publiziert: 01.02.2012 18:13 Uhr
aktualisiert: 01.02.2012 18:17 Uhr
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Umwelt schonen im Luftkurort

Im Stadtrat wurden Möglichkeiten vorgestellt, wie energieschonender geheizt werden kann
  • Die Luft im Luftkurort: Über energieschonende und umweltverträgliche Wärmeerzeugung ließ sich der Bad Brückenauer Stadtrat aufklären.
    Foto: Jan Woitas/dpa–
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Steigende Gas- und Ölpreise, größeres Umweltbewusstsein – Energie sparen, beziehungsweise nachwachsende Rohstoffe nutzen, ist angesagt. Doch die Stadt hat nicht nur deshalb vom Ingenieurbüro Helfrich aus Bad Kissingen einen Energienutzungsplan erstellen lassen. Drohen bei schlechter Luft doch 2015 Schwierigkeiten für den Titel Luftkurort (wir berichteten). Nun sollen die Hausbesitzer unter anderem effizientere Technik einbauen. Die Main-Post vergleicht Möglichkeiten.

• Solar und Fotovoltaik: Die Umwandlung von Sonnenenergie in nutzbare Wärme und Strom ist auf Dächern möglich. Wegen der Tal- und Schattenlage Bad Brückenaus wären die Erträge eher gering. Die Investitionen betragen bei einem Quadratmeter Solarthermie 500 Euro – ohne Anlagentechnik. Fotovoltaikanlagen kosten pro Quadratmeter 250 Euro. Die Einspeisevergütung ins allgemeine Stromnetz liegt derzeit bei 24,43 Cent pro Kilowattstunde (Cent/kWh), die für selbst genutzten Strom bei 14,23 Cent/kWh.

• Wasserkraft: Auf diese Art Strom fürs allgemeine Netz oder sich selbst zu produzieren, wäre machbar. Mögliche Standorte: Dornenmühle, Siebener Mühle und – bedingt – der Gasthof zur Mühle. Am Haus Waldenfels arbeitet eine Wasserkraftanlage. Sie produziert im Jahr 250 000 kWh. Das entspricht einem Prozent des Stromverbrauchs der gesamten Stadt.

• Windkraft: Noch ist im Biosphärenreservat Rhön das Aufstellen großer Windräder verboten. Allerdings wären Kleinanlagen bis zehn Meter Nabenhöhe erlaubt. Die Vergütung in den ersten fünf Jahren: 8,93 Cent/kWh, danach 4,87 Cent/kWh. Die Investitionen für die Errichtung liegen bei 5000 Euro ohne Anlagentechnik. Allerdings machen Windräder nur auf Anhöhen Sinn.

• Geothermie: Das Wasserschutzgebiet für die Heilquellen schneidet Bad Brückenau westlich und südwestlich der Kernstadt. Abseits davon wären Erdsondenbohrungen möglich. Wilfried Helfrich vom gleichnamigen Ingenieurbüro empfiehlt sie nicht, weil mehrere wassertragende Schichten durchstoßen und verunreinigt würden. Das Risiko könne nicht einmal ein geologisches Gutachten zu 100 Prozent ausschließen. Alternativen wären Erdwärmekollektoren und -körbe, die nur bis ein Meter in die Tiefe gehen. Kosten für Erdwärmekollektoren: 50 bis 60 Euro pro Quadratmeter.

• Biomasseheizwerk: Kleine Anlagen können komplett mit Biomasse Ein- und Mehrfamilienhaus beheizen. Als Großanlage mit dem Gemisch 90 Prozent Biomasse und zehn Prozent Öl oder Gas wärmen sie Schulen oder Nah- und Fernwärmenetz. In Bad Brückenau bereits realisiert: das Schul- und Sportzentrum und die Heizzentrale im Staatsbad. Mögliche Projekte: die Heizzentrale der Sinnflut und ein neuer Pelletkessel im Einfamilienhaus. Wirtschaftlich sinnvoll nur dann, wenn der Austausch eh ansteht.

• Biogasanlage: Sie kann Nahwärmenetze versorgen oder Strom produzieren. Biogas entsteht durch Vergärung von Gülle, tierischen und pflanzlichen Reststoffen. Wilfried Helfrich sah einen möglichen Standort am Buchrasen. Wobei die Investitionen im siebenstelligen Bereich liegen würden und es in der Region viele Milchbauern gibt, die Flächen brauchen.

• BHKW-Kleinanlage: Der ideale Tipp für private Hausbesitzer zur Wärmeversorgung und Stromerzeugung. „So eine Anlage könnte über ein gut ausgebautes Gasnetz in der Stadt in jedem Haus betrieben werden“, so Helfrich. Noch besser: Die Stadtwerke hätten elektronisch Zugriff, um die Zuführung des Stroms ins Netz steuern zu können.

• Fazit: Natürlich sind alle diese Anlagen kein Allheilmittel. Auch, weil sich die Kosten – wenn überhaupt – oft erst nach Jahren durch Einsparungen rechnen. Der steigende Energiepreis macht sie aber zunehmend attraktiv. Die Stadt braucht aber kurzfristige Erfolge bei der Luftqualität, die mit Solar und Windenergie nicht zu schaffen sind.

Am besten eignen sich wohl in der Kernstadt BHKW-Kleinanlagen. Sie könnten bald Holz- und Ölöfen ersetzen, zumal 2015 Gesetze kommen, nach denen dort geeignete Filter nötig sind. Was aber noch wichtiger ist, und das betonten Helfrich und Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks: „Wir sind darauf angewiesen, dass der Bürger über geändertes Heizverhalten mitmacht.

Von unserem Redaktionsmitglied Steffen Standke
    
    

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