aktualisiert: 22.06.2010 20:24 Uhr
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MARIA BILDHAUSEN
Sa Chen: Beinahe zu viel des Guten
Chinesische Pianistin Sa Chen begeisterte in Maria Bildhausen
Ein Klavierkonzert mit Werken von Ludwig van Beethoven, Frédérik Chopin und den Bildern einer Ausstellung Modest Petrowitsch Mussorgskis zu bestücken, ist schon mutig. Nicht nur der Pianistin wird in diesem Falle alles abverlangt, auch die Zuhörer müssen sich an eine derartige Klangoppulenz erst mal gewöhnen.
Sa Chen nahm sich in ihrer Klaviermatinee im Abteigebäude jedoch Zeit. Keine Hektik zu Beginn der Sonate Es-dur op. 31/3 von Beethoven. Und das, obwohl diese eigentlich einer Einleitung entbehrt und mitten im Stück beginnt.
Was die Pianistin jedoch in spielerischer Gelassenheit zelebrierte – von den gelegentlichen beethovenschen dramatischen Einschüben einmal abgesehen – bis sich all die aufgestaute Spannung im beinahe irrwitzig schnellen Finalsatz löste. Dieser wurde von Beethoven ja nicht umsonst mit „Presto con fuoco“ überschrieben und Sa Chen nahm dies durchaus wörtlich.
Auf dieses Feuerwerk der Spielkunst Chopin Nocturnes Nr. 7, Nr. 1b, Nr. 16 nebst dem Walzer in As-Dur und abschließend dem Scherzo Nr. 3 folgen zu lassen, das mag nun insgesamt der Hörerlebnisse, die von der letztendlich fantastisch aufspielenden Chinesin beinahe am laufenden Band geliefert wurden, ein wenig zu viel gewesen sein.
Sei's drum: Sa Chen wusste zu brillieren und formte gerade die Nachtstücke Chopins in dramatisch eindrucksvolle Klangbilder. Klar, dass Sa Chen mit dem cis-moll Scherzo op. 39 atemberaubend die Zuhörer in die Pause schickte.
Die junge Chinesin, die unter anderem in Hannover studiert hat und mittlerweile in Deutschland wohnt, hat jede Menge internationaler Preise gewonnen. In Japan ist sie gar gelistet als eine der besten Pianisten des 20. Jahrhunderts.
Ein paar ruhige Minuten im idyllischen barocken Buchsbaumgärtchen des ehemaligen Klosters machten den Kopf wieder frei für neue Eindrücke. Und das brauchte es auch, denn die zehn Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski mit ihrem immer wiederkehrenden Thema sind ein Konzert für sich allein. Zumindest, wenn man so am Flügel agiert wie Sa Chen es vermochte.
Die Bilder des russischen Malers Hartmann gewannen Form wie Farbe wie Plastizität. Eine Meisterleistung von Sa Chen.
Nicht enden wollender Beifall, zwei Zugaben.
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