publiziert: 15.06.2011 16:23 Uhr
aktualisiert: 15.06.2011 16:34 Uhr
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Verausgabt bis zur Barfüßigkeit

Oberstufe brachte wieder Theaterstück zur Aufführung: tolle Leistungen, schwieriges Werk
  • Herrscherin und Geknechtete: Ekaterina Syrovatski und Ina Schebler bei der Aufführung von „Die Spielverderber“.
    Foto: Arnold Nöth
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„Wir haben das Stück schneller über die Bühne gebracht, als in allen Proben zuvor. Sind wir so gut, oder haben wir so gekürzt? Es war jedenfalls eine gute Generalprobe“, meinte in seiner verschmitzten Art Ralf Hartmann, verantwortlicher Lehrer, Spielleiter und Akteur in der Rolle als Notar Dr. Leo Arminius, zum Ende der gelungenen Aufführung. Die Bezeichnung Generalprobe verriet, warum sich bei dieser ersten Aufführung der Theaterreihe nur sechzig Besuchern in der Aula des Schönborn-Gymnasiums eingefunden hatten.

„Die Spielverderber“, so der Titel des Stückes, stammt von Michael Ende, einem der bedeutendsten und erfolgreichsten deutschsprachigen Vertreter der Kinder- und Jugendliteratur. Romane wie „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, „Die unendliche Geschichte“ und „Momo“ haben ihn berühmt gemacht. Sein erstes Drama, eben „Die Spielverderber“, entstand 1967.

Kurz zum Stück: Zehn Personen sind zur Testamentseröffnung in ein sonderbares Haus eingeladen, wo sie von einem sonderbaren Butler empfangen werden. Niemand kennt den Erblasser, es ist eine sonderbare Situation. Der Notar verliest den letzten Willen, wovon jeder der Geladenen nur einen Teil erhält. Erst wenn sich alle einig werden, die Teile zusammenzufügen, könnte ein Ganzes daraus werden. Und schon geht's los mit Intrigen, Beeinflussung, Vorteilsuche, Gier, Habsucht, Ratlosigkeit und Machtspielen. Niemand kann das Haus verlassen bevor Einigkeit erreicht ist, die wahren Charaktere der handelnden Personen kommen nach und nach zum Vorschein.

Gut verteilte Rollen

Wie Hartmann betont, haben die Schauspieler und Schüler das Stück selber ausgesucht, die Gestaltung und Dramaturgie entstanden in Teamarbeit. Als da wären: ein tolles Bühnenbild, ansprechende Kulissen, der ins Geschehen einbezogene Zuschauerraum und prima Beleuchtungs- und Beschallungsarbeit, trotz Ersatzleuten an den Schaltpulten. Die Rollen waren gut verteilt und wurden gekonnt von den jungen Laiendarstellern rübergebracht.

Da galt es ja doch die unterschiedlichsten Charaktere zu vertreten: Zum einen war da die Geldadel-Familie Egon S. und Elsbeth Geryon (Rudolf Gehrig, Theresa Büchs) samt der unerbittlich lügenden Tochter Ninive, dargestellt von Marie-Theres Rüttiger, dann gab es den in wirren Sätzen parlierenden Sebastian Nothaft samt dem Knastbruder und Erbscheinfälscher Jakob Nebel (Lukas Günther, Lukas Rumpel) und die berittene Baronin Alexandra von Xanadu mit dem strammen und lautstarken Militaristen Markus Schweler (Lara Schauber, Christian Toma).

Mit von der Partie waren auch die untertänige Paula Olm, die hochnäsige Klara Dunkelstern (Ina Schebler, Catarina Weber) sowie die ruhige, blinde Anna (Ekaterina Syrovatski), die sich zur keifenden und dominierenden Furie entwickelt.

Dreh- und Angelpunkt aber ist der blasse, distinguierte Anton Buldt, seines Zeichens Diener des unbekannten Hausherren, Lakai und weissagendes Medium zugleich. Eine verworrene, verwirrende Erb-Gesellschaft, zwischen der ein Hauen und Stechen beginnt, Mord und Verbrechen inbegriffen. Des Testament-Rätsels Lösung: Schwer zu erfassen und schon gar nicht zu erklären.

Von unserem Mitarbeiter Arnold Nöth
    
    

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