publiziert: 02.04.2013 19:22 Uhr
aktualisiert: 04.04.2013 12:04 Uhr
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Neonazis mieten den Andrea-Berg-Bus

Rechtsextreme kamen im Fahrzeug mit Bild des Schlagerstars zur Demo nach Kitzingen
  • Foto: imago
    Ein Bus auf Abwegen: Seit Andrea Bergs „Abenteuer-Tour“ 2012 prangte auf der Seite das Bild der Schlagersängerin. Nun waren in dem vermieteten Bus 20 Rechtsextreme damit in Kitzingen unterwegs.
Bild von

Neonazis stehen eher auf gebrüllten Rechtsrock als auf deutsche Schlager wie „Ein Tag mit Dir im Paradies“. Aber Andrea Bergs früherer Tourbus (mit dem übergroßen Bild der Schlagersängerin an der Seite) war 20 Rechtsextremen am Ostersamstag schon recht, um auf Propagandatour zu fahren – quer durch Unterfranken, bis nach Kitzingen.

Eine Zeugin sah, wie eine Gruppe Neonazis bei der Kundgebung der Rechtsextremen in Kitzingen aus dem Bus stieg, der 2012 noch die Sängerin mit der roten Wallemähne auf ihrer „Abenteuer-Tour“ gefahren hatte. Dies passt zu Beobachtungen unserer Reporterin: In Kitzingen kam das Gros der 85 Neonazis am Samstag mit dem Zug. Aber eine kleinere Gruppe von etwa 20 Personen, die per Bus gekommen war, wurde nach Beginn der Gegenveranstaltung unter Polizeischutz durch die Menge der Gegendemonstranten zur Kundgebung ihrer Gesinnungsgenossen gebracht.

Einen fotografischen Beweis dafür, dass die Neonazis im früheren Tourbus der Sängerin nach Kitzingen gekommen waren, gibt es wohl nicht. Aber das Bild des Fotografen Jürgen Mahnke, das den Bus zuvor auf der Autobahn A 3 hinter Frankfurt in Richtung Würzburg zeigt – eskortiert von einem halben Dutzend hessischer Polizeifahrzeuge.

Polizei-Eskorte auf der A3

Pressesprecher Rainer Müller vom Polizeipräsidium in Darmstadt bestätigt am Dienstag auf Anfrage dieser Zeitung: Ein Bus mit Neonazis wollte nach Gernsheim fahren, wo die Rechtsextremen eine Demo angemeldet hatten. Weil die verboten wurde, fuhren sie weiter – und wussten offenbar, dass ihre Gesinnungsfreunde in Würzburg und Kitzingen per Gerichtsentscheid durchgesetzt hatten, dass sie marschieren dürfen.

Eskortiert von Polizeifahrzeugen und einem „Bild“-Fotografen fuhr der Bus auf der A 3 in Richtung Unterfranken. „Wir haben ihn bis zur bayerischen Landesgrenze begleitet“, bestätigt der hessische Polizeisprecher. Dort geriet er ins Blickfeld der Einsatzzentrale der Polizei in Würzburg. „Wir haben den Bus übernommen, der dann nach Kitzingen gefahren ist“, bestätigte Pressesprecher Karl-Heinz Schmitt auf Anfrage.

Am Dienstag berichteten Medien vom „Stern“ bis „Focus“ von dem schwarzen Bus mit dem überlebensgroßen Bild der Sängerin in aufreizender Pose. Dabei hat die 47-Jährige das Fahrzeug von Mercedes gar nicht mehr in Besitz – und ahnte wohl nicht, wer damit unterwegs war. Als sie davon hörte, könnte sie an eines ihrer erfolgreichsten Lieder gedacht haben: „Dich soll der Teufel hol'n“.

Nach der „Abenteuer“-Konzert-Tournee war der Mercedes-Bus im November 2012 für zwei Jahre an „Fun to Travel“ in Althütte (Baden-Württemberg) vermietet worden. Dem Reise-Unternehmen wurde gestattet, die Werbefolie am Bus zu lassen, die die überlebensgroße Andrea Berg („Du hast mich tausendmal belogen“) zeigt. Laut Management durfte der Bus nicht für politische Zwecke genutzt werden.

Ein Sprecher von „Fun to Travel“ bestätigte „Bild“ am Montag: „Der Bus wird vermietet an Vereine, Schulen und Agenturen. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.“ Am Dienstag ging das Unternehmen auf Tauchstation. Niemand nahm bei mehrfachen Versuchen Anrufe an. Permanent bat ein Anrufbeantworter, eine Nachricht zu hinterlassen

Bergs Manager Oliver Mintzlaff sagte: „Wir sind schockiert und können uns nur von der rechtsradikalen Gruppierung distanzieren. Wir werden gegen den Reiseveranstalter rechtliche Schritte einleiten.“ Er betont: „Wir haben den Bus von dem Unternehmen zurückgefordert.“

Andrea Berg hat laut ihres Managements eine schnelle Klärung des Falles gefordert. Ansonsten hielt sie es mit einem ihrer bekanntesten Lieder: „Die Gefühle haben Schweigepflicht“.

