publiziert: 19.10.2012 19:02 Uhr
aktualisiert: 21.10.2012 12:01 Uhr
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Kronacher V-Mann fertigte Todeslisten an

Neonazi soll auch NSU-Trio gekannt haben - Heß-Aufmärsche organisiert
  • Finde den V-Mann: Ein bekannter Neonazi soll parallel für den Verfassungsschutz gearbeitet und sogenannte „Todeslisten“ angefertigt haben.
    Foto: dpa
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Die Geschichte hört sich unglaublich an: Ein Neonazi aus dem Landkreis Kronach arbeitete als V-Mann für den bayerischen Verfassungsschutz und half gleichzeitig bei der Verbreitung von Neonazi-Hetzschriften, in denen dazu aufgerufen wird, politische Gegner aus SPD und Grünen „endgültig auszuschalten“.

Bei dem mutmaßlichen V-Mann handelt es sich nach Informationen unserer Zeitung um einen Neonazi aus dem Landkreis Kronach. Das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz soll ihn entgegen bisheriger Aussagen im Umfeld der späteren Terrorzelle NSU geführt haben. Er habe regelmäßig an Stammtischen mit dem Terror-Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Tschäpe teilgenommen, berichtete das BR-Politikmagazin „Kontrovers“ in seiner letzten Sendung.

Neue Abgründe tun sich auf. Der Computerexperte war nach Informationen unserer Zeitung von 1994 bis Juni 1998 V-Mann des bayerischen Verfassungsschutzes, also vor Beginn der NSU-Mordserie im Jahr 2000. Er ist dann offenbar ausgestiegen und war 2004/05 „geheimer Informant“ des bayerischen Verfassungsschutzes für den Bereich Organisierte Kriminalität. Das erfuhr unsere Zeitung aus zuverlässiger Quelle. Der Verfassungsschutz mit Sitz in München wollte dazu keine Stellungnahme abgeben, man werde das gegenüber den zuständigen Gremien tun, hieß es.

Anfang 1994, als der Mann beim Verfassungsschutz als Vertrauensmann eingestiegen war, gab es in Deutschland große Aufregung um die von Rechtsextremisten anonym verbreitete Hetzschrift „Der Einblick“. Darin waren mehr als 250 Namen und Adressen von Linken und vermeintlich Linken genannt, verbunden mit dem Aufruf, diesen „unruhige Nächte“ zu bereiten und sie „endgültig auszuschalten“. Die Todesdrohungen betrafen Angehörige der Antifa-Szene, der Gewerkschaften, der Grünen und der SPD. Die Empörung war groß, die Bundesanwaltschaft zog die Ermittlungen an sich und eröffnete ein Verfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung.

    
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Der heute 48-Jährige hatte bei der Herausgabe der Todesliste mitgeholfen, gedruckt wurde sie bei einem Verlag in Rodach (Landkreis Kronach). Der dortige Druckereichef, ebenfalls ein führender Rechtsextremist, wurde 1995 „wegen Beihilfe“ zu 3600 Euro Geldstrafe verurteilt. Das Verfahren gegen ihn selbst wurde eingestellt, ein schaler Geschmack blieb. Der Richter bemängelte damals, dass die Frage nach den Hintermännern ungeklärt bleibe und es nicht Aufgabe des Gerichts sein könne, „fehlende Ermittlungen“ nachzuholen.

Der Rechtsextremist betrieb 1997, also zu Zeiten seiner V-Mann-Tätigkeit, in Weißenbrunn (Landkreis Kronach) einen Sicherheitsdienst. Damals gab es sogar eine Landtagsanfrage der SPD beim bayerischen Innenministerium, was ein Sicherheitsdienst in der Hand eines Rechtsextremisten zu suchen habe. Doch das Ministerium konnte keine weiteren Erkenntnisse gewinnen. Die Sache verlief im Sande.

Fest steht: Der Neonazi verfügte in den 90er Jahren über weltweite Kontakte zu alten und neuen Nazis. Im Sommer 1992 etwa hatte er rund um den Globus zum „Rudolf-Heß-Gedenkmarsch“ nach Wunsiedel eingeladen und zeichnete für „Koordination, Durchführung und aktuelle Information“ verantwortlich. Nach Angaben des Informationsdienstes „Blick nach Rechts“ hatte er den Heß-Aufmarsch im August 1996 in Worms mitorganisiert – während seiner Zeit als Spitzel.

