bei beiden Paaren fiel ein klassischer Heiratsantrag „auf den Knien und mit Rosen“ flach. Die Vorliebe beider Frauen für saure Gurken in der Schwangerschaft. Und die Pläne für die Zukunft: Sie wollen reisen. Am liebsten nach Russland. Beide.
Von unserem Redaktionsmitglied
Sara Sophie Schmitt
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