publiziert: 08.08.2012 19:32 Uhr
aktualisiert: 10.08.2012 12:04 Uhr
» zur Übersicht Bayern
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text MÜNCHEN
Bayern setzt auf Strom aus Biogas

Minister Brunner: Verdreifachung der Kapazität möglich, um Atomlücke zu schließen
  • Biogasanlage in Unterfranken: Ministerpräsident Seehofer will die Technologie in Bayern voran bringen.
Bild von

Bei der Energiewende in Bayern kann die Landwirtschaft einen erheblich größeren Anteil übernehmen als bisher geplant. Davon ist Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) überzeugt: „Gerade in der Biomasse stecken noch erhebliche Potenziale.“

Eine Verdreifachung der heutigen bayerischen Biogas-Stromleistung von knapp 700 Megawatt sei „theoretisch darstellbar“, glaubt Brunner. 2000 Megawatt ist auch die Größenordnung, die Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in seinem „Bayernplan“ vorgegeben hat.

Dafür müssten aber zum einen die derzeit rund 2400 Biogasanlagen in Bayern massiv ausgebaut werden – ein Kabinettsbeschluss vom Mai sieht die Verdoppelung der Leistung bis 2022 vor. Zudem müssten überall im Land neue, kleinere und vernetzte Biogasanlagen entstehen, die den Grundbedarf abdecken können, wenn Wind- und Solaranlagen keinen Strom liefern können.

So soll zumindest ein Teil der Atomstromlücke gedeckt werden, der nach früheren Planungen von neuen Gaskraftwerken geschlossen werden sollte. Denn die sind nicht rentabel, wenn sie nicht im Volllastbetrieb laufen sollen – weshalb sich dafür keine privaten Investoren finden. 40 Prozent des geplanten Gas-Stromanteils ließen sich aus Biomasse ersetzen, hofft Brunner.

Doch auch der Ausbau der Bioenergie stockt: „Wir würden uns deutlich bessere Rahmenbedingungen für Investitionen wünschen“, sagte kürzlich etwa Edmund Langer, Geschäftsführer der staatlichen „Koordinierungsstelle für nachwachsende Rohstoffe“ (Carmen) in Straubing. In diesem Jahr sei sogar mit einem Rückgang der Investitionen zu rechnen, warnt Langer.

Und auch der Widerstand in der Bevölkerung wächst: Ob Bürger und Kommunen einen massiven Ausbau der Biogasanlagen und die „Vermaisung“ der Landschaft durch Monokulturen mittragen werden, stehe noch „zur Diskussion“, warnt der Bayerische Gemeindetag: „Wir haben noch mehr Fragen als Antworten“, sagt Verbandsgeschäftsführer Jürgen Busse.

Minister Brunner will solcher Kritik den Wind aus den Segeln nehmen: Biogasanlagen sollten vor allem mit Gülle, Mist und pflanzlichen Reststoffen betrieben werden, um Konkurrenz zu Nahrungsmitteln zu vermeiden. Und man wolle den Biogas-Ausbau den Menschen auch nicht „überstülpen“ – weshalb sich eine von ihm geleitete Expertenkommission neben technischen und wirtschaftlichen Fragen auch mit der Akzeptanz beschäftigt.

Letztlich hängt der Erfolg der Bioenergie aber auch davon ab, wie viele Landwirte mitmachen. Brunner fordert deshalb, Subventionen von den Stromkonzernen zu den Bauern umzuleiten: „Das würde den Steuerzahler nicht mehr belasten, aber wir hätten die Wertschöpfung im ganzen Land. Und das würde auch dem ländlichen Raum guttun.“ Seinen endgültigen Bericht will Brunner im Herbst vorlegen.

Von unserem Korrespondenten Henry Stern
    
    

Diesen Artikel

Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist abgelaufen. Sie können daher keine Beiträge zu diesem Artikel verfassen.
    

Umfrage

Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Anzeige

Leserbriefe 

Schreiben Sie uns
Wenn Sie uns einen Leserbrief schreiben wollen, dann können Sie das direkt hier tun. »mehr
Anzeige

Prospekte

 

Beilagen