publiziert: 04.02.2010 18:22 Uhr
aktualisiert: 04.02.2010 18:23 Uhr
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Um sein Dreirad wurde Karlheinz Winkelmann von vielen beneidet

Der Konditormeister und Gastwirt berichtete im Erzählcafé aus seinem Leben und der Geschichte des Familienbetriebs
  • Plauderte aus seinem Leben: der langjährige Café-Betreiber und Hotelier Karlheinz Winkelmann.
    Foto: Arnold nöth
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(arno) Den Winkelmanns Karlheinz kennt in Mürscht eigentlich jeder, er ist eine Institution. Er plaudert gerne mit Leuten und lässt sich auf jeden Diskurs ein. Doch wer von den wieder recht zahlreichen Besuchern im Erzähl-Cafe erwartet hatte, er könne vom Karlheinz einen ausführlichen Lebenslauf erfahren, sah sich etwas enttäuscht. Die Menge der aufmerksam an seinen Lippen hängenden Zuhörer irritierte ihn sichtlich. Der sonst nicht auf den Mund gefallene Konditormeister und Gastwirt im Ruhestand wirkte ziemlich aufgeregt.

Entstanden ist die Winkelmannschen Bäckerei und Weinstube aus einem Mehlhandel. Im Jahre 1898 hatte sein Großvater das Geschäft aufgebaut. Er war aus der Pfalz nach Münnerstadt gekommen war. Damals befand sich das Geschäft noch in der Veit-Stoß-Straße, dort wo heute die Filiale der Volks- und Raiffeisenbank steht. Winkelmann erinnerte sich, dass unter seinem Vater, der schon eine Konditorei und Weinstube betrieb, noch gärender Wein per Bahn in Fässern nach Münnerstadt angeliefert und im eigenen Weinkeller ausgebaut wurde. Das waren naturtrübe Weine, wie sie damals die einheimischen Stammgäste noch mochten. Später aber fanden sie bei auswärtigen Gästen keinen Gefallen mehr. In dieses Geschäft wurde Karlheinz 1935 in einer Sturzgeburt hineingeboren, an einem 12. und nicht an dem von der Großmutter als schrecklichen Unglückstag befürchteten 13. des Monats.

Weiter erinnert sich Winkelmann an die Einquartierung eines Soldaten im Hause. Er kümmerte sich rührend um den oft sich selbst überlassenen Dreijährigen. „War damals in Geschäftshäusern nicht anders möglich.“ Der Soldat nahm Winkelmann sogar mit in den Wald auf den Schindberg, zu Übungen seiner Einheit. Der Knirps fungierte für die Soldaten als Maskottchen und wurde von allen umhegt. Jahrzehnte später gab es ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Soldaten aus Hamburg, der seiner Familie Münnerstadt und sein Quartier zeigte und nicht glauben wollte, dass sich Karlheinz noch an ihn erinnern konnte.

Ausführlich erzählte Winkelmann auch von seiner glücklichen Zeit in der Pfadfinderschaft St. Georg, wo er als einer der Führer Zeltlager organisierte, die verrückte und abenteuerliche Erlebnisse mit sich brachten. Weiter erzählte er davon, wie er als junger Bursche die unsachlichen Erläuterungen der Kunstwerke in der Stadtpfarrkirche durch eine damals sehr bekannte Persönlichkeit als Schwachsinn und Mist abtat – und danach der Besuchergruppe selbst eine ordentliche Führung bot.

Nur kurz ging er auf den Umzug der Konditorei und Weinstube in das Gasthaus „Zum Bären“ am Marktplatz im Jahre 1979 ein. Mit dabei hatte er auch eine alte Fotografie, die ihn als Kind auf einem kleinen Dreirad zeigte. „Eines der ersten in Mürscht, damals was ganz besonderes, um das mich viele beneideten“. Mit der obligatorischen Erzähl-Café-Tasse mit süßem Inhalt bedankte sich Organisator Klaus Dieter Guhling beim Winkelmanns Karlheinz für den Einblick in sein Leben. Am 3. März ist Eduard Lintner der letzte Erzähl-Café-Plauderer dieser Saison.

    
    

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