publiziert: 02.08.2010 13:03 Uhr
aktualisiert: 02.08.2010 18:32 Uhr
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Werner Eberth: Ein Plädoyer für freie Sicht auf die Stadt

Zum Artikel „Protest gegen Kahlschlag in der Au“ vom 28. Juli:

Wie nicht anderes zu erwarten, hat die geplante Maßnahme eine grüne Protestlawine losgetreten. Wir haben 27 Jahre in Hausen gegenüber dem Osthang zur Saale gewohnt. Meines Wissens ist dieser so genannte Bannwald, das heißt: Der Wald muss dort aus übergeordneten Gründen bestehen bleiben. Ob in der jetzigen Form, ist eine andere Frage. Jedenfalls wurden wir wenigstens jedes dritte Jahr nachts von umstürzenden Bäumen geweckt, ohne dass Sturm war.

Jetzt ist ein solcher unerklärlicher Vorfall bei den Parkplätzen in der Au passiert. Es besteht Veranlassung, ohne ideologische Scheuklappe durch Fachleute untersuchen zu lassen, warum an diesem Hang zur Saale in den Gemarkungen Bad Kissingen und Hausen spontan auch gesunde Bäume umkippen, ohne dass ein Unwetter tobt. Dabei ist auch eine geologische Untersuchung nötig, vielleicht wandert der Hang.

Im Übrigen besteht keine Erdrutschgefahr, wenn man Bäume nur auf Stock setzt: Dann schlagen die Strünke wieder aus. Außerdem ist der Samenflug beachtlich. Der Hang bleibt auch nach Fällen von Bäumen grün, der entstehende Niederwald hält den Hang vielleicht besser zusammen als Großbäume. Es besteht ja keine Lawinengefahr.

Nur Bäume sind jedoch keine Kulturlandschaft, sonst müsste man auch den Rosengarten und den Luitpoldpark zuwuchern lassen. Es ist ein grüner Aberglaube, dass die Gäste eines Bades den Badeort suchen, wo die meisten Bäume pro Hektar stehen.

Der Kurort Kissingen war im 19. Jahrhundert von unbewaldeten Bergen umgeben, mit markanten Aussichtspunkten gekrönt wie Burg Botenlauben und einem Tempelchen auf dem Altenberg, wie die zeitgenössischen Stiche und Fotos zeigen. Als prominenter Kurgast hat König Maximilian II. auf dem Staffelsberg einen Aussichtspunkt entdeckt, auf dem man später die Maxruhe errichtet hat. Später kamen der Ludwigsturm und Sisi-Tempelchen dazu. Erster ist heute Antennenträger und von Wald zugewuchert, dem Sisi-Tempelchen wäre ähnliches passiert, wenn nicht die Staatliche Kurverwaltung rigoros eingegriffen hätte. Gleiches gilt für die Burg Bodenlaube, die bereits in Wald verschwunden war.

Beil und Säge sind bekanntlich die wichtigsten Werkzeuge eines Landschaftsgärtners. Im übrigen ist die Waldlandschaft nicht rückläufig, überall wächst der Anteil an Wald, oft zum Schaden der Kulturlandschaft. Das Land der freien Ferne in der Rhön ist nur durch Rodung entstanden und kann nur dadurch in diesem Zustand gehalten werden.

Die Maxruhe ist zum Wetterschutzhütte abgestuft. Noch vor dem Krieg hatte man nach Aussagen von Einheimischen von dort einen Rundblick von Garitz bis Großenbach. Wenn nicht ein Orkan eingegriffen hätte, wäre der Zustand heute noch so.

Jetzt hat man wieder einen Teilblick auf die Stadt. Der ehemalige Oberbürgermeister Karl Heinz Laudenbach hat mir auf entsprechenden Vorschlag ehrlich geantwortet, er brauche für die Baumfällaktion am Berliner Platz gewissermaßen Pluspunkte gegen die Grünfront durch Nichtfällen von Wald am Staffelsberg. Auch Oberbürgermeister Kay Blankenburg hat für meinen Vorschlag nicht einmal eine Ortseinsicht mit dem zuständigen Ausschuss für nötig gehalten.

Vielleicht hilft der nächste Orkan dem Kurort Bad Kissingen wieder zur freien Sicht auf die Stadt?

Werner Eberth
97688 Bad Kissingen

    
    

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