aktualisiert: 07.01.2010 18:12 Uhr
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BAD BOCKLET
Von Bratislava ins Biedermeierbad
Ars Antiqua Austria zelebrieren die Musik der Vielvölker-Monarchie
Tags zuvor, beim weltmusikalischen Edel-Klezmer des David Orlowsky Trios, führte ein weiter Sprung im Bad Kissinger Rossini-Saal vom Schtetl hinunter zum Balkan. Zu zeigen, was dazwischen im Karpatenbogen an musikalischen Schätzen liegt, blieb einem eigenen Winterzauber-Konzert vorbehalten.
Rund 750 Kilometer waren die Musiker der Ars Antiqua Austria von Bratislava (Preßburg) an die Saale angereist, um statt im Regentenbau im Kursaal von Bad Bocklet die Bühne zu erklimmen. Der Winterzauber auf Landpartie sozusagen, zu der sich die Kurdirektoren beider Bäder herzlich die Hand schüttelten.
Allein, es blieb am Ende des Abends ein wenig Mitleid mit den weitgereisten Musikanten. Die etwa 60 Zuhörer ließen zu viele Stuhlreihen unbesetzt, zur gleichen Stunde im Rossini-Saal machte sich der Winterzauber selbst unnötige Konkurrenz. Dabei ist das Publikum des Winterzaubers erwiesenermaßen stiloffen, es ist einer Rousseau-Oper gegenüber so aufgeschlossen wie barocken Notationen der Zigeunermusik und Türken-Klänge.
Das Ensemble um den Violinisten Gunar Letzbor findet in den Archiven und Klosterbibliotheken zwischen Wien, Preßburg und Budapest Zeugnisse der Rezeption ungarischer Volksmusik bei den Vor- und Frühklassikern. Der Tonfall zwischen volkstümlicher Ungezwungenheit und Feinsinnigkeit des virtuosen Anspruchs hat dabei etwas sehr Bezwingendes. Die „Alla-turca“-Episoden aus dem Schaffen Haydns oder Johann Josef Fux‘ mit ihren Trommel-Knalleffekten sind aber fast nur heiteres Beiwerk zum wirklichen Schatz dieses Abends.
Der lag im zweiten Programmteil verborgen, bei den slowakischen Volksliedern. Nicht nur, dass man die Koncovka hören konnte, ein kleines Oberton-Pfeifchen, wie es in der Hohen Tatra gespielt wird, oder die Fujara, eine tiefe Flöte der Mittelslovakei. Das slowakische Geschwisterpaar – die Musiker werden im ansonsten hoch informativen Programmheft nicht aufgeführt – musizierte mit einer solchen Liebe zum heimatlichen Idiom, dass einem warm ums Herz wurde. Liebes-Klagen, Klangmalereien der Gebirgslandschaft, sich frech steigernde Tanzstücke aus dem cymbal-seligen Roma-Repertoire: Es war schon sehr, sehr nah an absoluter Authentizität.
Der lang anhaltende, herzliche Applaus bescherte noch drei Zugaben.
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