BraveheartBattle 2013

9. März in Münnerstadt
Braveheart Battle 2013
    
publiziert: 04.02.2013 17:58 Uhr
aktualisiert: 25.02.2013 15:02 Uhr
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Kunststadt statt Schlammhölle

Der evangelische Pfarrer Joachim Pennig distanziert sich vom Braveheart-Battle-Lauf
  • Teuflisch: Ohne kirchlichen Segen müssen die Starter beim Braveheart-Battle-Lauf heuer auskommen.
    Foto: Susanne Wahler-Göbel
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„Warum muss man in Münnerstadt durch die Hölle gehen?“ Der evangelische Pfarrer Joachim Pennig stellt diese Frage bewusst provozierend. Anlass ist die vierte Auflage des Braveheart-Battle-Laufs im März, für den der Veranstalter PAS-Team auch dieses Mal mit martialischem Vokabular wirbt. „Wir halten diese Art von Veranstaltung für keine gute Werbung für unsere wunderschöne Stadt. Als evangelische Kirche in Münnerstadt distanzieren wir uns deshalb davon.“

Pennig weiß in seinem Standpunkt den gesamten Kirchenvorstand, ein Gremium aus neun Männern und Frauen, hinter sich. „Wir haben im Januar intensiv diskutiert und sind übereinstimmend zu der Meinung gekommen, dass wir mit Killing Hills, Death Valleys, Battles und dergleichen nichts zu tun haben wollen.“

Im vergangenen Jahr hat Pennig die Anfrage des Veranstalters Joachim von Hippel abgelehnt, am Start des Extrem-Hindernislaufes einen Segen zu sprechen. „Eine Zwangssegnung für alle Läufer, ob diese das wollen oder nicht, kommt für mich nicht in Frage, das widerspricht meinem Verständnis von religiöser Freiheit und Toleranz.“ Ein geistlich-meditatives Angebot Pennigs in der evangelischen Kirche am Vorabend des Battle-Laufs wiederum stieß auf keine Resonanz. Ob dies an unzureichender Werbung lag oder am Desinteresse der Läufer, oder daran, dass das Angebot außerhalb des Battle-Camps, also zu weit entfernt war, ist Spekulation.

Pennig stört sich vor allem an Ausdrücken wie verdammt oder höllisch. Als Seelsorger habe er schon viele Einblicke bekommen etwa in die Welt von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Auch hier seien Worte wie „durch die Hölle gehen“ gefallen. „Ich tue mich deshalb schwer, solches Vokabular mit Spaß und Gaudi in Verbindung zu bringen.“ Der 61-Jährige räumt ein: „Das mag so wirken, als ob Kirche hier nicht bei den Menschen wäre. Aus unserer Sicht sind wir jedoch viel mehr bei den Menschen, wenn wir sie kritisch begleiten, gerade in Kenntnis vieler subtiler Hintergründe.“

Theatralische Pose

2010 und 2011 hatten Patres der Münnerstädter Augustiner-Gemeinschaft nach Anfrage des Veranstalters am Battle-Start ein Segensgebet gesprochen. „Zuletzt allerdings mit einer von uns nicht geplanten und erwarteten theatralischen Pose, bei der sich alle Läufer auf Befehl des Veranstalters hinknien mussten“, so der katholische Pfarrer der Stadt, Augustinerpater Markus Reis.

Auch Pater Markus befremdet die Vermarktung des Laufes in Form eines Höllenszenarios. „Solche Titel halte ich für überzogen. Ich kann aber durchaus den Spaß und den Ehrgeiz sehen, den die Teilnehmer des Laufes haben“, stellt der Augustiner klar. Für ihn persönlich aber haben Veranstaltungen wie das Heimatspiel oder Angebote des Jugendhauses letztlich größere Priorität und Anziehungskraft für Münnerstadt als der Braveheart-Battle-Lauf, „für den wir uns als katholische Gemeinde nicht aufdrängen“.

Der evangelische Pfarrer Pennig konkretisiert noch und kritisiert dabei auch die Verantwortlichen im Rathaus: „Ich kann die Strategie der Vermarktung des Braveheart Battle, wie sie auch die Stadt betreibt, nicht nachvollziehen. Münnerstadt ist keine Schlammhölle, sondern eine Kunststadt mit so wunderbaren Schätzen wie dem Riemenschneideraltar. Aber heutzutage dürfen Werbestrategen entscheiden, womit man Menschen am besten lockt.“ Eine Form, sich als Kirche vor Ort in den Extremlauf einzubringen, „mit der es für uns ehrlich und nachvollziehbar bleibt, haben wir nicht gefunden“, sagt Pennig.

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Wahler-Göbel
    
    

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Die neuesten Kommentare

Schemmi (2 Kommentare) am 06.02.2013 19:14

Komischer Vergleich

"Für ihn persönlich aber haben Veranstaltungen wie das Heimatspiel oder Angebote des Jugendhauses letztlich größere Priorität und Anziehungskraft für Münnerstadt..." Komischer Vergleich. Wie viele Touristen ziehen diese Veranstaltungen denn an, die auch Geld in die Stadt bringen? Der BraveheartBattle 2012 hat 2.500 Läufer und rund 15.000 Zuschauer angelockt, heuer sind es 3.000 Läufer und mindestens wieder so viele Schaulustige wie letztes Jahr, die in Münnerstadt essen, trinken, zum Teil übernachten, tanken, einkaufen - und die Stadt vielleicht auch so schön finden, dass sie zu einem anderen Anlass gerne wiederkommen und die Kunst genießen. Kultur, Sport und Spaß schließen sich doch nicht gegenseitig aus! Und auch Herr Penning hat ja die Anzeihungskraft des BraveheartBattle erkannt und letztes Jahr diese ach so verwerfliche Veranstaltung genutzt, um mit selbstgemalten Flyern für sich zu werben - nicht gerade konsequent, wenn er den Battle eigentlich so ablehnt.
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