publiziert: 21.10.2009 18:26 Uhr
aktualisiert: 21.10.2009 19:09 Uhr
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Liebe in Bayern jenseits der Norm

Grüne engagieren sich für Homosexuelle

In Sachen Liebe sind in Bayern nicht alle Bürger gleich. Der Freistaat achtet die Lebenspartnerschaft zweier Menschen gleichen Geschlechts weniger hoch als die von Mann und Frau. Die bayerischen Grünen sprechen von „massiven Diskriminierungen“ und wollen mit ihnen aufräumen. Die Münchner Landtagsabgeordnete Claudia Stamm, Tochter der Landtagspräsidentin Barbara Stamm, geht voran.

Claudia Stamm ist die gleichstellungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag. Sie reist durch Bayern, um sich, sagt sie, vor Ort ein Bild über die Situation von Menschen mit „queeren Lebensformen zu machen“. Der Begriff „Queer“ (sprich: kwier) kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „seltsam, sonderbar“. Ähnlich wie „schwul“ ist „queer“ ein Geusenwort: ursprünglich ein Schimpfwort, in diesem Fall gemünzt gegen Homosexuelle, von ihnen aber ins Positive gewendet, indem sie es selbst verwenden. Stamm fordert, die notariell eingetragene Lebenspartnerschaft gleichgeschlechtlich Liebender rechtlich mit der Ehe gleichzustellen.

„Gesellschaftspolitische Aufgabe“

Die Grünen halten die Gleichstellung „von Menschen, die nicht nach der heterosexuellen Norm leben“ für eine gesellschaftspolitische Aufgabe, sie berühre unter anderem Schule, Arbeitsplatz, Medien, Religionen, Sport, Pflege. Um die Schule ging es bei Stamms Treffen mit schwulen Lehrern in Würzburg. Die Abgeordnete fragte nach „politischem Handlungsbedarf“.

Gerhard Danner ist schwul, er unterrichtet am Olympia-Morata-Gymnasium in Schweinfurt. Alles, berichtete er, sei „heterosexuell normiert“. Den Lehrern müsse aber klar sein, dass „in jeder Klasse ein, zwei, drei Schüler sitzen, die nicht heterosexuell sind“. Andreas Roser, Lehrer am Martin-Schleyer-Gymnasium in Lauda, glaubt, dass die Schule homosexuellen Schülern häufig nicht gerecht wird. Dabei müsse sie den jungen Leuten „aufzeigen, dass nichts verkehrt daran ist, so zu sein, wie sie sind, und dass sie das Recht haben, das glücklich und offen zu leben“.

Beide Pädagogen haben sich geoutet, sie finden das wichtig. Ein geouteter Lehrer, sagt Roser, ändert schon die Situation an der Schule, „weil schwulenfeindliche Witze nicht mehr so leicht über die Lippen gehen.“

Anhörung geplant

Stamm meint, Homosexualität müsse ein Querschnittthema in der Schule sein, in beinahe jedem Fach vorkommen. Damit der Mensch früh erkenne, dass an gleichgeschlechtlicher Liebe nichts Schlechtes ist, sollten Kinder schon im Grundschulalter erfahren, dass Männer nicht nur Frauen, sondern auch Männer heiraten können. Roser bestätigt sie, „im Sinne der Prävention. Dann ist das Thema abgehakt, und man hat hinterher keine Scherereien mehr damit“.

Bis zum Frühjahr will Stamm ihre Informationen über die Aspekte homosexuellen Lebens in Bayern sammeln. Dann steigt im Landtag die Expertenanhörung „zur Situation von Menschen mit ,queeren' Identitäten in Bayern“.

Von unserem Redaktionsmitglied Wolfgang Jung
    
    

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