Friedlicher Prostest gegen Neonazis

    
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Neonazi-Kundgebung und Gegendemonstration in Kitzingen
Neonazi-Kundgebung und Gegendemonstration in Kitzingen
Neonazi-Kundgebung und Gegendemonstration in Kitzingen
Neonazi-Kundgebung und Gegendemonstration in Kitzingen
Neonazi-Kundgebung und Gegendemo
Kitzingen
30.03.2013
    
    
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Neonazi-Demo in Würzburg
Neonazi-Demo in Würzburg
Neonazi-Demo in Würzburg
Neonazi-Demo in Würzburg
Neonazi-Demo in Würzburg
Würzburg
30.03.2013
    

Von unserem Redaktionsmitglied Manfred Schweidler
    
    

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»Alle 13 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

DonAndreas (102 Kommentare) am 03.04.2013 15:30

Hmmm…

Die Braunen ham nen Bus gemietet (oder mieten lassen?).
Der sie von A nach B bringt.

Ich sah da auf dem Bild nix, was darauf hinweist,
daß dieser „politisch genutzt“ wurde (Sticker, Fahnen, Banner an den Fenstern oder so).

Nun frag ich mich grad, was wohl gewesen wäre,
wenn die Schrebergartenabteilung der SPD Wanne-Rauxell oder
des CSU Ortsbundes Hinterdupfing,
oder sogar ne AG Toleranz eines gemischten Grün-Links-Alternativen Bündnisses
oder ne Gewerkschaft den Bus zum Persontransport
zu einer Demo oder nen Ostermarsch missbraucht hätte…

War das vielleicht schon mal der Fall?
Ob man das mal prüfen sollte? zwinkern

Egal, auf jeden Fall ist die mir
(was ich schändlicherweise gestehen muß traurig )
gänzlich unbekannte Dame nu inner Presse;
und ich weiß jetzt, daß es sie gibt.

PS: Ich bin auch kein Freund der Rechten, aber manches is scho echt kurios.
Manche Gegner der Rechten sind da mMn genauso oder fast schon rechter als die Rechten...
Und sowas braucht wohl auch keiner...
(2)
birdy2 (614 Kommentare) am 03.04.2013 18:50

@DonAndreas

Manche Gegner der Rechten sind da mMn genauso oder fast schon rechter als die Rechten...
Und sowas braucht wohl auch keiner...


Ganz einfach: Sie meinen die Grünen und die Linken zwinkern
(0)
DonAndreas (102 Kommentare) am 03.04.2013 19:22

Nene birdy2

Des is parteienübergreifend,
quasi ne farbenblinde Aussage meinerseits. grinsen

Ich mach da keinen Unterschied.
(0)
Frankenpatriot (5226 Kommentare) am 03.04.2013 13:39

Hier der Beweis dafür, dass dieser ehemalige Tour-Bus nicht für politische Zwecke benutzt werden...

Hier habe ich mal Informationen, dass dieser ehemalige Tour-Bus nicht für politische Zwecke verwendet werden darf:

Zitat von n-tv.de
Laut Management war der Bus im November 2012 für zwei Jahre an den Reiseveranstalter übergeben worden. Dem Unternehmen wurde gestattet, die Werbefolie am Bus zu lassen. Laut Mintzlaff steht im Vertrag, dass der Bus nicht für politische Unternehmungen genutzt werden darf. Der "Bild" sagte ein Sprecher aber: "Der Bus wird vermietet an Vereine, Schulen und Agenturen. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen".


n-tv.de: Neonazis im ehemaligen Tourbus

Außerdem hat Andrea Berg giesen Bus inzwischen zurückgefordert.
(0)
Frankenpatriot (5226 Kommentare) am 03.04.2013 13:34

@ all: ihr verdreht ein paar Fakten - Bus durfte laut Vertrag nicht für politische Zwcke genutzt...

@ all: ihr verdreht ein paar Fakten:

1. dieser Bus war der Ex-Tourbus von Andrea Berg

2. dieser Bus gehörte danach einem Reisebüro und wurde an Vereine, etc vermietet.

3. im Vertrag gab es einen expliziten Passus, der die Verwendung dieses Ex-Tourbusses für politische Zwecke explizit verbot!

4. durch diese zur-Verfügung-Stellung an die Neonazis hat dieses Reisebüro genau gegen dieses Passus verstoßen und ist damit haftbar!

Daher: so ganz unschuldig sind hier beide Seiten (also sowohl diese Neonazis als auch dieses Reisebüro) nicht
(0)
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