publiziert: 25.11.2010 17:21 Uhr
aktualisiert: 25.11.2010 17:23 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text SCHWEINFURT
Wenn Vater die Mutter schlägt

Berichte von Frauenhaus und Anlaufstelle sexuelle Gewalt – Immer weniger Spenden
  • Traumatisch: Gewalt gegen Mütter, wie hier auf diesem gestellten Bild symbolisiert, belastet auch die Kinder. Auch ein Aspekt, mit dem sich das Frauenhaus beschäftigt.
    Foto: Pixland
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Es geht zwar um eine vergleichsweise kleine Summe, um 3760 Euro. Aber sie hätte dem Verein „Frauen helfen Frauen“ gut getan, sagt die Leiterin des Frauenhauses Gertrud Schätzlein, „und dafür war sie auch gedacht“. Ab 2008 hatte der Bayerische Staat seinen Personalkostenzuschuss um 13 Prozent erhöht. Ab 2011 rechnen drei Landkreise der Region Main-Rhön (Schweinfurt, Bad Kissingen und Haßberge) dem Verein diesen Zuschuss als Einnahmen an, was bedeutet, dass sich ihr eigener Zuschuss an den Verein reduziert.

Geld als leidiges Thema

Auch wenn nicht mehr so erbittert gekämpft werden muss wie vor Jahren um die finanzielle Vereinbarung, das leidige Thema Geld spielt jedes Jahr eine Rolle bei den Sachberichten von Frauenhaus und Anlaufstelle sexuelle Gewalt, die vom Verein „Frauen helfen Frauen“ unterhalten werden.

2008 beispielsweise musste der Verein rund 30 000 Euro Eigenanteil fürs Frauenhaus aufbringen. „Die Spenden und Einnahmen durch Bußgelder werden immer weniger“, sagt Gertrud Schätzlein.

Die beiden Berichte 2009 erlauben einen umfassenden Blick auf die Arbeit von Frauenhaus und Anlaufstelle und auf sich verändernde gesellschaftliche Entwicklungen. So weiß man zwar inzwischen aufgrund von Untersuchungen, dass häusliche Gewalt nicht auf soziale Randgruppen beschränkt ist, dass auch Frauen mit hohem Schulabschluss und qualifiziertem Beruf misshandelt werden. Ins Frauenhaus kommen aber eher die anderen: 61 Prozent hatten 2009 einen Migrationshintergrund, 16 Prozent keinen Schulabschluss, fast drei Viertel bezogen Hartz IV.

90 Prozent der Frauen, die zum Beratungsgespräch kamen und 86 Prozent der Frauenhausbewohnerinnen suchten Schutz vor der Gewalt ihres Partners. Alle Kinder hatten Gewalt gegen ihre Mutter miterlebt, 16 Kinder waren selbst betroffen. Über die Hälfte der Frauen flüchtete erst nach mehr als fünf Jahren des Leidens.

Das Frauenhaus war sehr gut ausgelastet, insgesamt 49 Frauen lebten mit 42 Kindern zwischen wenigen Tagen und mehreren Monaten in der Obhut des Vereins. 36 Frauen mussten abgewiesen werden, weil kein Platz frei war und kamen teilweise in anderen Häusern in Franken unter.

Nach wie vor ist das Schweinfurter Haus auf dem Land, vor allem in den Landkreisen Haßberge, Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen weniger bekannt als in Stadt und Landkreis Schweinfurt oder in Bad Kissingen selbst. 13 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen machen es möglich, dass das Frauenhaus auch 2009 fast durchgehend erreichbar war. Sie leisteten 5712 Stunden Rufbereitschaft zusätzlich zu den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen.

In neuen Räumen

Im vergangenen Jahr ist die Anlaufstelle sexuelle Gewalt in neue Räume in der Cramerstraße 19 gezogen. Das Angebot umfasst für betroffene Frauen und Mädchen Krisenhilfe, Unterstützung bei Gerichtsverfahren, Begleitung zu Polizei und Anwälten und Beratung nach telefonischer Vereinbarung. Jungen und Männer werden an Beratungsstellen oder Therapeuten weitervermittelt. Auch Eltern, Vertrauenspersonen und Fachkräfte holen sich hier Unterstützung.

616 Beratungsgespräche fanden statt. Insgesamt 99 Frauen und Mädchen, die sexuelle Gewalt erfahren hatten, wurden betreut. Bei 90 Prozent war der Täter bekannt: ein Bekannter, Verwandter, Vater oder Stiefvater oder Lebensgefährte. Bei 4,4 Prozent war der Täter ein Fremder. Bei Missbrauch in der Familie schrecken Mädchen häufig davor zurück, sich an Jugendamt oder Polizei zu wenden, schreibt Monika Römer, Leiterin der Anlaufstelle. Um einen wirksamen Schutz zu organisieren, sei die Zusammenarbeit aber in der regel sinnvoll. Erschwerend komme hinzu, dass die knapper werdenden finanziellen Mittel dazu führen, dass Jugendhilfemaßnahmen immer schwieriger und für junge erwachsene Frauen beinahe unmöglich zu organisieren sind.

Der Blick in den Bericht macht deutlich, dass Sozialarbeiter, Lehrer und Erzieher inzwischen sensibilisiert sind für das Thema, dass der Verdacht auf einen sexuellen Missbrauch oder eine Vergewaltigung immer noch Verunsicherung hervorruft und sie deswegen Beratung brauchen.

Die Anlaufstelle sexuelle Gewalt ist montags von 10 bis 12 Uhr, mittwochs von 17 bis 19 Uhr telefonisch erreichbar, Tel. (0 97 21) 18 52 33. Spendenkonto 44370, Sparkasse Schweinfurt.

Das Frauenhaus ist rund um die Uhr erreichbar, Tel. (0 97 21) 78 60 30. Spendenkonto 32318, Sparkasse Schweinfurt

Von unserem Redaktionsmitglied

Katharina Winterhalter

    
    

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