aktualisiert: 30.06.2009 18:58 Uhr
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BAD KISSINGEN
Sichtbarer Genuss der Leichtigkeit
Kurzweiliges beim Liederabend der Kissinger LiederWerkstatt
(as) Lust am Gesang und Klavierspiel zeigten die vier Sänger und sechshändig spielenden Pianisten nicht nur bei der komödiantischen Zugabe des Mörike Gedichts „Die Schwestern“. Wenngleich sie die Leichtigkeit sichtbar genossen, denn vor dem Vergnügen standen große musikalische Herausforderungen beim Liederabend, der das Prädikat „besonders wertvoll“ verdient.
Uraufführungen von Enno Poppe (Jahrgang 1969), Aribert Reimann (1936), Alexander Muno (1979) und Wilhelm Killmayer (1927) erklangen beim zweiten Konzert der Kissinger LiederWerkstatt neben Vertonungen bedeutender Tonsetzer vergangener Tage wie Hugo Wolf, Felix Weingartner oder Max Reger. Rund 100 Zuhörer genossen im Rossini-Saal zweieinhalb kurzweilige, atmosphärisch dichte Stunden. Und sie erlebten Mörike als lyrischen Meister, dessen vielfältige Gedichte je nach Stimmung voller Sehnsucht, Weltschmerz oder Witz sind.
Olivia Vermeulens klarer, warmer Mezzosopran leuchtete in faszinierender Reinheit. Operettenhaften Charakter mit leichtem Hang zum Tremolo barg der Sopran von Felicitas Fuchs. Strahlend gülden mit brillanter Modulation und variationsreicher Technik gesegnet war der Tenor von Andreas Post (vortrefflich in „Zur Warnung“). Geschmeidig und kraftvoll klang der Bariton von Hans-Christoph Begemann (exzellent sein „Feuerreiter“). Kongeniale Klavierbegleiter waren der Leiter des Abends Axel Bauni sowie Boris Kusnezow und Jan Philipp Schulze.
Spürbar groß waren die Erwartungshaltung der Zuhörer und die Spannung bei den Solisten während der vier Uraufführungen zu Gedichten von Mörike. Begemann und Kusnezow interpretierten Enno Poppes Kompositionen über drei Gedichte. Vereinzelt gestreute Töne und große Intervallsprünge verbreiteten eine tiefe Verlorenheit. Mit Bravour meisterten Post und Bauni Aribert Reimanns fesselnde Vertonung von „An Hermann“, die vereinzelt Bravorufe erhielt. Wild und dramatisch war Alexander Munos Interpretation von „Auf einen Klavierspieler“. Bei „Nachts am Schreibepult“ glaubte man jazzige Ansätze zu hören. Fast sphinxhaft erklang „Mit einem Anakreonskopf“. Nach der Uraufführung schwang Muno sich leichtfüßig auf die Bühne und umarmte dankbar die Interpreten Vermeulen und Bauni.
Viele Bravorufe erntete Wilhelm Killmayer, der wie Reimann den „Seufzer“ und „Gesang Weylas“ vertonte, vor allem für das „Geburtstagsgedicht“, in dem Begemann und Kusnezow einen spannenden, abwechslungsreichen und bannenden Erzählmodus fanden. Lang anhaltendem, herzlichem Beifall folgte eingangs erwähnte Zugabe.
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