publiziert: 03.08.2012 15:47 Uhr
aktualisiert: 05.08.2012 12:03 Uhr
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Schicksalhafte Verbindungen

Wie nach dem Ende des alten Landkreises die Verwaltungsgemeinschaft entstand
  • Markant: Sitz der Verwaltungsgemeinschaft am Sinnauplatz.
    Foto: Standke
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30. Juni 1972: Der Landkreis Bad Brückenau war nach kurzem, heftigen Todeskampf Geschichte. Doch ausgestanden waren die Wehen der Kreisgebietsreform mit der Geburt des Großlandkreises Bad Kissingen nicht. Jetzt mussten die vielen kleinen Gemeinden zusammenfinden. Ein Prozess, der Jahre dauerte – und an dessen Ende die heutige Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau stand.

Edgar Rieß hat sein halbes Leben der Stadt gewidmet. Fast vier Jahrzehnte arbeitete er in der Bad Brückenauer Verwaltung, darunter von 1970 bis 1992 als Kämmerer.

Die Jahre der Kreisgebietsreform erlebte Rieß als „schwierige Zeit mit vielen Einzelschicksalen“. Doch auch die Zeit danach war spannend.

Denn nach der erzwungenen Kreisreform sollte eine zweite, sanftere erfolgen – die Gemeindegebietsreform. Bisher hatte jeder Ort seine eigene Verwaltung – und wenn nur ein Beamter in der Gemeindekanzlei saß. Größere Einheiten mussten her.

Anders als bei der Kreisgebietsreform sollten die Gemeinden zunächst freiwillig zueinander finden. Als Belohnung gab es vom Freistaat erhöhte Schlüsselzuweisungen.

1978 trat die neue Rechtsverordnung der Regierung von Unterfranken in Kraft, die zum Stichtag 1. Mai die Neugliederung der Kommunen regelte. Sie regelte sowohl die freiwilligen als auch zwangsweisen Zusammenschlüsse.

Wer sich erst nach dem Stichtag gezwungenermaßen zusammenfand, bekam zwar noch einen Sonderbonus. Doch der lag wesentlich niedriger als beim freiwilligen Zusammenschluss.

Zwar hatte es im alten Landkreis Bad Brückenau schon vor der Kreisgebietsreform freiwillige Gemeindeehen gegeben. So in Unter- und Oberriedenberg, die sich zum 1. April 1971 zum heutigen Riedenberg zusammenschlossen. Oder in Geroda, wo sich Platz am 1. Juli 1971 dem größeren Nachbarn anschloss.

Doch sonst lief freiwillig und trotz mehr Geld fast nichts. So sträubte sich zum Beispiel Volkers, das zu Bad Brückenau kommen sollte. Rieß: „Die Volkerser wollten auf Biegen und Brechen eigenständig bleiben, haben sich bis zum Schluss gegen eine Eingemeindung gewehrt.“

Als diese zwangsweise zum 1. Mai 1978 erfolgte, gab es für die Stadt Bad Brückenau noch einen Bonus von 204 000 DM aus einem Sonderfonds des Freistaates Bayern. Bei einem freiwilligen Anschluss wären es sicher viel mehr gewesen. Die Auszahlung erfolgte ab 1979 in sechs jährlichen Raten.

Allerdings profitierte Bad Brückenau eher wenig von der Gemeindegebietsreform. Wernarz und Römershag waren schon in den 1930er-Jahren zur Stadt gekommen.

Zum 1. Mai 1978 standen die neuen Verwaltungseinheiten fest. Es waren (die Sinn flussabwärts) der Markt Wildflecken, Riedenberg, Bad Brückenau und der Markt Zeitlofs. Dazu kamen neben Oberleichtersbach und Geroda die Großgemeinden Motten und Schondra.

Selbst diese Zusammenschlüsse waren zu klein für eine effektive Verwaltung. Weitere Gemeinden zusammen zu legen hätten großen Widerstand gebracht, sagt Edgar Rieß.

Der Ausweg hieß Verwaltungsgemeinschaft (VG). Die Gemeinden blieben selbstständig, behielten Bürgermeister und Gemeinderäte. Nur die Verwaltungsarbeit sollte von einem zentralen Punkt aus erfolgen.

Gebildet wurde die neue VG zum 1. Mai 1978. Sie war sechsgliedrig und umfasste alle genannten Kommunen außer Wildflecken und Zeitlofs. Bad Brückenau war also dabei.

VG-Sitz war das alte Landratsamt. Erst Jahre später zogen die Mitarbeiter in den Stadtwerke-Komplex um.

Für Edgar Rieß hieß die VG vor allem: mehr Arbeit. Nicht nur den Haushalt seiner Stadt hatte er zu betreuen, sondern auch die der restlichen fünf Mitglieder. Zwar delegierte Rieß Aufgaben zum Beispiel an Erich Kömpel. Der kannte die Finanzen von Riedenberg und Oberleichtersbach bestens. Doch der größere Verwaltungsaufwand blieb.

Aber nicht lange. Denn Bad Brückenau und Motten traten schon Ende 1979 wieder aus.

„Die strukturellen Unterschiede vor allem zwischen Stadt und Umland waren zu groß“, sagt Rieß. Unterschwellig habe es Befürchtungen aus den Dörfern gegeben, sie müssten städtische Einrichtungen wie den Kindergarten mittragen. Bad Brückenau wollte seine eigene Verwaltung behalten, ebenso Motten.

Die Mottener hätten argumentiert, dass allein der geografische Abstand ins Zentrum der VG zu groß sei. Man orientiere sich ins nur einige Hundert Meter entfernte Hessen.

So entstand die VG, die den Namen der Stadt trägt, die schon lange kein Mitglied mehr ist.

Und heute? Laut Rieß funktioniert die VG. Sie sei anerkannt, weil dort die nötigen Verwaltungsaufgaben effektiv erledigt würden. Sonst könnten die Gemeinden frei entscheiden.

Von unserem Redaktionsmitglied Steffen Standke
    
    

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