publiziert: 10.07.2009 19:02 Uhr
aktualisiert: 10.07.2009 19:15 Uhr
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Über drei Stunden mit viel Leben auf der Bühne

KlangWerkstatt III lebt von den jungen Akteuren

Am Ende bereitete das Zuhören richtig Freude: Antonin Dvoraks Klavierquintett op. 81 rundete in seiner beherzten Melodik die KlangWerkstatt III des Kissinger Sommers zum schönen Konzertabend ab. Grandios anzuhören war es, wie leidenschaftlich sich die fünf blutjungen Spitzenmusiker um ihre erste Geigerin Lisa Batiashvili der Dvorak'schen Tonsprache annahmen, ja hingaben, wie brillant sie die Folklore-Elemente zelebrierten, wie lebendig sie den vitalen Rhythmus präsentierten.

Schade war nur, dass die Zuhörerreihen im Rossini-Saal des Regentenbaus schon arg gelichtet waren, als der inspirierende Dvorak-Vortrag begann und das verbliebene Publikum zu Beifallsstürmen hinriss. Zuvor nämlich hatte das Programm Werke beinhaltet, über deren Wert man sich streiten konnte. Sergej Prokofieffs g-moll-Quintett op. 39 etwa ist eher ein Fall für Liebhaber und Joseph Haydns Klaviertrio Hob. XV:9 nicht die spannendste Schöpfung des Burgenländers. Über drei Stunden Auftrittszeit inklusive zweier Pausen erforderten insofern nicht nur Sitzfleisch, sondern auch Zuhör- und Konzentrations-Bereitschaft – und auch wenn die Länge und Vielfalt dem Wesen einer KlangWerkstatt dienten, wäre weniger vielleicht mehr gewesen.

Ähnlich müssen es sogar die jeweils nicht beteiligten Bühnenakteure empfunden haben: Sie quatschten in ihrem Nebenräumlein zwischendurch so munter und störend daher, dass sich Intendantin Kari Kahl-Wolfsjäger mittendrin vom Sitz erhob und ihre Sprösslinge zur Ruhe gemahnte.

Trotzdem war es gut, dass es die zehn sich abwechselnden jungen Damen und Herren mitsamt ihrer Frische und Courage gab, denn gerade die schwächeren Momente der Kompositionen lebten vor allem von der Darstellungskraft der Beteiligten. Lisa Batiashvili hielt sich dabei als eigentliche Chefin des Abends auf ihrer exakt 300 Jahre alten Stradivari auffällig zurück: Die Georgerin herzte ein paarmal ihren Oboisten Francois Leleux, vermied aber jede große Pose. Leleux dagegen mimte in heiterer Manier den Chef, spielte indes immer eine Nuance lauter als die Kollegenschaft und zeigte sein Talent im Duo mit dem ebenfalls französischen Klarinettisten Romain Guyot. Der Ukrainer Valerij Sokolov behandelte seine Violine erstaunlich abgeklärt, am Flügel war der lockere Russe Igor Levit ein Genuss – derweil sich seine Münchener Kollegin Anna Buchberger, bei 19 Lebensjahren verzeihlich, zwar um eine interessante, freilich kunstvoll angestrengte Ausdrucksform bemühte.

Heute treten Lisa Batiashvili und ihre Freunde in fast unveränderter Besetzung zur KlangWerkstatt IV um 11 Uhr im Kloster Maria Bildhausen an, zu einem Programm von Bach, Mozart und Schostakowitsch bei nur einer Pause. Man wäre geneigt, nochmal hinzugehen.

Von Jürgen Höpfl
    
    

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