publiziert: 26.01.2012 19:22 Uhr
aktualisiert: 27.01.2012 16:27 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text HASSFURT/KITZINGEN/WÜRZBURG
Positiver Trend bei Organspende

Bayerns Kliniken arbeiten enger mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation zusammen
Laut Statistik der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), spendeten im vergangenen Jahr 1200 Menschen nach ihrem Tod Organe, 7,4 Prozent weniger als 2010 (wir berichteten). In Bayern sehen die Zahlen erfreulicher aus, sagt Dr. Thomas Breidenbach. Der geschäftsführende DSO-Arzt für Bayern spricht auch in einem anderen Punkt von einem sehr positiven Ergebnis. „Die Kontakte der Krankenhäuser zur DSO sind bayernweit um 15 Prozent gestiegen“, so Breidenbach. Das heißt, die einzelnen Häuser haben mehr potenzielle Organspender, also Patienten mit schweren Hirnschädigungen, an die Stiftung gemeldet als im Vorjahr. Sie sind dazu gesetzlich verpflichtet.
  

40 Prozent aller bayerischen Krankenhäuser hätten allerdings keinen Kontakt zur DSO aufgenommen. „Das heißt nicht, dass diese Häuser womöglich Organspender hatten, aber nicht gemeldet haben“, sagt Breitenbach und korrigiert damit den Bericht eines bayerischen Radiosenders. Dort war zu hören, dass sich 40 Prozent der Krankenhäuser gar nicht an der Organspende beteiligen würden. „Ich bin falsch zitiert worden.“

Dass Organspenden vor allem an kleineren und mittleren Krankenhäusern eher selten vorkommen, bestätigt eine kleine Umfrage dieser Zeitung. Insgesamt waren in Bayern 14 Kliniken an einem Pilotprojekt zur Förderung der Organspende beteiligt. Es lief eineinhalb Jahre, ist im Dezember zu Ende gegangen.

In Unterfranken nahmen sieben Krankenhäuser teil, jedes besitzt einen Transplantationsbeauftragten. Beispielsweise die Haßberg-Kliniken in Haßfurt und Ebern. Laut Dr. Matthias Wulf, Oberarzt in der Abteilung Innere Medizin in Haßfurt, hätte er im Projektzeitraum einen Patienten mit einer schweren Hirnschädigung, der vor dem Eintreten des Hirntodes gestorben sei, der DSO melden können, „aber die Angehörigen wollten es nicht“. Keinen für eine Organspende geeigneten Patienten gab es in den vergangenen eineinhalb Jahren im Juliusspital Würzburg, sagt Dr. Mathias Pfau, Oberarzt in der Neurologischen Abteilung. Der Transplantationsbeauftragte spricht von einer seit Jahren bestehenden guten Kooperation zur DSO. Das zeigt sich auch darin, dass das Juliusspital 2011 mit dem Bayerischen Organspendepreis ausgezeichnet wurde.

Dr. Hartmut Marquardt ist bereits seit zehn Jahren der Transplantationsbeauftragte der Klinik Kitzinger Land in Kitzingen. Der Oberarzt in der Abteilung für Anästhesie erinnert sich an zwei oder drei Organspendern in den vergangenen 15 Jahren. Es käme jedoch „ganz selten vor, dass bei einem Patienten der Verdacht auf Hirntod vorliegt“, so Marquardt.

Dies bestätigt auch Dr. Andreas Neumann von der Geomed-Klinik in Gerolzhofen, ebenfalls Oberarzt in der Abteilung für Anästhesie. Dort ist die Stelle des Transplantationsbeauftragten zurzeit verwaist, da der bisherige Beauftragte im Dezember in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Laut DSO-Arzt Breidenbach liegt noch keine Auswertung des Pilotprojektes vor; dafür ein Zwischenbericht für die sogenannte Inhouse-Koordination. Sie wurde zeitgleich bundesweit an 112 größeren Kliniken mit neurochirurgischer Intensivstation durchgeführt, ebenfalls mit dem Ziel, die Situation der Organspende zu verbessern. Das Zwischenergebnis lautet, dass die Zusammenarbeit der DSO mit den Krankenhäusern weiter gestärkt werden müsse. Denn immerhin warten in Deutschland rund 12 000 Patienten auf eine lebensrettende Transplantation. Laut DSO stirbt alle acht Stunden ein Mensch, dem durch eine Transplantation hätte geholfen werden können.

Hier können Sie den Organspendeausweis als pdf herunterladen, sofort ausfüllen und ausdrucken.

Von unserem Redaktionsmitglied Christine Jeske
    
    

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Die neuesten Kommentare

GrauAlfons (7 Kommentare) am 29.01.2012 22:30

DSO und Organspende

Die Feststellung: "...(DSO), spendeten im vergangenen Jahr 1200 Menschen nach ihrem Tod Organe,..." ist schlicht falsch. Organe, die nach dem Tod des "Spenders" entnommen werden, sind für eine Transplantation unbrauchbar. Das wissen alle Ärzte. Wenn mit Tod der sogenannte Hirntod gemeint sein sollte, dann wäre es eine üble Irreführung. "Hirntote" sind allenfalls Sterbende im möglicherweise irreversiblem Hirnversagen. Niemand - auch kein Arzt - weis, ob sie bei der Explantation etwas wahrnehmen und empfinden. In der Schweiz ist deshalb für diesen Akt Vollnarkose vorgeschrieben.

Angesichts der drohenden Abfrage nach seiner Bereitschaft zur Organspende sollte sich jeder Bundesbürger um umfassende Aufklärung über "Hirntod und Explantation" bemühen. Als kompetent und unabhängig gilt hierfür die neue Ärzteinitiative AGH - "Ärztliche Ad-Hoc-Gruppe Hirntod".
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