publiziert: 02.02.2012 11:57 Uhr
aktualisiert: 02.02.2012 12:05 Uhr
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Tanja Kinkel: "Ich will einfach Neugier entfachen"

Interview mit Schriftstellerin Tanja Kinkel über Bücher und ihren Besuch in Bad Brückenau
  • Tanja Kinkel in Bad Brückenau.
    Foto: Steffen Standke
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Staatsbad Mit acht Jahren schrieb Tanja Kinkel ihre ersten Gedichte und Geschichte, mit zehn den ersten Roman. 13 Bücher sind inzwischen dazugekommen, darunter „Das Spiel der Nachtigall“. Aus diesem Roman las Kinkel vergangene Woche im Regena. Zuvor hat die Main-Post sie getroffen. Ein Interview darüber, wie bei ihr ein Roman entsteht, über das Historien-Genre – und Schmugglerpfade ins Hessische.

Frau Kinkel, Sie logieren für eine Woche im Staatsbad. Einfach nur Erholung oder schon Arbeit an einem neuen Buch?

Kinkel: Ersteres. Es ist auch nicht mein erster Besuch. Bad Brückenau ist nicht sehr weit von meiner Heimat Bamberg weg. Daher war im vergangenen Sommer schon einmal für 17 Tage hier. Damals hatte ich gerade die Arbeiten für 'Das Spiel der Nachtigall' über das Leben des Dichters und Sängers Walther von der Vogelweide fertig.

Aus dem Sie ja jetzt vorgelesen haben.

Kinkel: Der Leiter des Regena, Joachim Hunger, hatte mich schon im vergangenen Jahr nach einer Lesung gefragt. Diesem Wunsch bin ich jetzt nachgekommen.

Haben Sie sich bei Ihren beiden Besuchen komplett ins Hotel zurückgezogen oder auch mal die Umgebung erkundet?

Kinkel: Ich habe mir Bad Brückenau angeschaut und jede Menge Wanderungen gemacht. Es gibt hier viele gut beschilderte Wanderwege. Auch alte Grenzsteine und frühere Schmugglerpfade über die bayerisch-hessische Grenze habe ich entdeckt.

Das klingt nach einer Topanregung für einen neuen historischen Roman.

Ich weiß in Bezug auf neue Werke nicht, welche Inspiration ich letztendlich verarbeiten werde. Außerdem funktioniert das sehr unterschiedlich. Nachdem ich die Alhambra im spanischen Granada gesehen hatte, flossen die Eindrücke ziemlich schnell in 'Mondlaub' ein. Ganz anders nach einem Forschungsaufenthalt im italienischen Olevano Romano 1994. Damals arbeitete ich an 'Schatten von La Rochelle', das um 1640 angesiedelt ist. Die Anregungen zur Gründungsgeschichte Roms im siebten Jahrhundert vor Christi habe ich erst im 2000 erschienenen Roman 'Die Söhne der Wölfin' aufgegriffen.

Sie lassen in ihren Werken oft bekannte geschichtlich verbriefte Personen auftreten: Kardinal Richelieu, Richard Löwenherz, Jakob Fugger und zuletzt Walther von der Vogelweide. Die Figuren handeln aber oft jenseits der historischen Fakten. Warum?

Für mich genügt es nicht, bloße Fakten aufzuzählen und darauf zu vertrauen, dass sie mir abgenommen werden. Ich will dem Leser vor allem glaubhaft machen, dass alles Geschehene der Romanfigur genauso passiert sein könnte. Er soll sich von mir gefangen nehmen lassen, obwohl er den historisch belegten Ausgang der Geschichte vielleicht schon kennt. Beim Leser soll sich Neugier für die Epoche entfalten, in der das Buch spielt. Das ist eine der besten Reaktionen, die ein Schriftsteller entfachen kann.

Aber Sie müssen doch darauf schauen, dass ihre Figuren historisch korrekt dargestellt sind, oder?

Man muss erst seine Hausaufgaben machen, ehe man sich Freiheiten nehmen kann. Darüber hinaus muss ich mich für meinen Roman in Zeit und Denke, Mentalität und Gefühlswelt der handelnden Menschen hineinversetzen. Daher brauche ich über die Grundidee hinaus meist eineinhalb Jahre Recherche. Schreiben sowie Redigieren und Bearbeiten dauern dann nur je drei Monate.

Im Moment scheint der historische Roman zu boomen. Die Buchläden sind voll davon. Sehen Sie sich als Vorreiterin?

Der historische Roman ist viel älter als ich. Und bei ihm gab es zyklisch Höhen und Tiefen. So war er zum Beispiel in den 1970er-Jahren nicht so populär. Mit 'Name der Rose' von Umberto Eco änderte sich das in den 1980ern wieder. Das war, bevor ich selbst anfing zu schreiben.

Was sagen Sie denjenigen, die dem Historienroman jeglichen Anspruch absprechen?

Die Unterscheidung zwischen Unterhaltung und ernsthafter Literatur mache ich nicht. Der historische Roman ist ein populäres Genre. Aber warum soll er nicht literarisch sein? Für mich muss er emotional als auch intellektuell ansprechen.

Denken Sie schon über ein neues Buch nach. Und wenn, wovon wird es handeln.

Ich bin bei der Recherche. Sicher gibt es die ein oder andere Anregung. Aber ich bin da abergläubisch, kann und will nichts verraten.

Aber es könnte sein, dass demnächst bei Ihnen von Schmugglerpfaden und Grenzsteinen zu lesen ist?

Wie gesagt: Was letztlich ins Buch kommt; man kann es nie wissen.

Das Gespräch führte Steffen Standke
    
    

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