Nach Informationen unserer Zeitung hatte der Rechtsextremist im Sommer 2004 seinen Wohnort, die Gemeinde Steinwiesen im Landkreis Kronach, verlassen. Er soll ab 2008 in Nürnberg gewohnt haben. Der bayerische Verfassungsschutz war öfter in Steinwiesen zu Besuch, um sich nach ihm zu erkundigen. „Man hat schon gewusst, dass etwas mit ihm nicht passt“, hieß es in der Ortschaft, „wir waren froh, dass er weg war“.

Von unserem Mitarbeiter Peter Engelbrecht
    
    

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»Alle 16 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

Du_di_ned_oo (4415 Kommentare) am 21.10.2012 11:18

ein auffällig vergesslicher Ex-Polizeichef von Leibzig Chemniz

Der CDU-OB Kandidat in Leipzig und beurlaubter Polizeichef hat sehr viele auffällige Erinnerungslücken.

Bei einer Befragung antwortete er 20 mal mit „Das ist mir nicht erinnerlich“

Auf die Namen der gesuchten Terroristen angesprochen sagt
der ehemaliger Polizeichef in Chemnitz:
„Aus meiner Dienstzeit habe ich keine Erinnerung.“

Das anatomische Wunderkind, dessen Herz laut eigener Aussage rechts schlägt
hat davon erst in den Medien davon erfahren.
An eine Video-Überwachung des gesprengten Wohnsitzes des
Terror-Trios kann er sich auch nicht erinnern.

Während seiner Chemnitzer Dienstzeit (2000 bis Ende 2004)
überfiel die NSU in den Jahren 1999 bis 2011 14 Banken.
Einen großen Teil davon in Chemnitz und Zwickau.

Leipzigs Polizeipräsident Wawrzynski hat vom NSU-Trio erst aus den Medien erfahren

Ex-Polizeichef Wawrzynski: Akuter Gedächtnisverlust im NSU-Ausschuss
(0)
Du_di_ned_oo (4415 Kommentare) am 21.10.2012 11:34

Mehr vom CDU-OB-Kanditat der mit "innerer Sicherheit" punkten will

CDU in Sachsen - Intrigantenstadl statt innere Sicherheit

Der Ex-Polizeipräsident sucht nun also eine
Anschlussverwendung als OB für die CDU.

Mit seiner Fähigkeit sich an nihts zu erinnern bringt er m.E. gute Voraussetzungen mit.

Dabei will er übrigens mit dem Thema "innere Sicherheit" punkten.

[Mehr zum Thema]

Nazis in Sachsen: Sprengstoff mit Steuergeldern gekauft?

Die Zeit schreibt zum schwierigen Verhältnis der Union zum Rechtsextremismus:

Die Gefahr vom rechten Rand

Die NSU-Affäre verlangt der CDU eine Entscheidung ab: Soll sie Rechtsradikale weiterhin als Konkurrenten sehen – oder endlich als Kriminelle?
[Ein sehr lesenswerter Artikel in der Wochenzeitung Die Zeit]
(0)
DonAndreas (80 Kommentare) am 20.10.2012 21:00

Ääää...

Echt?

"...wurde 1995 „wegen Beihilfe“ zu 3600 Euro Geldstrafe..."

Hammer, daß es 1995 scho den Euro gab...
Irgendwie muß ich die Jahre 1995-1999 bzw. 2002 verpennt haben...
(0)
waldou (128 Kommentare) am 20.10.2012 14:46

Seit einem Jahr mindestens

täglich ein mehr oder weniger ausführlicher Bericht über die NSU.
Liest das überhaupt noch jemand?

Und wenn noch Platz ist, auch noch ein negativer Bericht über KKWs in dem vornehmlich die selbsternannten Eggsberten von Grünen und Greenpeace zu Wort kommen.

Gähn!
(3)
Du_di_ned_oo (4415 Kommentare) am 20.10.2012 14:56

ein Blick auf ...

http://www.mainpost.de/meistgelesen/
hilft bei solchen bohrenden Fragen.
(2)
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