publiziert: 17.12.2009 19:38 Uhr
aktualisiert: 17.12.2009 20:16 Uhr
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Wunderbass beim Winterzauber

Renaud Garcia-Fons und Jean-Louis Matinier

„It's too hot“, war der Satz, der gleich zu Beginn das Eis zum Schmelzen brachte. Man erwartet solche Aussagen nicht automatisch im winterlichen Bad Kissingen, zumal von einem Südeuropäer.

Die eigentliche Frage aber war, ob in der kurzen Klage des Jazz-Bassisten Renaud Garcia-Fons eine Schuldzuweisung steckt. Als Zuhörer hätte man den Zeigefinger ohne zu zögern auf den Star des Abends selbst gerichtet: An der Hitze und Fiebrigkeit, an manch schwülem Geflirre im Weißen Saal hatten niemand anderes als der Musiker und sein Kompagnon Jean-Louis Matinier am Akkordeon die Schuld.

Renaud Garcia-Fons eilt ein legendärer Ruf voraus als Überwinder stilistischer, ethnischer und vor allem technischer Grenzen im Kontrabass-Spiel. Noch keiner vor ihm hat den raumgreifenden Korpus des Basses so erfolgreich in den Bühnenmittelpunkt gerückt.

Für Bad Kissinger Ohren war der Abend im Weißen Saal deshalb eine Lehrstunde, auch wenn man im ersten Teil des Konzerts ganz ohne Kommentare zu den Stücken etwas allein gelassen wurde. Der erste Teil verschaffte lehrbuchartig einen Überblick über den Fundus, dessen sich Garcia-Fonds' Musik bedient: Elemente mediterraner Musik, ein wenig Flamenco und immer wieder Echos orientalischer Musik, die in klassische Jazz-Läufe hinübergleiten. Der virtuose Jean-Louis Matinier am Akkordeon hat Raum und Zeit, seine melancholischen Etüden der Einsamkeit zu gestalten oder als hintergründiger, ebenbürtiger Begleiter rhythmische Tupfer auf die musikalische Bildfläche zu malen.

Grandios

Grandios der zweite Teil. Das wunderschöne „Sanlucar“, das die beiden Franzosen vor zehn Jahren schon auf CD eingespielt haben, hat den simplen Glanz einer folkloristischen Melodie, die sich in einem Wechselspiel der Musiker zu einer andalusischen Ode steigert.

Wie frappant Garcia-Fons seinen fünfsaitigen Bass spielt und ihn wechselweise in die Nähe orientalischer Instrumente bringt oder ihm die Leichtigkeit einer Gitarre verleiht, hat ihm nicht umsonst zu Weltruhm verholfen.

So wird dieser hinreißende Abend zu einer Feier der musikalischen Vielfalt, zu der ein wild-komischer Rodeo-Ritt als Zugabe ebenso gehört wie eine bittersüße Chopin-Adaption.

Von Gerhard Fischer
    
    

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