publiziert: 17.06.2008 18:10 Uhr
aktualisiert: 22.07.2008 13:20 Uhr
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Liebe als Ironie des Schicksals

Der Tenor Daniel Behle mit Schubert, Schumann, Grieg und Eigenem

(fg) Eine überaus feuchte Angelegenheit war der Liednachmittag mit dem Frankfurter Tenor Daniel Behle am Sonntagmittag im Rossini-Saal. Wundersame Traumbilder vom deutschen Strome Rhein, ein Bach voller Müllersburschen-Tränen und dunkle Wolken über dem wirklichen Bad Kissingen, die einen donnernden Platzregen niederprasseln ließen.

Das waren die Umstände, unter denen Behle seinen zweiten Kissinger-Sommer-Besuch absolvierte. Im letzten Jahr durfte er sich neben Jochen Kupfers Bariton und Christiane Oelzes Sopran schon einen würdigen Platz ersingen, im Regentenbau war er ganz der Mittelpunkt.

Zum Einstand hatte er fünf Lieder aus Schuberts Müllerin-Zyklus gewählt, heitere Liebesbekundungen, noch ungetrübt von Eifersucht und Todessehnsucht. Nichts zu mäkeln gab es an seinem Gesang von wunderbar lyrischer Färbung und unprätentiöser Natürlichkeit. Auch in den dramatischen Momenten, in denen die kammermusikalische Stimmung fast in Opern-Pathos umkippte, behielt Behle die Zügel glücklich in der Hand.

Viel Feinsinn bewies Behle auch im Liederzyklus op. 48 des Norwegers Edvard Grieg nach deutschen Gedichten, der mit sparsamen Mitteln dichte Stimmungsbilder zu gestalten versteht.

Diese verinnerlichten Gefühlslandschaften wusste auch Sveinung Bjelland am Klavier mit wenigen Tupfern auf der Klaviatur zu zeichnen, er fühlte sich sichtlich seinem berühmten Landsmann verpflichtet. Ach, und so viel unverhohlene Waldesrand-Erotik wie bei dem „Im Traum“ hat der Kissinger Sommer bestimmt noch nicht gehört.

Bjelland wurde Grieg auch bei drei Lyrischen Stücken gerecht, nur der „Zug der Zwerge“ verlief über etwas holpriges Gelände. Ansonsten hatte Bjelland alles buchstäblich im Griff. Der großgewachsene Norweger konnte auf ausladende Gesten verzichten, die Klaviatur blieb ihm ein überschaubarer, kompakter Raum.

Bjelland blieb in einem positiven Sinn zurückhaltend, während Behle in Schumanns „Dichterliebe“-Zyklus viel Furor legte und mit viel Pathos beinahe vergessen machte, dass Heines unterschwellig ironische, dann wieder politisierende Lyrik doch irgendwie ein Widerhaken im Gehörgang bleibt.

Als freundliche Geste werden die Kissinger-Sommer-Verantwortlichen Behles selbst komponierte Liederfolge „Der Flug des Reihers“ gewiss zu schätzen wissen. Die fast spätromantisch gesetzten Stimmungsbilder wirkten durchaus durch ihre etwas rätselhafte Lyrik.

Nur das Wort „Frosch“ in einem Kunstlied hatte dann doch etwas unfreiwillig Komisches. Aber daran ist wohl nur Hape Kerkeling schuld, auch wenn es bei ihm immerhin ein Wolf war.

Online-Tipp

Alle Kritiken und Artikel vom Kissinger Sommer finden Sie unter http://badkissingen.mainpost.de

    
    

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