publiziert: 07.07.2008 19:10 Uhr
aktualisiert: 22.07.2008 13:20 Uhr
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Simone Kermes – eine Popdiva fürs 18. Jahrhundert

Die Leipziger Sopranistin und der Altus Matthias Rexroth begeisterten
  • Vom Duell zum Duett: Sopranistin Simone Kermes und Altus Matthias Rexroth ernteten Jubel bei ihrem fulminanten Auftritt in der Erlöserkirche.
    FOTO Barbara Oschmann
Bild von

(bo) „Eine starke Vorstellung“, sagt der Sitznachbar am Schluss. Damit spricht er gelassen aus, was sich vorher in wahren Jubelstürmen geäußert hat. Sopranistin Simone Kermes und Altus Matthias Rexroth haben gerade ein fulminantes Konzert in der gut gefüllten Erlöserkirche gegeben: Gesangskunst auf höchstem Niveau, dargeboten mit einer derartigen Emphase, dass das Publikum sich vor Begeisterung kaum zurückhalten kann.

Mit den beiden Sängern konzertiert das glänzend aufgelegte Ensemble Le Musiche Nove, sieben Musiker an Originalinstrumenten unter der Leitung von Claudio Osele. Homogen und sehr engagiert stellen sie sich mit den festlichen Klängen des Concerto Nr. 5 A-Dur von Francesco Durante vor, und entführen die Zuhörer in die Musikwelt des 18. Jahrhunderts.

Im Mittelpunkt des Konzerts stehen italienische Liebeslieder von Georg Friedrich Händel, dazu Werke von Johann Adolf Hasse. Überzeugend italienisches Temperament legt die in Leipzig geborene Sopranistin an den Tag, erstmals in Händels Liebesduell Amarilli vezzosa. Zunächst macht Rexroth seine Absicht klar: „Io voglio – ich will“.

Rezitative und Arien im Wechsel lassen dann alle Spielarten des Liebeswerbens aufblitzen. Verziert mit temporeichen Koloraturen entspinnt sich ein heftiger Schlagabtausch zwischen Mann und Frau. Operngeschult verlassen sich Kermes und Rexroth dabei nicht nur auf ihre Stimmen, sondern verleihen der jeweiligen Rolle durch körperliche und mimische Präsenz Leben. Dennoch sollte dies erst das Aufwärmtraining sein.

In zwei Soloarien – aus den Opern Radamisto und Rodelinda von Händel – zeigt Rexroth seine ganze Kunst. Sein „Ombra“ in Ombra cara di mia sposa kommt tatsächlich wie ein geheimnisvoller dunkler Schatten daher. Er gestaltet die Töne sehr schön, verleiht ihnen Strahlkraft. Seine Triller und Koloraturen geraten umwerfend, furios.

Bei der Arie der Cleopatra „Si pieta di me non senti“ (Händel: Julius Caesar in Ägypten) steigt Kermes so tief in die Dramatik ein, dass sie selbst echte Tränen weint. Die Betroffenheit bei den Zuhörern ist entsprechend groß. Der Applaus brandet erst nach kurzer Stille auf.

Gesanglich ebenso anspruchsvoll ist auch die zweite Sopran-Soloarie, „Come nave in mezzo all'onde“ von Johann Adolf Hasse. Ein großer Tonumfang von mehr als zwei Oktaven, bis in höchste Höhen, dazu zahlreiche Koloraturen fordern alles von der Sängerin. Und sie gibt alles. Ja, sie überzieht die alte Musik gar mit einem Hauch von Pop, sie tanzt und juchzt – eine Popdiva für das 18. Jahrhundert. Und dies kommt an, denn wie bei einem Popkonzert gibt es schier kein Halten mehr.

Liebesgeflüster

Vom anfänglichen Duell zum harmonischen Duett gelangen die beiden Sänger beim Liebesgeflüster zwischen Caesar und Cleopatra in „Caro! Bella!“ von Georg Friedrich Händel. Und zur Erheiterung des Publikums übertreiben sie es mit der Harmonie in der Zugabe bis hin zur Ironie im Duett „Belle nuit, oh nuit d'amour“ aus Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach.

Der ZDF-Dokukanal wird im Oktober in einem Porträt über die Sopranistin Simone Kermes Ausschnitte aus dem Konzert bringen.

Online-Tipp

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