publiziert: 22.12.2009 18:43 Uhr
aktualisiert: 24.03.2010 10:01 Uhr
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Was Michael Arnold und Didi gemeinsam haben

Das Buchangebot rund um Bad Kissingen war schon lange nicht mehr so vielfältig wie 2009
  • Dem Bildhauer Michael Arnold (im Bild seine Germania) setzte Werner Eberth ein Denkmal.
    FOTO Farkas
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(far) In Büchern gemessen war 2009 für Bad Kissingen ein außergewöhnlich gutes Jahr. Es gab ein Kochbuch und ein Mopsbuch, eins über die Rhön, einen historischen Atlas und und und. So zahlreich und vielseitig ist das Angebot an Information und Erbauung rund um Bad Kissingen schon lange nicht mehr ausgefallen.

Kunst und Architektur stehen bei zwei Büchern im Vordergrund, die zu den Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte gehören und in Teilen Kissinger Themen ergründen. Band 22 der Fränkischen Lebensbilder enthält einen Aufsatz von Kreisheimatpfleger Werner Eberth über Michael Arnold (1824 - 1877). Mit dem in Aschaffenburg geborenen, später in Kissingen ansässigen Bildhauer beschäftigt Eberth sich seit langer Zeit. Bereits vor acht Jahren trug er eine Ausstellung mit zum Teil großen Werken Arnolds zusammen. Jetzt hat er dem Künstler textlich noch einmal ein kleines Denkmal gesetzt.

Arnolds Wirken ist in Kissingen noch heute vielfach präsent. Mehrere Gedenksteine rund um den Bruderkrieg von 1866 stammen von ihm. Als seinen größten Auftrag in diesem Zusammenhang würdigt Eberth die trauernde Germania. Dieses Werk habe Arnold „deutschlandweit berühmt gemacht“. Welcher Kissinger Künstler kann das sonst schon von sich behaupten.

Prägend sind darüber hinaus das Denkmal von König Max II. sowie die Figurengruppe der Hygieia. Während Max II. mit dem Spielcasino im Rücken einen unumstrittenen Platz gefunden hat, ist die Hygieia in den Hintergrund gerückt. Ursprünglich im Kurgarten aufgestellt, steht die allegorische Figurengruppe jetzt an der Lindesmühlpromenade.

In jeder Hinsicht ein Schwergewicht ist das fast 800 Seiten starke Werk von Johannes Mack über den Baumeister und Architekten Joseph Greissing (wir berichteten). Die Schwerpunkte von Greissings (1664-1721) Wirken liegen in Würzburg. Dennoch hat der bedeutende Baumeister des mainfränkischen Barock vor Balthasar Neumann, wie das Buch Greissing im Untertitel einordnet, auch im heutigen Landkreis Bad Kissingen sichtbare Spuren hinterlassen. Das Amtsschloss in Ebenhausen, die Talkirche in Münnerstadt sowie die Pfarrkirche Hl. Kreuz in Hausen sind herausragende Zeugnisse seines Wirkens in der Region.

Im großen Angebot an Kissingen-Büchern fast untergegangen wäre ein Bändchen, das eigentlich bereits im Frühjahr im Nürnberger Spätlese Verlag erschienen ist. Inge Obermayer, Trägerin des Erlanger Kulturpreises 2008 beschreibt in „Frau Kohn und Papa Leimann“ eine Kindheit in der Zeit des Nationalsozialismus. Die unprätentiös-sachlichen Erinnerungen der inzwischen 81-Jährigen verleihen einem massenhaft erlittenen Schicksal individuellen Ausdruck.

Das Büchlein schildert stets glaubwürdig, wie die Schrecken des Krieges und die Grausamkeit des Rassismus' auch die Erlebniswelt von Kindern bedrückten. Es nimmt Notiz, vermeidet große Gesten.

Kissinger können Obermayers Erinnerungen sogar als Geschichtsbuch lesen. Daheim in Berlin ausgebombt, kam Didi, wie Obermayer ihr Alter Ego nennt, mit der Mutter nach Kissingen, weil es da Tante Traudi gab und ihre Villa Gertrudis. Wie Didi Kissingen sah, liest sich mal harmlos aufschlussreich: „Das ist ein Nest mit einem Kurpark und Kurhäusern. Die Großen sind alle Lazarette mit roten Kreuzen auf den Dächern.“ Manchmal aber liest es sich auch erschreckend: „Eine Handbreit über dem Boden baumeln sie. Hintereinander. Die Köpfe seitwärts abgeknickt. Speichel auf den Uniformen. Junge Männer, nicht viel älter als Didi. Im Namen des Führers lautlos aufgeknüpft. Mit einem Pappschild auf der Brust. Deserteur.“ Der Wahnsinn der deutschen Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, er fand auch im Kleinen statt.

Werner Eberth: Michael Arnold, in: Fränkische Lebensbilder, Band 22, Gesellschaft für Fränkische Geschichte, Würzburg; Johannes Mack: Der Baumeister und Architekt Joseph Greissing, Gesellschaft für Fränkische Geschichte, Würzburg;

Christine Ostermayer: Frau Kohn und Papa Leimann, Spätlese Verlag, Nürnberg.

    
    

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