aktualisiert: 25.07.2012 12:01 Uhr
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ROTHHAUSEN
Von der alten in die neue Zeit
Bei der Wahl ihres Dorfbrunnens hatten sich die Bürger für ein zeitloses Modell eingesetzt
Kürzlich ist die künstlerische Ausarbeitung des Rothhäuser Dorfbrunnens angeliefert und in der Dorfmitte aufgestellt worden. Es handelt sich dabei um ein Werk der Wargolshausener Künstlerin Eva Warmuth.
Ersetzt wurde damit der in die Jahre gekommene Vorgänger, dessen Erscheinungsbild doch sehr an die 1970er Jahre erinnerte und der in seiner Funktion stark eingeschränkt war. Es hatte sich deshalb eine Initiative engagierter Dorfbürger gegründet, die auch das im dreijährigen Turnus stattfindende Dorffest ausrichtet und die Erlöse daraus in das neue Projekt gesteckt hat. Diese Gruppe hatte sich jetzt ein zeitloses Modell gewünscht, in dem der Übergang von der alten in die neue Zeit zum Ausdruck kommt.
Aber auch die Lebendigkeit im Dorf soll dargestellt werden, erklärte die Künstlerin zu ihrer Aufgabenstellung. Das habe sie sehr gefreut, zeuge es doch immer von Selbstbewusstsein, wenn Dorfgemeinschaften ihrer Identität durch Kunstwerke Ausdruck verleihen.
Schon im Jahr 2010 wurde ihr der Auftrag erteilt, doch ein erster Versuch brach auseinander. Da sich das heimische Atelier in einem landwirtschaftlichen Anwesen befindet, werden Kürbiskisten mit einem Gabelstapler rangiert, und dabei kam es zu einem folgenschweren Zusammenstoß.
Dreimal hat sich die Künstlerin in einen Steinbruch nahe Treuchtlingen begeben, um den nun aufgestellten Brunnen als geeigneten Rohling auszusuchen. Den Muschelkalk an zwei Flächen im 90-Grad-Winkel plan zu schneiden, sei eine große Herausforderung gewesen, erklärt die 48-jährige Mutter dreier Kinder weiter. Neben der Steinbildhauerei waren es außerdem die beiden bronzenen Elemente, die dem Brunnen seine Außergewöhnlichkeit verleihen. Die Dorfschellen-Martha war eine tatsächlich existierende Person, die noch bis in die 1970er Jahre mit einer Schelle durchs Dorf lief und die neuesten Gemeindenachrichten verkündete. Als Witwe musste sie Geld hinzuverdienen, was ihr auf diese Art ermöglicht wurde, erzählt Eva Warmuth weiter. Sie symbolisiere die Kraft von Frauen, die allein auf sich gestellt ihren Weg gehen und dennoch in der Dorfgemeinschaft Geborgenheit finden.
Das andere bronzene Element ist ein Mühlrad, wie es viele im Lauertal gab und zum Teil wie es sie auch heute noch gibt. Die Müller waren die Ersten, die auf diese Art schon sehr früh die Industrialisierung einläuteten und zu Wohlstand gekommen sind. Mit diesem Symbol soll das Lauertal als Lebensader für den Ort dargestellt werden.
Damit Wind und Wetter dem Mühlrad nicht so ohne Weiteres Funktionsstörungen zufügen können, hatte Eva Warmuth den fachmännischen Rat von Mitarbeitern der Firmen Vorndran aus Kleinwenkheim und Weigand aus Junkershausen eingeholt. Gegossen wurden die bronzenen Elemente bei 1200 Grad von der Firma Grundhöfer aus Niedernberg bei Aschaffenburg.
Den Wert ihrer Arbeit bezifferte die Künstlerin mit rund 15 000 Euro. Hinzu kommen noch Anschlusskosten an den direkt darunterliegenden Brunnen und die Pflasterarbeiten. Der Dank galt deshalb dem Bauhof der Gemeinde Thundorf, der die Installationsarbeiten übernahm. Das Gesamtprojekt wird rund zur Hälfte vom Amt für ländliche Entwicklung bezuschusst. Hinzu kommen die Erlöse aus den Dorffesten und ein Deckelbeitrag der Gemeinde Thundorf. Nach der Sommerpause soll eine offizielle Einweihung folgen.
Von unserem Mitarbeiter
Daniel Wiener
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