publiziert: 06.07.2008 17:35 Uhr
aktualisiert: 22.07.2008 13:20 Uhr
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Der große Grieche: Violinsoiree mit Leonidas Kavakos

Violinsoiree mit Leonidas Kavakos

(fg) Es ist immer wieder schön, wenn beim Kissinger Sommer der Blick an den Rand Europas führt, zum Beispiel in den Südosten, wo die folkloristische Musik ein besonderes Kraftzentrum besitzt. Am Freitagabend war es im Max-Littmann-Saal wieder einmal soweit. Das Budapest Festivalorchester spielte Bartok, der Grieche Leonidas Kavakos schwelgte in Dvoraks Heimatluft atmenden Kantilenen, dazu gab es einen Brahms mit reichlich Kärntner Kolorit.

Spannende Angelegenheit

Die im Programmheft angepriesene „Zigeunermusik“ war zwar nur eine Randerscheinung des Abends. Aber die Gegenüberstellung von transsilvanischen Weisen (Istvan Kadar, Andras Szabo und Zsolt Fejervari) und ihrer Bearbeitung durch Bela Bartok in den Rumänischen Tänzen war eine spannende, vor allem aber hinreißende Angelegenheit.

Von diesem Bartok hätte man sich mehr gewünscht, zumal die agilen Budapester mit ihrem Dirigenten Ivan Fischer die rechtmäßigen Botschafter dieser Musik sind.

Aber auf dem Programm stand Dvoraks einziges Violinkonzert. Frei-lich, nach wenigen Takten, die Leonidas Kavakos Stradivari im Litt-mann-Saal erklang, war die Sehnsucht nach ein wenig mehr Zigeunertum verflogen.

Folkloristische Anklänge gab es auch bei Dvorak. Was aber wirklich fesselte, war die packende Spielweise Kavakos'. Kantilenen voller Glanz und Beseeltheit, kraftvolle Steigerungsbewegungen im Miteinander des Orchesters: so sollte ausgewogenes Musizieren sein.

Ivan Fischer hielt stets die richtige Balance, Kavakos hatte einen loyalen Partner in den ungarischen Musikern. Er sonnte sich nicht im Glanz seiner Virtuosität, sondern brachte die slavische Musikalität selbst zum Leuchten.

In sich stimmig, voller Vitalität vor allem in den bestens aufgelegten Streichern kam Brahms' 2. Sinfonie zu Gehör, die mit viel Naturidylle und dem einen oder anderen folkloristischen Motiv zu gefallen weiß.

Niemals zerklüftete der Klangkörper in seine einzelnen Gruppen, Ivan Fischer führte die Budapester zu einem geschlossenen Ganzen, mit wunderbar beweglichen Streichern als Herzstück. Folklore und Formwille passen für die Ungarn wie für diese Brahmssinfonie.

Die Zuhörer im vollbesetzten Max-Littmann-Saal dankten es mit vielen und lauten Bravorufen.

    
    

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