publiziert: 15.07.2009 15:25 Uhr
aktualisiert: 19.07.2009 23:00 Uhr
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Simone Kermes und Fabio Biondi: Neues Leben für Vivaldi

Ein Kirchenkonzert von fulminantem Tempo

Da hatten ja die richtigen Künstlertypen zueinander gefunden: Simone Kermes, die keck und fast etwas übermütig agierende Sopranistin aus Leipzig, passte wie angegossen – man kommt bei einer solch trefflichen Konstellation um diese Phrase nicht umhin – zu Fabio Biondi, dem Barock-Neutöner aus Sizilien mit seinem Ensemble Europa Galante. Das Vivaldi-Kirchenkonzert beim Kissinger Sommer in der Erlöserkirche geriet bei dieser showreif unterhaltsamen Paarung zu einem fulminanten Abend, der alte, vertraute Vivaldi-Hörgewohnheiten vom ersten Ton an mit einem Wisch wegfegte.

Dabei lag es vor allem an Simone Kermes, dass sich das anfangs noch eher zurückhaltende Publikum bis zu den stehenden Beifallsbekundungen am Ende so hin- und mitreißen ließ. Als sie (wie beim Auftritt sechs Tage zuvor im Regentenbau) mit ihrem orangefarbenen Haar und Reifrock zu singen begann, ging ein Vibrieren durch den Kirchenraum, dem sich schwer entrinnen ließ.

Ihre Vivaldi-Arien interpretierte die Barock-Diva vom Stimmvolumen stets brillant und dramatisch auf den Punkt – aber dermaßen theatralisch, rhythmisch mitwippend und optisch schrill, dass Vergleiche mit den Auftritten von Pop- oder Rockmusikern angebracht waren.

Die Zuhörer begeisterte dies auch, weil Fabio Biondi in seinem lächelnd azzuro-reifen Auftreten eine beinahe unverschämte Freude verströmte, als sei es das Selbstverständlichste der Welt, 300 Jahre alten Sinfonias aus Venedig neues Leben einzuhauchen.

Biondi bewegte sich mal nach links, mal nach rechts, nach vorne und hinten, scherzte mit dem Ensemble und kokettierte mit der Sopranistin. Einigen Concertopassagen tat diese neue Zackigkeit gut, auch wenn die tieferen Instrumente dem Tempo Tribut zollen mussten und ein wenig ins Schludern gerieten. Doch gerade bei manchen Largo-Teilen wich die angemessene Metrik einer gewissen Hektik.

Die Seriosität, und dies war das Entscheidende, blieb bei alledem erhalten – die Grenzen indes wurden ausgereizt.

Von Jürgen Höpfl
    
    

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