publiziert: 08.02.2012 18:58 Uhr
aktualisiert: 08.02.2012 18:59 Uhr
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Mit dem Aufhören anfangen

200 000 Deutsche leiden unter Glücksspielsucht – Im Allgäu finden sie Hilfe
  • Hilfe gegen Spielsucht: Dorothee Lehner-Wagner, stellvertretende Leiterin der Fachklinik Römerhaus bei Sulzberg in Schwaben.
    Foto: dpa
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Sie verspielen ihr Geld, verlieren oft aber viel mehr. Rund 200 000 Menschen leiden in Deutschland an Glücksspielsucht. In Fachkliniken finden sie Hilfe. Das Römerhaus im Allgäu war bayernweit die erste Klinik mit einem stationären Therapieangebot für krankhafte Spieler.

Seit mehr als 50 Jahren ist die idyllisch gelegene Klinik auf die Behandlung suchtkranker Männer spezialisiert. „Der Ort, um mit dem Aufhören anzufangen“, heißt es in einer Broschüre der Einrichtung. Neben Alkoholikern behandelt die Klinik seit zweieinhalb Jahren auch Spielsüchtige.

Knapp 200 Spieler hätten bisher das Angebot genutzt, sagt Dorothee Lehner-Wagner, stellvertretende Klinikleiterin. Betroffen von Spielsucht sind überwiegend Männer. Als spielsüchtig werden sie bezeichnet, wenn sie dem Impuls zum Glücksspiel oder Wetten nicht mehr widerstehen können. „Zuerst gewinnen sie, dann verlieren sie. Und schließlich müssen sie spielen, um das verlorene Geld zurückzugewinnen. Aber das funktioniert in den seltensten Fällen.“ Die Folgen können gravierend sein: hohe Schulden, Beziehung kaputt, Arbeitsstelle verloren, Haus und Hof gepfändet.

Trotz ihrer verzweifelten Lage findet nur ein Teil der krankhaften Spieler freiwillig den Weg in die Fachklinik. Oft käme die Einweisung erst auf Druck der Familie oder durch eine Therapieauflage zustande, sagt Lehner-Wagner. „Es ist ein langwieriger Prozess, bis ein Süchtiger bereit ist, sich helfen zu lassen.“

Im Römerhaus stehen 46 Therapieplätze zur Verfügung, die Hälfte davon ist mit Spielern besetzt. Die Patienten sind zwischen 18 und 75 Jahre alt und kommen überwiegend aus Bayern. Die meisten von ihnen sind Automatenspieler, die ihr Geld in Spielhallen tragen. Andere besuchen Kasinos oder Wettbüros, wieder andere sind Online-Spielen wie Poker verfallen.

Auch für Volker (Name von der Redaktion geändert) drehte sich das Leben jahrelang nur noch ums Spielen. „Ich habe alles gemacht, was mir den Kick gegeben hat. Fußballwetten, Pferderennen, Kasino, Automaten. Manchmal habe ich 70 Stunden lang durchgespielt“, erzählt der 38-Jährige aus Oberbayern. Als er am Tiefpunkt angelangt war, habe er sich hundeelend gefühlt. „Alles tat weh, ich war unsicher, unzufrieden, müde und lebte nur noch mit Angst.“ Selbst habe er jedoch nicht die Kraft zum Aufhören gehabt.

Dass ihm ein Gericht die Auflage erteilt hat, sich professionelle Hilfe zu suchen, darüber ist er heute froh, sagt Volker. Seit elf Wochen ist er im Römerhaus – und fühlt sich bereits viel besser. „Das hier war meine letzte Chance.“

Neben dem Römerhaus im Allgäu gibt es in Bayern nach Angaben der Landesstelle Glücksspielsucht inzwischen zwei weitere Einrichtungen, die Spielsüchtige stationär therapieren.

In der Fachklinik Römerhaus sind auf dem großzügigen Gelände mehrere Patientenhäuser, ein Gewächshaus, eine Schreinerei, eine Wäscherei sowie ein großes Verwaltungsgebäude mit Speisesaal, Therapieräumen, Fitnessraum und Turnhalle untergebracht.

Die Patienten verbringen zwischen sechs und 15 Wochen in der Klinik. Großen Raum im täglichen Stundenplan nimmt die Hilfestellung in Sachen Schuldenregulierung und Geldmanagement ein. Zusätzlich arbeiten die Patienten in der Küche, der Gärtnerei oder Schreinerei und nehmen an den Sportangeboten und Freizeitaktivitäten teil.

Von dpa-Korrespondentin Birgit Klimke
    
    

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