publiziert: 06.07.2010 16:46 Uhr
aktualisiert: 06.07.2010 17:03 Uhr
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Triumph mit Bartók

Christian Tetzlaff und Lars Vogt begeisterten beim Kissinger Sommer

Triumphe ist man gewohnt in diesen Tagen in Deutschland. Und so geziemt es sich, den Auftritt von Christian Tetzlaff und Lars Vogt am Sonntag im Rossini-Saal zur momentanen Reihe der Triumphe zu rechnen.

Stehende Ovationen, Bravo-Rufe: Etwas Berauschendes muss geschehen sein. Der Rausch begann mit den ersten Takten des Nachmittags. Ein paar Striche aus Schumanns Violinsonate Nr. 2 genügten, und man war gefesselt vom Violinspiel des Christian Tetzlaff. Mit energischen Akkordschlägen eröffnet Schumann dieses erzählende Stück, dessen erster Satz von synkopierten Rhythmen und Seufzermotiven durchzogen ist.

Die nervöse Grundstimmung vor allem des ersten Satzes mag Kritiker bewogen haben, die Sonate in einen Zusammenhang mit Schumanns Geisteskrankheit gebracht zu haben. Tetzlaff gestaltet diesen Satz als großer psychologischer Erzähler, der bis ins die kleinste Nuance den Emotionen Gestalt verleiht.

Rhythmische Fallstricke gibt es für ihn nicht. Die Seufzermotive sind so subtil und delikat gestrichen, wie die Steigerungen kraftvoll in den Saal gestemmt werden. Tetzlaff spielt wie ein Romancier, der über den tragischen Plot den Sinn fürs Detail nicht verliert, der den musikantischen satten Ton pflegt, zu der sich berückende Innigkeit gesellt. Tetzlaff ist zu allem fähig, und das ist das Glück der Zuhörer. Mit Lars Vogt hat Tetzlaff einen pianistischen Begleiter, mit dem ihn seit Jahren eine produktive Zusammenarbeit verbindet. Vogt zeigte sich als inspirierter und inspirierender, aufmerksam reagierender Mitspieler.

Bei Mozarts Klaviersonate KV 526 durfte Vogt gar die Rolle des Solisten einnehmen, der kraftvoll und souverän die technischen Schwierigkeiten bewältigte.

Der zweite Programmteil gehörte Béla Bartóks erster von zwei Violinsonaten aus der radikalsten Schaffensphase des Ungarn zwischen den beiden Weltkriegen. Sperrig oder abschreckend wirkte die Sonate zu keiner Sekunde. Der rhapsodische, leidenschaftliche Eingangssatz nahm sofort gefangen, Tetzlaffs Spiel hatte großen gestalterischen Atem.

Der Mittelsatz mit seiner weit gespannten kontemplativen Melodik hatte die gelöste Kraft eines religioso-Satzes, berückend schön gestalteten Tetzlaff und Vogt diese Elegie.

Das irrwitzige Bravourstück, der Allegro-Satz von kaum mehr zu bändigendem folkloristischem Temperament, musste in dieser technischen Brillanz beider Akteure vom Hocker reißen und fast nahtlos ins „Bravo“-Getöse münden.

Zum Dank gab es einen ganzen Dvoøak-Satz als Zugabe zurück.

Von unserem Redaktionsmitglied Gerhard Fischer
    
    

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