aktualisiert: 12.07.2010 09:49 Uhr
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BAD KISSINGEN
Romantische Dichtung als berührende Musik
Großer Applaus für Komponisten und Interpreten bei der Kissinger Liederwerkstatt
Ein spannendes musikalisches Puzzle setzte die Kissinger Liederwerkstatt im Rahmen des Kissinger Sommers vor einem kleinen, aber aufmerksamen Auditorium im Rossinisaal zusammen: Vertonungen aus drei Jahrhunderten, denen Texte des Dichters Joseph von Eichendorff zugrunde liegen – darunter auch einige Uraufführungen im Beisein der Komponisten.
Die Leitung der Liederwerkstatt, von der es an diesem Montagabend einen zweiten Teil gibt, hat Professor Axel Bauni aus Berlin.
Egal, ob die Kompositionen aus dem 19., 20. oder 21. Jahrhundert stammen, alle übersetzen die romantische Dichtung in berührende Musik: den Überschwang der Emotionen, den verklärten und gleichzeitig schaudernden Blick auf Natur, Leben, Liebe und Tod. „Die Lust hat eig'nes Grauen?“.
Jan Müller-Wieland (*1966), der jüngste Komponist, lässt das „Eldorado“, den Ort der Sehnsucht, entstehen und verdeutlicht gleichzeitig die abgerissene Verbindung zwischen Traum und Welt. Überzeugend stellt sich Tenor Andreas Post dieser anspruchsvollen Aufgabe.
Manfred Trojahn (*1949) setzt bei „Winternacht“ in der Melodie große Intervalle ein und bei „Seliges Vergessen“ eine spärliche Klavierbegleitung mit dissonanten Sekunden. „Die Nachtblume“ besingen Olivia Vermeulen (Mezzosopran) und Felicitas Fuchs (Sopran) in einem wunderbaren Duett. Die beiden Sängerinnen übernehmen auch die Uraufführung von „Klang um Klang“, wo die Stimmführung sich immer wieder kreuzt.
André Werner (*1960) hört seine Uraufführung „Verschwiegene Liebe“, gesungen von Olivia Vermeulen (Mezzosopran). Das Klavier lässt hier die freien Gedanken umherschwirren, der Gesang steht in lang gehaltenen Tönen, quasi verschwiegen, darüber.
Wilhelm Killmayer (*1927) hat drei Kompositionen von 1990/91 und zwei Uraufführungen mitgebracht. Den „Frühlingsgruß“ überreicht schwärmerisch Felicitas Fuchs (Sopran): „O schöne Welt, man sieht dich vor Blüten kaum“. Andreas Post (Tenor) beschreibt im „Morgenlied“ das allmähliche Erwachen des Tages, betrachtet von „stiller Höh'“ aus. Klavier und Gesang werden immer lauter bis zum Weckruf : „Schöne Welt, nun wache auf!“.
Die Uraufführung von „Der Kühne“ setzt Hans Christoph Begemann (Bariton) um. Er versteht sich darauf, den Text mit Leben zu füllen und eine beeindruckende Dramaturgie zu entwickeln. Dies zeigt er auch in der weiteren Uraufführung „Vom heiligen Eremiten Wilhelm“, eine Begegnung, die er zusammen mit Andreas Post gestaltet.
Am Flügel wechseln sich Axel Bauni, Jan Philip Schulze und Ulrich Eisenlohr ab. Alle drei erweisen sich als einfühlsame Begleiter der Sänger und ebenso ausdrucksstarke Interpreten, ob bei Robert Schumann, Paul Hindemith, Alban Berg oder einem der anwesenden, zeitgenössischen Komponisten.
Am Ende gibt es großen Applaus des Publikums für die Komponisten und die Interpreten – und gespannte Erwartung auf den zweiten Teil der Liederwerkstatt an diesem Montag, 12. Juli.
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