publiziert: 29.01.2012 18:57 Uhr
aktualisiert: 29.01.2012 19:04 Uhr
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Amtsdeutsch mal ganz verständlich

Neue Broschüre soll Behinderten helfen

Deutsche Sprache – schwere Sprache: Darunter leiden ganz besonders Menschen mit Behinderung. Nicht selten scheitern sie am Behördendeutsch, wenn sie nur einen Antrag ausfüllen sollen. Als erster der sieben bayerischen Bezirke hat die in München ansässige Bezirksverwaltung von Oberbayern nun eine Broschüre in absolut leicht verständlicher Sprache aufgelegt. Die Sprache im Heft „Mobilitäts-Hilfe: Geld für den Behinderten-Fahr-Dienst“ verstehen künftig alle. Davon jedenfalls sind die Herausgeber überzeugt.

Mit recht einfachen Worten und Sonderschreibweise wird in der Broschüre etwa der Begriff Nettolohn erklärt: „Das ist der Lohn, den man aufs Konto bekommt. Netto-Lohn bedeutet auch: Die Steuern sind schon bezahlt. Der Beitrag für die Kranken-Kasse ist schon bezahlt.“ Auf 26 Seiten wird erklärt, was es mit der Mobilitätshilfe auf sich hat und was zu tun ist, um an das Geld dafür zu kommen. Oft hilft schon, zusammengesetzte Wörter mit einem Bindestrich zu trennen, um den Begriff besser verstehen zu können.

Komprimiertes Behördendeutsch

Für Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU) ist die Broschüre „ein wichtiger Schritt zu mehr Teilhabe von Menschen mit Behinderung“. In der oft komplizierten Amtssprache würden die Erläuterungen zwar nur wenige Seiten füllen, in der leichten Sprache sind dafür 26 Seiten notwendig. „Das zeigt, wie komprimiert das Behördendeutsch ist“, erläutert Mederer. „Besonders für Menschen mit einer Lernbehinderung oder einer geistigen Behinderung ist diese Sprache oft kaum zu verstehen.“ Leichte Sprache baue diese sprachlichen Barrieren ab. „Sie ist ein Beitrag, damit sich die betroffenen Menschen aktiv einmischen können.“

Als Übersetzerin vom Behördendeutsch, auch „Amtssprech“ genannt, in leicht verständliche Sprache verpflichtete der Bezirk Oberbayern Susanne Göbel, Mitglied im „Netzwerk Leichte Sprache“.

Ein prüfender Blick auf die Texte

Mitarbeiter der Organisation „Mensch zuerst – Netzwerk People First Deutschland“ warfen einen prüfenden Blick auf Göbels Sprache. „Ohne diesen Praxistest darf das europäische Logo für leichte Sprache, das auf dem Deckblatt des Heftes zu sehen ist, nicht verwendet werden“, erläutert Constanze Mauermayer, die beim Bezirk für die Broschüre mit einer Auflage von zunächst 1500 Stück die redaktionelle Verantwortung hat. Das Logo gilt als Gütesiegel für in leichte Sprache übersetzte Texte.

Wer nach der Lektüre des mit vielen Zeichnungen in Bilderbuchmanier versehenen Heftes noch immer nicht schlauer ist, für den heißt es am Heftende: „Vielleicht ist das mit dem Geld für Sie wegen Ihrer Behinderung schwer. Vielleicht können Sie mit Geld nicht umgehen. Dann fragen Sie den Bezirk Oberbayern. Und wir können überlegen: Können wir das mit dem Geld nur für Sie anders machen.“

Die Mobilitätshilfe soll Menschen mit Behinderung die Teilhabe am Leben der Gemeinschaft eröffnen. Sie wird nach Angaben des Bezirks ausschließlich für Fahrten in der Freizeit gewährt, um etwa Kultur- oder Sportveranstaltungen zu besuchen.

Von dpa-Korrespondent Paul Winterer
    
    

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Die neuesten Kommentare

muttzier (151 Kommentare) am 30.01.2012 23:23

Verweise

auf folgendes Beamten-Quiz:

http://www.onlinewahn.de/bquiz.php

zwinkern
(1)
muttzier (151 Kommentare) am 30.01.2012 23:16

Beispiele

Umgangsnichtamtsdeutsch: „Ich zeige dir, wie man ein Haus bauen kann.“

Bürokratisch: „Es wird aufgezeigt, in welcher Art und Weise die Errichtung einer Immobilie zur Nutzung als Wohnobjekt möglich ist.“

Umgangsnichtamtsdeutsch: „Was für ein schönes Wetter heute.“

Bürokratisch: „Es ist festzustellen, dass die gegenwärtige Klimaeinflussnahme, die gerade vorliegenden Temperatur- und Niederschlagsbedingungen betreffend, wegen derer eine Positivbeurteilung des aktuellen Zustandes der Zutreffenden entspräche, diesbezüglich eine optimistische Annahme nahelegt.“
grinsen zwinkern
(2)
blaubi (2799 Kommentare) am 30.01.2012 14:23

Übersetzungsprogramm/Wörterbuch

ein deutsch-beamtisches Übersetzungsprogramm wäre absolut unnötig, wenn viele Formulare unkompliziert wären. Nicht nur für Behinderte, Immigranten, sondern auch für den normalen Bürger.
Selbst Beamte blicken da net durch. Aber es tut sich staatlicherseites nichts, dieses zu entwirren, als wenn man dem bürger einen spiegel vorhalten will: "du bist doof"
(2)
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