publiziert: 23.06.2010 17:42 Uhr
aktualisiert: 23.06.2010 17:59 Uhr
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Silvia und die Schwalben

Bezaubernder Abend mit Zigeunerkonzert
  • Beeindruckte mit jiddischen Gesangsstücken: Silvia Sarköziova von den Gipsy Devils.Foto: Gerhard Fischer
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Eine milde Abendsonne strahlt über der Wiese vor dem Tattersall und lässt die Bierkrüge und Weingläser golden leuchten: Angenehmer konnten die äußeren Bedingungen für das Open-Air-Zigeunerkonzert am Dienstag nicht gewesen sein.

Nachdem im letzten Jahr dunkle Regenwolken die Gipsy Devils aus Bratislava in den Saal gezwungen hatten, lernte die achtköpfige Formation den Kissinger Sommer heuer von seiner angenehmeren Seite kennen. Auch das Publikum profitierte, denn das Klangbild erwies sich als wesentlich transparenter als man es aus dem Saal-Konzert in Erinnerung hatte. Nach zwei, drei Stücken war die Gruppe auch soweit warm gespielt, dass sich die feurige Stimmung entfalten konnte.

Die Slowaken, in ihrer Heimat vielfach ausgezeichnet, bewegen sich in allerlei Richtungen: Zu allererst ist da die Zigeunermusik aus dem ungarisch-rumänischen Raum. Dazu gesellen sich russische Volksweisen und das Erbe jüdischer Volksmusik. Und natürlich darf die populäre Klassik nicht fehlen, Brahms und Paganini mischen sich unter Swing- und Klezmer-Rhythmen.

Ganz zu Beginn klang das Alles nach etwas viel Beliebigkeit. Dann folgte man aber doch einem roten Faden, der sich durch das Repertoire der Gipsy Devils zieht. Denn bei allem Spaß und aller Spielfreude blieb immer hörbar, dass es auch um die Erinnerung um eine vernichtete Kultur geht, insbesondere in den jiddischen Gesangsstücken mit Silvia Sarköziova.

Ehemann Ernest Sarközy, der „Präsient am Cymbal“, sorgte für die Fülle des Klanges auf diesem typischen Instrument. Er verlieh Stimmungen Ausdruck, für die andere Virtuosen einen Steinway benötigen. Da trat sogar Primas Stefan Banyak in den Hintergrund, dessen Virtuosität etwas introvertiert blieb.

Nach einer überlangen Pause – die die Abendsonne zum Verstecken hinter den Hügeln nutzte – verzauberte Zoltan Grunza mit einer Tarogato, ein Instrument mit einem geheimnisvollen Klang zwischen Klarinette, Oboe und Saxophon. Dass die Fantasien immer wieder in die treibenden Verrücktheiten des Zigeuner-Temperaments mündeten, schien auch die Schwalben zu freuen, die noch verwegenere Flugmanöver über dem Tattersall starteten.

Da musste in der Zugabe natürlich Banyaks Violine zwitschern und tirillieren wie eine, so hieß auch das Stück, Lerche.

Von unserem Redaktionsmitglied Gerhard Fischer
    
    

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