aktualisiert: 22.07.2008 13:20 Uhr
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BAD KISSINGEN
Trompetissimo: Zum Weinen schön
Die Trompeterin Tine Thing Helseth und Vestard Shimkus am Flügel
(bo) Die eigentlichen Edelsteine des Kissinger Sommers sind nicht selten im Rossinisaal zu entdecken. Trompetissimo mit Tine Thing Helseth (Trompete) und Vestard Shimkus (Flügel) war ein ganz besonders funkelnder.
Schon der allererste Trompetenton offenbarte eine intime Intensität, die sofort fesselte. Ob mit oder ohne Dämpfer: So weich und zart, solch ein schönes Vibrato zeichnend, hat man wohl kaum jemals eine Trompete gehört. Die Norwegerin spielte die Töne so, als würde sie sie singen.
Qualität bis zum Ende
Dass sie erst 21 Jahre alt ist, möchte man angesichts ihrer reifen Tongestaltung kaum glauben. Jeder noch so lange Ton behielt seine Qualität bis zum Ende, konnte leuchten und sich dann leise zurückziehen, ohne an Präsenz zu verlieren.
Egal welche Epoche oder Stilrichtung, ob Bach, Beethoven oder Bitsch, ob Sonate oder neue Musik: Tine Thing Helseth hat sich alle Kompositionen mit einem innigen Zugang zu eigen gemacht. Sie bewegte sich überall sicher und überzeugend.
Dabei bestach nicht nur die technische Virtuosität, wie sie zum Beispiel im „Solus“ für Trompete von Stanley Friedman gefordert war. Es zeigte sich vielmehr ein tiefes Verstehen der Musik. Und dieses, ihr Verständnis, übergab die Luitpoldpreisträgerin von 2007 dem dankbaren Publikum als Geschenk.
Mit Vestard Shimkus am Flügel bildete die Trompeterin ein organisches Duo. Er hörte sehr gut auf seine Partnerin, legte ihr den passenden Klangteppich, nutzte aber auch die ihm überlassenen Räume intensiv aus.
Sein musikalisches Temperament könnte man mit „Sturm und Drang“ bezeichnen. Er spielte lebhaft, mit Nachdruck und sehr dynamisch. Doch entlockte er dem Flügel auch leise Töne, wo dies gefordert war, und verstand, sich im Zusammenspiel nicht in den Vordergrund zu drängen.
Der 24-jährige Lette hat sich offenbar eingehende Gedanken zur Literatur gemacht. Bei Ludwig van Beethovens Klaviersonate C-Dur bot er seine ganz eigene, erfrischende Interpretation. Im Adagio setzte Shimkus beispielsweise einzelne Phrasen durch Pausen voneinander ab, stellte musikalische Fragen und gab seine Antwort darauf.
Der letztjährige KlavierOlympiade-Gewinner ist außerdem mit schauspielerischem Talent ausgestattet. Er liebt das, was er tut, er lebt die Musik, und das zeigte er gerne. Sein deutliches Mienenspiel unterstrich das Gespielte quasi als stummer Kommentar.
Dass dieser pantomimische Ausdruck von innen kommt und ehrlich gemeint ist, konnte man als Beobachter spüren. Doch befindet sich der junge Pianist damit auf einem schmalen Grat zur Show. Und man wünscht ihm, dass er nicht auf solcherlei Abwege gerät.
Nach zwei Stunden eines wunderbaren Konzertes verlangte das begeisterte Publikum nach Zugaben. Zum Weinen schön funkelte der Edelstein nochmals in einem Stück des Argentiniers Astor Piazzolla auf. Und schließlich kam der Landsmann von Tine Thing Helseth, Edvard Grieg, zu Ehren.
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